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Rennanalyse GP Brasilien

Foto: dpa 55 Bilder

Der GP von Brasilien war reich an Dramen und ging zudem noch wegen eines Sprit-Skandals in die Verlängerung. Drei Fragen drängen sich auf: Warum war McLaren-Mercedes so langsam und Ferrari so schnell? Was lief bei Lewis Hamilton schief? Und was steckte hinter dem vermeintlichen Sprit-Skandal bei Williams und BMW?

22.10.2007

Die Ferrari-Piloten waren über weite Strecken des Rennens bis zu einer Sekunde pro Runde schneller als die McLaren-Mercedes, besonders auf den weichen Standardreifen. Auf den superweichen Options-Reifen schrumpfte die Differenz zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes zwar phasenweise auf wenige Hundertstelsekunden zusammen - doch da war das Rennen bereits in der Endphase und entschieden.

"Wir hätten sogar noch schneller fahren können", offenbarte Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen nach dem Rennen. Die McLaren-Piloten klagten über massive Reifenprobleme: "Mit den weichen Standardreifen hatten wir Probleme mit Blasenbildung und Körnen", offenbarte Fernando Alonso. Der Kurs von Interlagos hätte eigentlich McLaren liegen sollen: Erstens weil die Silberpfeile in früheren Saisonrennen besser mit der supersoften Reifenmischung klarkamen als Ferrari und zweitens weil die Bodenwellen dem McLaren-Chassis hätten besser liegen sollen. Doch diese Annahmen bestätigten sich nicht.

Superweiche Reifen funktionierten

Durch die Neuasphaltierung waren die Bodenwellen verschwunden, und Ferrari fand endlich einen Dreh, um auch die superweichen Reifen gut zu nutzen. Dabei half generell die Tatsache, dass das Ferrari-Chassis schonender mit den Reifen umgeht als die McLaren-Rennwagen.

Betrachtet man die Rundenzeiten im Detail, so war Hamilton schneller als sein Teamkollege Alonso. Bei seiner schnellsten Rundenzeit lag er nur eine beziehungsweise zwei Zehntelsekunden hinter den beiden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Felipe Massa, während Alonso in seiner besten Runde sechs Zehntel auf das rote Duo einbüßte.

Alonso verlor besonders viel Zeit im zweiten, kurvenreichen Sektor: Hier war sogar Teamkollege Hamilton der Schnellste mit 36,609 Sekunden, Alonso dagegen nur Achter mit einer Zeit von 37,059 Sekunden. Die schnelleren Rundenzeiten von Hamilton sind auch damit zu begründen, dass er auf drei Stopps gepolt war, sein Teamkollege Alonso dagegen auf zwei, was seine Reifenprobleme deutlich verschärfte.

Hamilton: Verpatzter Start und Elektronikproblem

Lewis Hamilton verlor die Weltmeisterschaft sozusagen in zwei Schritten: beim Start fiel er bis zur vierten Kurve von Startplatz zwei auf Position vier zurück. In der achten Runde versagte vorübergehend die Schaltelektronik des Getriebes, vermutlich ein Sensor- oder Elektronikproblem. Hamilton blieb im Leerlauf stecken und musste erst auf Anleitung seines Teams ein Reset des Getriebecomputers durchführen. Danach konnte er zwar ohne zusätzlichen Boxenstopp weiterfahren, war jedoch binnen einer Runde auf Platz 18 zurückgefallen und wies bereits einen Rückstand von 40 Sekunden auf den führenden Ferrari von Felipe Massa auf. Damit war die WM für Hamilton gelaufen.

Das dachten zumindest alle, bis zweieinhalb Stunden nach Rennende erste Gerüchte durchsickerten, dass bei BMW und Williams zu niedrige Benzintemperaturen gemessen worden seien. Die FIA schreibt vor, dass die Benzintemperaturen nicht mehr als zehn Grad unterhalb der Umgebungstemperatur liegen dürfen. Bei Rosberg, Kubica und Heidfeld meldeten der Temperatursensoren bei der automatischen Überprüfung beim Boxenstopp um zwei bis vier Grad niedrigere Temperaturen als vom Reglement erlaubt. Wären die Drei aus der Wertung geflogen, so wäre Hamilton Weltmeister gewesen.

Provisorisches Resultat bestätigt

  In der Verhandlung mit den Rennkommissaren tauchten jedoch berechtigte Zweifel an der Genauigkeit der Messungen auf - die Benzintemperatur wird im Nachfülltank gemessen und nicht am Einfüllstützen. Auf dem Weg dahin erhitzt sich der Treibstoff jedoch in den warmen Plastikschläuchen. Außerdem bestanden Zweifel an der korrekten Messung der Außentemperatur. Daher entschieden die Sportkommissare zugunsten der betroffenen Teams und bestätigten das provisorische Resultat vom Nachmittag.

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