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Rennanalyse GP Deutschland 2014

Massa Schuld am eigenen Überschlag

Felipe Massa - GP Deutschland 2014 Foto: xpb 79 Bilder

In unserer Hockenheim-Rennanalyse beantworten wir die letzten offenen Fragen vom GP Deutschland. Vor allem die Entscheidungen der Rennleitung wurden im Fahrerlager heiß diskutiert. Wir sorgen für Aufklärung.

20.07.2014 Tobias Grüner
Warum kam kein Safety-Car nach dem Sutil-Dreher?

Adrian Sutil sorgte mit seinem Dreher in der 47. Runde noch einmal für Spannung. Im Motodrom klagte der Bayer erst über fehlende Power, als er auf die Zielgerade einbog, setzte plötzlich zu viel Leistung ein. Zudem ging auch noch der Motor plötzlich aus. Dadurch blieb der Sauber unglücklich auf der Zielgeraden stehen – nicht weit entfernt von der Ideallinie.

Die meisten Fans rechneten mit einem Safety-Car-Einsatz. Auch Nico Rosberg gab später zu, befürchtet zu haben, dass sein 16,5 Sekunden-Vorsprung eingedampft würde. Doch Bernd Mayländer und sein silberner SLS mussten nicht ausrücken. Auf Nachfrage von auto motor und sport erklärte Rennleiter Charlie Whiting, dass an der Stelle auf der Innenseite Streckenposten hätten stehen sollen. "Die hätten dann das Auto gefahrlos nach innen wegziehen können. Das geht an der Stelle relativ leicht."

Doch die Marshals mussten von der Außenseite die Piste überqueren. "Es wurde ja doppelt gelb geschwenkt. Die anderen Fahrer waren also gewarnt", verteidigte Whiting die Aktion. Lewis Hamilton hätte dagegen gerne eine Safety-Car-Phase gesehen. Der Brite wunderte sich, warum das Feld nicht neutralisiert wurde: "Ich habe mir echt Sorgen um die Marshals gemacht. Man kommt mit ordentlichem Tempo an. So nah habe ich sie lange nicht in der Nähe der Ideallinie gesehen."

Mercedes-Teamchef Toto Wolff verteidigte dagegen die Linie der Rennleitung. "Wenn es nach dem alten Geist der FIA gegangen wäre, dann wäre ein Safety-Car gekommen. Aber jetzt ist Charlie richtig auf Zack und lässt das Rennen laufen. Das war die richtige Entscheidung. Ich denke, dass Charlie die Entscheidung bewusst getroffen und das Rennen nicht durch ein Safety-Car 15 Runden vor Schluss auf den Kopf gestellt hat."

Dass die Aktion nicht ganz ungefährlich war, wollte Wolff allerdings auch nicht abstreiten. "Formel 1 ist nun mal gefährlich. Die Bilder waren schon erschreckend, wie die Jungs über die Strecke gelaufen sind. Aber sie sehen ja, ob Autos aus dem Motodrom kommen. Und wir brauchen ja spektakuläre Bilder fürs Fernsehen."

Wer hatte Schuld am Massa-Überschlag?

Felipe Massa äußerte nach seiner Kollision Unverständnis darüber, dass Kevin Magnussen ohne Strafe davon gekommen ist, nachdem er den Williams aufs Dach gelegt hatte. "Die Kurve ist einfach zu eng. Ich war vor ihm und konnte ihn nicht sehen. Er muss deshalb abbremsen", schimpfte der Brasilianer nach seinem vierten heftigen Crash des Jahres.

Doch die Rennleitung sah die ganze Nummer etwas anders. Demnach kann sich Massa glücklich schätzen, ohne Strafe davongekommen zu sein. "Felipe musste wissen, dass beim Start ein anderer innen in der Kurve fährt. Er hätte Platz lassen müssen", so die Sichtweise von Rennleiter Charlie Whiting.

Magnussen selbst unterstützt diese Version natürlich: "Wo sollte ich hin? Da war kein Platz mehr. Ich konnte einfach nicht mehr bremsen." Weil die FIA-Kommissare neuerdings Anweisung haben, die rennübergreifenden Strafen zu reduzieren, wurde Massa nach seinem Ausfall nicht mehr belangt.

Warum fackelte der Toro Rosso ab?

3 Runden vor dem Dreher von Sutil musste auch Daniil Kvyat sein Auto abstellen. Dabei ging es ebenfalls brenzlig zu – im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich stand das Toro Rosso-Heck in Flammen. Mit einem Sprung rettete sich der Russe aus dem Cockpit. Die Streckenposten waren mit Feuerlöschern zwar schnell zur Stelle, trotzdem war nicht mehr viel zu retten. Doch wie konnte sich das Feuer im Heck so schnell ausbreiten?

Die genaue Ursache wird noch untersucht, doch Renault-Ingenieur Ricardo Penteado hat bereits eine plausible Theorie: "Wir glauben es war ein Problem mit der Motorzündung. Dadurch ist unverbranntes Benzin in den Auspuff gekommen und hat sich dort entzündet." Pilot Kvyat konnte nicht viel zur Analyse beitragen: "Ich habe plötzlich Vortrieb verloren, dann sah ich Rauch und später auch Flammen im Rückspiegel. Es wurde ziemlich heiß im Auto, deshalb habe ich angehalten und bin so schnell wie möglich rausgesprungen. Das war keine schöne Situation."

Hätte es für Hamilton ohne den Frontflügel-Schaden zu Platz 2 gereicht?

Lewis Hamilton rasierte sich beim Überholversuch gegen Jenson Button den halben Frontflügel ab. Auf der linken Seite fehlte nach der Kollision mit dem McLaren die Endplatte und ein Teil vom Flap. War das der entscheidende Fehler, der am Ende Platz 2 gekostet hat? "Das hätte richtig ins Auge gehen können. Ohne das Problem wäre das Auto deutlich schneller gewesen. Da hat er richtig Abtrieb verloren", kritisierte Teamchef Wolff später.

Mercedes-Ingenieur James Vowles hatte es noch etwas präziser. Nach offizieller Kalkulation wurde der Pilot durch das Problem 6 Zehntel pro Runde eingebremst. Gegen einen Silberpfeil in Bestform hätte sich Bottas wohl nicht lange wehren können. Zumal seine Reifen im letzten Stint 27 Runden absolvieren mussten, Hamilton hatte 10 Runden frischere Gummies drauf. Dank der Beschädigung bei seinem Gegner konnte sich der Williams gerade so mit 1,7 Sekunden Vorsprung über die Linie retten.

Warum drohte nach dem Rennen noch ein Protest?

Dass Lewis Hamilton an seinem Mercedes die vorderen Bremsscheiben durch ein anderes Fabrikat ersetzen durfte, wurde bei der Konkurrenz mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Normalerweise muss ein Pilot aus der Boxengasse starten, wenn zwischen Qualifying und Rennen veränderte Teile eingebaut werden. Die Rennleitung ließ Hamilton aber aus der Startaufstellung losfahren. Die Begründung: Die Scheiben von Carbon Industrie unterschieden sich in den Dimensionen und ihrem Trägheitsverhalten nicht von den Brembo-Discs, die im Qualifying verwendet wurden.

Ferrari und Red Bull haben offenbar kurz mit einem Protest geliebäugelt. Red Bull-Teamchef Christian Horner erklärte: "Das ist aus unserer Sicht eine Änderung am Auto. Wenn man Gleichteile austauscht, dann ist das eine Sache. Aber wenn man etwas gegen ein Bauteil von einem anderen Hersteller auswechselt, mit unterschiedlichen Eigenschaften, wie vom Fahrer selbst beschrieben, dann ist das etwas anderes."

Laut Horner habe die FIA mit ihrem Handeln einen Präzedenzfall geschaffen. "Da brauchen wir Klarheit. Wenn man das mit den Bremsen darf, dann stellt sich die Frage, was man noch wechseln darf. Es wäre interessant, wie die Begründung für die Erlaubnis aussieht." Um eine offizielle Aussage zu bekommen, hätte Red Bull protestieren müssen. So viel Ärger wollte man dann aber wohl doch nicht machen.

In unserer Galerie haben wir die vielen spektakulären Bilder vom Rennen in Hockenheim für Sie.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Nico RosbergMercedes1:33.42,914 Std.
2. Valtteri BottasWilliams+ 0:20.789 Min.
3. Lewis HamiltonMercedes+ 0:22.530
4. Sebastian VettelRed Bull+ 0:44.014
5. Fernando AlonsoFerrari+ 0:52.467
6. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:52.549
7. Nico HülkenbergForce India+ 1:04.178
8. Jenson ButtonMcLaren+ 1:24.711
9. Kevin MagnussenMcLaren+ 1 Runde
10. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
11. Kimi RäikkönenFerrari+ 1 Runde
12. Pastor MaldonadoLotus+ 1 Runde
13. Jean-Eric VergneToro Rosso+ 1 Runde
14. Esteban GutierrezSauber+ 1 Runde
15. Jules BianchiMarussia+ 1 Runde
16. Kamui KobayashiCaterham+ 2 Runden
17. Max ChiltonMarussia+ 2 Runden
18. Marcus EricssonCaterham+ 2 Runden
19. Adrian SutilSauberAusfall
20. Daniil KvyatToro RossoAusfall
21. Romain GrosjeanLotusAusfall
22. Felipe MassaWilliamsAusfall
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