Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

GP Deutschland 2013 (Analyse)

Doppeltes Pech und doppeltes Glück

Felipe Massa GP Deutschland 2013 Foto: Wilhelm 64 Bilder

In unserer Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen zum GP Deutschland. Wir erklären unter anderem, warum sowohl der getroffene Kameramann als auch Felipe Massa doppeltes Pech hatten und Mark Webber dafür doppeltes Glück.

07.07.2013 Tobias Grüner

Warum war Lotus im Rennen so schnell?

Lotus war die große Überraschung am Nürburgring. "Wir hatten heute das schnellste Auto", erklärte Kimi Räikkönen später. "Leider war das Rennen zwei Runden zu kurz." Vor allem mit Romain Grosjean hatte niemand gerechnet. Der Franzose fuhr auf den weichen Reifen einen schnellen ersten Stint über 13 Runden, der ihn direkt in den Windschatten von Vettel spülte. Selbst Pirelli hatte nicht damit gerechnet, dass jemand mehr als 8 Umläufe mit den Soft-Gummis schafft.

Doch warum war Lotus nach einigen schwachen Rennen wieder bei der Musik? "Der Sommer ist zurück", erklärte Grosjean mit einem breiten Grinsen. "Die Hitze sollte dafür sorgen, dass wir jetzt wieder regelmäßig an der Spitze kämpfen können." Auch die Reifenwahl von Pirelli hat offenbar geholfen. "Die weicheren Mischungen, medium und soft, sind bessere als härtere Gummis", analysierte Grosjean.

Warum gab es am Mercedes-Boxenfunk Diskussionen?

Bei Mercedes lief es genau umgekehrt zu Lotus. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen in der Eifel sorgten dafür, dass die Hinterreifen überhitzten. "Mit vollen Tanks in der ersten Rennhälfte haben wir sie überstrapaziert", musste Teamchef Ross Brawn zugeben. Als einen Grund dafür nannte Brawn das Verbot von Pirelli, die Reifen von einer Seite zur anderen zu wechseln. "Damit kann man die Belastungen etwas auf Qualifying und Rennen verteilen."

Zu Beginn des Rennens wurden beide Piloten auf unterschiedlichen Reifen losgeschickt. Hamilton musste auf der Pole Position die weichen Gummis aus dem Qualifying nehmen. Rosberg war auf der härteren Mischung gestartet. Nach seinem Stopp steckte Hamilton seinem Teamkollegen plötzlich mit frischeren Reifen im Getriebe. Die Teamleitung bat Rosberg freiwillig Platz zu machen, doch der dachte gar nicht dran.

"Wir hätten unseren Fahrern die Situation etwas besser erklären können. Es war also nicht ihr Fehler", nahm Brawn die Schuld auf sich. Am Funk forderte Hamilton lautstark, vorbeigelassen zu werden. Erst nach vier Runden reagierte Rosberg endlich auf die Anweisung vom Kommandostand. "Es war klar, dass Nico durch die unterschiedliche Strategie nichts gewinnen konnte, wenn er Lewis aufhält", so Brawn.

Mit welchen Problemen kämpften Vettel und Räikkönen?

Auch bei Kimi Räikkönen gab es Stress am Funk. Die Kommunikation mit dem Kommandostand war gestört. "Ich habe sie gehört, aber sie haben mich nicht immer verstanden", erklärte der Iceman später. "Nur an einer Stelle der Strecke hat es geklappt. Dummerweise gab es ausgerechnet heute viel zu diskutieren. Wir haben es aber einigermaßen hinbekommen."

Bei Sebastian Vettel streikte ebenfalls die Technik. Sein Hybrid-System versagte mitten im Rennen plötzlich den Dienst. "Direkt vor dem Stopp ist mein KERS ausgefallen. Aber zum Glück habe ich es wieder anschalten können." Red Bull-Berater Helmut Marko erklärte, dass Vettel dadurch drei Runden eingebremst wurde. Zwei Runden war KERS ausgefallen und eine Runde musste er die Bremsbalance wieder anpassen.

