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Rennanalyse GP Brasilien

Schumis letztes Feuerwerk

Foto: dpa

Michael Schumacher verabschiedete sich von der Formel 1 in Sao Paulo nicht mit einem Sieg, aber mit einem großen Rennen. Ferrari war dank der Bridgestone-Reifen drückend überlegen, doch die Titel gingen an Renault.

23.10.2006 Markus Stier

Michael Schumacher
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Renault hatte wieder einmal verwachst, aber dank des Ferrari-Pechs zum Saisonende wurden die Blaugelben nicht bestraft. Die Mannen von Chefingenieur Pat Symonds hatten wegen der laut Wettervorhersage kühlen Temperaturen auf Reifen für schlechtes Wetter (bis 32 Grad Celsius Streckentemperatur) gesetzt, sie befürchteten heftiges Körnen, das besonders an den Hinterrädern wegen der Traktionskontrolle kaum abzustellen ist. Rutschende Hinterräder machen ein Auto besonders in der entscheidenden Linkskurve vor dem langen Vollgasstück bei Start und Ziel zu einem leichten Überholopfer.

Bei Ferrari dagegen freute man sich über Sonnenschein am Renntag und Asphalttemperaturen zwischen 34 und 42 Grad. Gegen die Roten waren alle anderen chancenlos. Felipe Massa konnte das Tempo nach Belieben kontrollieren. Nach dem ersten Boxenstopp nahm der spätere Sieger bereits Dampf heraus. "Das war vermutlich das leichteste Rennen meines Lebens", meinte er. Der Brasilianer hatte sogar die Muße zuzusehen, was seine Landsleute auf den Tribünen so alles aufführten.

Da hatte Michael Schumacher schon mehr Stress. Von Startplatz zehn bereits nach acht Runden auf Platz sechs vorgefahren, warf ihn eine aufgeschlitzte Reifenflanke um fast eine Runde hinter den Führenden zurück. Die Ursache ist nicht endgültig geklärt. Die Ferrari-Ingenieure vermuteten eine Berührung mit Giancarlo Fisichellas Renault. Eine weitere Möglichkeit: Einen halben Kilometer vor der Panne musste Schumacher durch die Trümmerreste des Rosberg-Unfalls fahren.

Schumacher selbst bemerkte die Ursache für das seltsame Verhalten seines Autos gar nicht. Als er Fisichella passiert hatte, konnte er einen Dreher gerade noch vermeiden. Die Boxenmannschaft meldete ihm erst auf der Gegengeraden, dass der Reifen Luft verlor.

70 Sekunden Rückstand

Mit 70 Sekunden Rückstand kam Schumacher aus der Box und brannte zum Karriereende noch einmal eines seiner Feuerwerke ab. Der Tank war nach Runde neun bis zum Kragen voll. "Das war unsere einzige Chance", sagte Taktikchef Luca Baldisseri.

Trotz des schweren Autos konnte er das Tempo von Temkollege Massa mitgehen. Schumachers schnellste Runde (1:12,1 Minuten) lag sieben Zehntel unter der von Massa und acht Zehntel unter der von Alonso. Zeitweilig fuhr Schumacher drei 1:12er Zeiten hintereinander, dabei war der Tank noch nicht einmal leer. Waren die Ferrari und die Renault im Training mit 312 km/h Topspeed noch nahezu gleich schnell, fuhr Schumacher im Rennen 318 km/h und war mit Abstand der schnellste. Überholen war ein Kinderspiel. Bei Renault vermutete man eine veränderte Frontflügeleinstellung beim Auto mit der Nummer fünf.

Nur dass der Asphalt in der Spitzkehre aufbrach, und Schumacher zwei Mal auf den Rollsprit geriet, konnte ihn bei seiner Aufholjagd kurzzeitig bremsen, die ihn bis auf Rang vier führte. Im Ziel hatte Schumacher nur noch 24 Sekunden Rückstand auf Massa, und fünfeinhalb auf den zweitplatzierten Alonso.

Der konnte es allerdings ruhig angehen lassen. "Meine Aufgabe hieß nicht Gewinnen, meine Aufgabe war Achter zu werden", sagte der Zweitplatzierte. Schon nach Schumachers Reifenpanne reduzierte der Weltmeister seine Maximaldrehzahl um 20 Prozent. Es reichte immer noch, um Jenson Button und Kimi Räikkönen hinter sich zu halten.

Toyota schenkte BMW Platz fünf

Beim anderen WM-Duell, dem um Platz fünf im Konstrukteurspokal, war schnell die Luft raus. BMW blieb punktelos, rettete aber einen Punkt Vorsprung vor Toyota ins Ziel. Nach der Safetycar-Phase nach Nico Rosbergs Unfall kamen beide Toyota innerhalb einer Runde an die Box. Die Dämpferanlenkung an der Hinterachse war auf der brasilianischen Buckelpiste bei beiden Autos gebrochen - Ursache unbekannt.

Eine verschenkte Chance, denn die beiden BMW-Fahrer taten alles, um Toyota Platz fünf zu schenken. Nick Heidfeld und Robert Kubica kämpfen um die Vorherrschaft im Team und beharkten sich in der ersten Runde derart, dass Michael Schumacher beide mühelos passieren konnte, auch McLaren-Fahrer Pedro de la Rosa profitierte von dem teaminternen Scharmützel. Bei Heidfeld bekam der Frontflügel etwas ab, er ließ ihn später wechseln. Danach kollidierte er leicht mit dem Toro Rosso von Liuzzi. Der BMW war angeknackst. Acht Runden vor Schluss flog Heidfeld nach einem Folgeschaden von der Piste.

Auch Kubica entledigte sich eines Zusatzflügels und wunderte sich, dass sein Auto ab Runde zehn nicht mehr schnell genug war. Eine Strategie mit relativ vollen Tanks beim Start zahlte sich nicht aus. Die BMW waren an diesem Tag zu langsam für Punkte. Kubicas schnellste Runde reichte nur für Platz 14, Heidfeld war 15.

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