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Rennanalyse GP England 2014

Fliegende Finnen und Venezolaner

Gutierrez vs. Maldonado - GP England 2014 Foto: xpb 75 Bilder

Das Rennen in Silverstone hatte viele spektakuläre Höhepunkte zu bieten. Aber auch aus taktischer Sicht war der Grand Prix auf dem ehemaligen Militärflugplatz in England ein Leckerbissen. In unserer Analyse beantworten wir wichtige Fragen, die nach dem Rennen offen blieben.

06.07.2014 Tobias Grüner

Hätte Hamilton auf Einstopp-Strategie umstellen dürfen?

Lewis Hamilton kam in der 24. Runde zum ersten Reifenwechsel an die Box, um sich harte Gummis abzuholen. