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Rennanalyse GP China 2015

Schmutzige Tricks von Hamilton?

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP China 2015 Foto: xpb 60 Bilder

In unserer Rennanalyse klären wir die letzten offenen Fragen vom GP China. Hat Hamilton absichtlich gegen den Teamkollegen foul gespielt? Warum überholte Rosberg den langsamen Vordermann nicht einfach? Und wer profitierte vom Rennende hinter dem Safety-Car?

12.04.2015 Michael Schmidt

Wurde Nico Rosberg von Lewis Hamilton unfair eingebremst?

Bei Mercedes war nach der Zieldurchfahrt Feuer unter dem Dach. Schon während des Rennens hatte sich Nico Rosberg per Funk über die Tempoverschleppung des Teamkollegen aufgeregt. Nach dem Rennen platzte dem Vizechampion der Kragen, als Hamilton in der Pressekonferenz erklärte, wie einfach er sein Tempo an der Spitze kontrollierte: "Es ist interessant von Dir zu hören, dass Du nur an Dich selbst und Deine Pace denkst. Das hat mir das Rennen kaputtgemacht", raunzte Rosberg den Stallrivalen an.

Toto Wolff versuchte die Wogen zu glätten. Er verteidigte beide Fahrer: "Wir hatten eigentlich mit Medium-Reifen im Mittelstint geplant. Doch dann hielt der Soft-Reifen zu Beginn besser als erwartet. Wir wollten den Angriff von Ferrari kontern und sind deshalb 2 Mal die weichen Reifen gefahren. Lewis fand sich plötzlich in einer Situation, in der er länger als geplant mit den Softs durchhalten musste. So lange waren wir diese Reifen das ganze Wochenende am Stück nicht gefahren. Deshalb ist seine vorsichtige Fahrweise verständlich."

Auch der Ärger von Rosberg sei nachzuvollziehen. Der Deutsche hatte sich beim Angriff auf Hamilton im ersten Stint die Reifen ruiniert. "Deshalb wollte er im zweiten Stint zwei statt einer Sekunde Platz lassen. Und plötzlich hat er den Eindruck, dass der vorne nur cruist und dich in den Hauptbewerber hineinpusht. Wir haben aber geklärt, dass Lewis nicht absichtlich langsam gemacht hat, um Nico nach hinten zu schieben. Und so viel langsamer als von uns gefordert war er auch nicht. Im Schnitt vielleicht 2 Zehntel."

Ganz so klar war es allerdings nicht. Hamilton fuhr bewusst übervorsichtig. Nach Informationen von auto motor und sport verpasste er die Zielvorgabe im Schnitt deutlich stärker als von Wolff angegeben. Hamilton selbst gab zu, dass er am Ende der Stints noch genügend Reserven hatte. Kurz vor dem zweiten Boxenstopp fuhr er die schnellste Rennrunde: "Das war schon extrem, dass er 2 Runden lang 1,2 Sekunden findet", wunderte sich Rosberg. "Außerdem hatte Lewis aus dem ersten Stint einen guten Referenzwert, wie gut die Reifen halten." Hamilton hat Rosberg unnötig unter Druck gesetzt. Das war vielleicht nicht die feine Art, aber als Spitzenreiter auch sein gutes Recht.

Warum fiel das Überholen so schwer?

Wenn sich der Zweitplatzierte beschwert, dass der Führende nicht schnell genug fährt, dann wundert sich der geneigte Zuschauer. Normalerweise hätte man Rosberg empfohlen, einfach vorbeizufahren, wenn der Vordermann zu langsam ist. "Das habe ich ja im ersten Stint versucht. Aber dabei sind meine Reifen schnell eingebrochen", verteidigte sich Rosberg. Wolff erklärte: "Wir haben schon in den freien Trainings gesehen, dass der Gripverlust extrem ist, wenn man nur 2-3 Runden lang etwas zu viel Gas gibt."

Das Problem von Shanghai liegt in der ungewöhnlichen Kurvenfolge. Sie strapaziert die Vorderreifen mehr als die hinteren Gummis. Wer zu nah auffährt riskiert in der verwirbelten Luft des Vordermanns, dass der Frontflügel nicht sauber angeströmt wird und das Auto deshalb untersteuert. Das stresst die Vorderreifen zusätzlich. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Überholstellen. Shanghai besitzt zwar die längste Gerade im Kalender. Durch die lange Kurve zuvor, die immer schneller wird, ist es nur schwer, dem Vordermann nahe genug zu folgen.

Wer profitierte vom Safety-Car am Ende?

Der Motorplatzer bei Max Verstappen 3 Runden vor Schluss fror die Reihenfolge ein. Weil der Toro Rosso genau auf der Zielgerade stehen blieb, musste das Safety-Car auf die Bahn. "Das Auto steht direkt auf der Strecke in einer DRS-Zone. Die Rennleitung hat keine andere Wahl gehabt", erklärt Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Weil Verstappen seinen Toro Rosso auch noch ganz nah an der Mauer parkte, schafften es die Streckenposten nur mit Mühe, das Auto durch die Lücke zu bugsieren. Toro Rosso-Mechaniker mussten sogar die Nase abmontieren.

Aber auch bei einer schnelleren Bergung wäre es wohl nicht mehr zu einem Restart vor der Zielflagge gekommen. Bei Sauber freute man sich besonders über das unspektakuläre Rennende hinter dem Safety-Car. Daniel Ricciardo fuhr in den Runden zuvor hinter Felipe Nasr rund 6 Zehntel schneller und kam immer näher. "Nach unseren Berechnungen, wäre es bei einem normalen Verlauf richtig eng geworden. Am Ende der letzten Runde wäre er dran gewesen", analysierte Zehnder. Dank des Safety-Cars ersparte man sich den Nervenkitzel.

Warum verpatzte Ricciardo den Start?

Ricciardo hätte gar nicht in die Fänge der Sauber geraten dürfen. Der Australier brachte sich selbst um ein besseres Resultat. Er rutschte beim Start vom siebten auf den 17. Platz, weil der Anti-Stallmodus aktiviert wurde. "Ein Bedienungsfehler", tadelte Teamberater Helmut Marko. Teamchef Christian Horner fügte an: "Es gab wohl ein Problem mit den Lichtern auf dem Display. Und dann kam er mit den Wippen am Lenkrad durcheinander."

Der Australier brauchte bis zum zweiten Boxenstopp, bis er sich aus den Klauen des Verkehrs im Mittelfeld gelöst hatte. "Da ist unser schlechter Top-Speed natürlich nicht hilfreich. Als Daniel freie Fahrt hatte, war er so schnell wie die Williams", suchte Horner nach einem positiven Aspekt.

Warum explodierten gleich 2 Renault-Motoren?

Daniil Kvyat und Max Verstappen scheiterten spektakulär am gleichen Defekt. Es handelt sich um einen anfälligen Stirnradsatz am Motor. "Das hatten wir im letzten Jahr schon einmal und auch zuvor in dieser Saison. Es ist eine Schwachstelle, die wir kennen, und die wir schleunigst abstellen müssen", verrät Renault-Sportdirektor Cyril Abiteboul. Ob Renault bis zum GP Bahrain die nötigen Modifikationen anbringen kann, steht noch nicht fest.

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal die spektakulärsten Szenen des Rennens - inklusive der Motorenplatzer.

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:39.42,008 Std.
2. Nico RosbergMercedes+ 0:00.714 Min.
3. Sebastian VettelFerrari+ 0:02.988
4. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:03.835
5. Felipe MassaWilliams+ 0:08.544
6. Valtteri BottasWilliams+ 0:09.885
7. Romain GrosjeanLotus+ 0:19.008
8. Felipe NasrSauber+ 0:22.625
9. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:32.117
10. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
11. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
12. Fernando AlonsoMcLaren-Honda+1 Runde
13. Carlos SainzToro Rosso+ 1 Runde
14. Jenson Button*McLaren-Honda+1 Runde
15. Will StevensManor F1+ 2 Runden
16. Roberto Merhi*Manor F1+ 2 Runden
17. Max VerstappenToro RossoAusfall
18. Pastor MaldonadoLotusAusfall
19. Daniil KvyatRed BullAusfall
20. Nico HülkenbergForce IndiaAusfall
* 5 Sekunden Zeitstrafe
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