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Rennanalyse GP China

Die goldene Gelegenheit

Foto: Daniel Reinhard 49 Bilder

Das Wetter servierte Fernando Alonso den Sieg auf dem Tablett, doch der Spanier verpasste die Chance. Eine falsche Reifenentscheidung und ein verpatzter Boxenstopp bei Renault spielten Michael Schumacher eine nahezu aussichtsloses Rennen in die Hände.

02.10.2006 Markus Stier

Als die Strecke kurz vor dem Start zum dritten Großen Preis von China immer noch nass war, sprach man bei Ferrari von Schadensbegrenzung. Zu unterlegen war Bridgestone im Training den Michelin gewesen. Technik-Chef Ross Brawn hoffte, dass Schützling Michael Schumacher wenigstens unter die ersten Drei kommen könnte. An einen Sieg war nicht zu denken.

Doch dann kam alles anders. Der Regen stoppte, und Schumacher konnte auf Rang sechs gestartet dem Tempo deutlich besser folgen als erwartet. "Das hat mich selbst gewundert", sagte Schumacher. Auch der Kommando-Stand der Roten hatte keine Erklärung für den plötzlichen Aufwind.

Alonso wäre allerdings unantastbar gewesen. Bis auf 25 Sekunden baute der Tabellenführer seinen Vorprung aus. Auch Teamkollege Giancarlo Fisichella, dem mancher ein taktisch verordnetes Bummeltempo unterstellte, konnte nicht folgen. Er hatte ein anderes Setup mit flacherer Flügeleinstellung gewählt. Im Regen war Fisichella unter Druck, je mehr es abtrocknete, umso mehr konnte es seinen überlegenen Topspeed ausnutzen. "Auf einmal wurde der Fisico unglaublich schnell", rapportierte Michael Schumacher.

Hartnäckiges Untersteuern

Fernando Alonso dagegen fuhr von Beginn an voll auf Angriff und schrubbte seine Intermediates an der Vorderachse zügig runter. Beim ersten Boxenstopp wechselte er auf eigenen Wunsch die Vorderreifen, während die meisten Gegner nur auftankten. Mit etwas Körnen über vier bis fünf Runden und einem Zeitverlust von einer Sekunde pro Runde hatten die Renault-Ingenieure gerechnet, doch Alonso verlor bis zu vier Sekunden pro Umlauf - und das über acht Runden.

Das hartnäckige Untersteuern der neuen Gummis machte ihn gegen Teamkollege Fisichella und Michael Schumacher wehrlos. Deren alte Reifen waren durch die geringere Gummiauflage bei abtrockender Piste deutlich unempfindlicher.

Die zweite Panne passierte bei Alonsos zweitem Boxenstopp, als sich die Radmutter hinten rechts im Schlagschrauber des Mechanikers verkantete. Bis der sie aus dem Gerät gefummelt hatte, waren zehn weitere Sekunden futsch.

Den dritten Fehler machte Giancarlo Fisichella. Sein Renningenieur machte den Italiener darauf aufmerksam, dass die erste Kurve nach der Boxenausfahrt äußerst rutschig sei. Doch im Bemühen, unbedingt vor dem heraneilenden Schumacher-Ferrari zurück auf die Streck zu müssen, rodelte der Alonso-Adjutant hilflos von der Ideallinie. "Die Spur war exakt zwei Meter breit. Wenn du einen Zentimeter davon abkamst, warst du weg", berichtete Fisichella im Ziel.

Schumacher fehlte eine Sekunde pro Runde

Schumacher schlüpfte in Führung, die er ohne die Missgeschicke von Alonso nie hätte verteidigen können. Beide gingen die Schlussphase aus Sicherheitsgründen mit reduzierter Drehzahl an. Die Motoren müssen auch in Japan halten. Doch trotz kontrollierter Offensive war Alonso auch bei Trockenheit deutlich schneller als Schumacher. Seine beste Runde fuhr der Spanier in 1:37,586 Minuten. Schumacher war um eine volle Sekunde langsamer.

Trotzdem ging der Sieg an Ferrari. Michael Schumacher ist zum ersten Mal in rund eineinhalb Jahren wieder Tabellenführer. Nach 16 Rennen sind er und Alonso punktgleich (116:116). Die zweiten Fahrer Fisichella und Massa trennt ein Punkt (63:62) und im Konstrukteurspokal liegt Renault einen winzigen Zähler vor Ferrari (179:178).

Der Renault-Kommandostand haderte: "So ein Rennen darf man nicht verschenken. Das war eine goldene Gelegenheit." Fernando Alonso schöpft dagegen Hoffnung für die kommenden Rennen: "Wir waren sowohl im Nassen als auch im Trockenen schneller." Die Gelbblauen spekulieren auch in Japan (8.10.) und Brasilien (22.10.) auf kühles Wetter. Bei unter 25 Grad - so die Berechnungen der Ingenieure - schmilzt der Bridgestone-Vorteil von Ferrari dahin.

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