Was geschah genau beim Boxenunfall von Mark Webber?

Es war die Szene des GP Deutschlands. Die Red Bull-Crew schickte Mark Webber nach seinem Boxenstopp mit einem lockeren rechten Hinterrad los (Strafe: 30.000 Euro). Der ca. 15 Kilogramm schwere Gummi machte sich selbstständig und traf einen Kameramann in der Boxengasse. Wie die Analyse der Bilder später zeigte, hatte das Opfer Paul Allen besonderes Pech.

Das Rad hätte den Briten bei normaler Flugbahn wohl in Kniehöhe getroffen. Doch kurz vor dem Aufprall änderte das Geschoss die Richtung. Eine auf dem Boden abgestellte Kamera lenkte das Rad nach oben ab, wodurch der Kameramann am Oberkörper getroffen wurde. Im Medical Centre stellten die Ärzte ein gebrochenes Schlüsselbein, zwei gebrochene Rippen, eine ausgekugelte Schulter und eine schwere Gehirnerschütterung fest.

"Wir wissen auch noch nicht genau, wie es passiert es", entschuldigte sich Teamchef Christian Horner später. "Wichtiger ist, dass es dem Kameramann den Umständen entsprechend gut geht." Der Verletzte musste die Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus in Koblenz verbringen. Webber bekam von dem Unfall übrigens nichts mit. "Wir wollten ihn während dem Rennen nicht damit belasten und haben es ihm erst nach der Zieldurchfahrt gesagt", so Horner.

Warum rollte Bianchis Marussia plötzlich los?

Neben dem Boxenunfall bleibt auch der Marussia-Motorplatzer noch lange in Erinnerung. Mit brennendem Heck musste Jules Bianchi sein rotes Auto vor der Schikane abstellen. Wie von der FIA vorgeschrieben legte der Rookie den Leerlauf ein und verließ seinen havarierten Renner. Doch dann machte sich der Marussia auf dem abschüssigen Gelände selbstständig.

Der Bergungstruck war bereits vor Ort, konnte das Unglück aber auch nicht mehr aufhalten. Das Auto rollte einmal quer über die Strecke und wurde erst von einer Werbebande gestoppt. Die Rennleitung musste daraufhin das Safety-Car auf die Bahn schicken. "Der Leerlauf ist zwar vorgeschrieben. Aber wenn es die Situation erfordert, darf man auch gerne mal auf seinen Menschenverstand hören und den ersten Gang einlegen", so eine kritische Stimme im Fahrerlager.

Warum hatte Mark Webber doppelt Glück mit dem Safety-Car?

Das Safety-Car kam für Mark Webber genau richtig. Da der bereits überrundete Red Bull zum Zeitpunkt der Neutralisierung mitten im Feld steckte, ließ ihn die Rennleitung, wie in solchen Fällen üblich, zurückrunden. Dabei hatte der Australier doppelt Glück: "Normalerweise wird das Rennen wieder freigegeben, wenn die Überrundeten eine halbe Runde aufgeholt haben. Bei Webber wartete man komischerweise so lange, bis er hinten aufgeschlossen hatte", beklagte sich später Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Das ermöglichte ihm erst die Aufholjagd in der zweiten Rennhälfte, die erst auf Rang 7 endete.

Was sorgte für den Ausfall von Felipe Massa?

Das Fernsehen verschwieg den Grund für den Ausfall von Felipe Massa. In der Onboard-Aufnahme konnte man nur erahnen, wie sich der Brasilianer von der Strecke drehte. Einige Experten vermuteten wegen des ungewöhnlichen Abflugs ein mechanisches Problem. Doch Massa nahm den Dreher auf die eigene Kappe. "Die Hinterreifen haben blockiert und ich konnte das Auto nicht mehr abfangen." Doppeltes Pech: "Das Getriebe steckte nach dem Stopp komischerweise im fünften Gang fest. Ich konnte somit nicht verhindern, dass der Motor ausging."

In unserer Fotogalerie haben wir noch einmal die Bilder des Rennens.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden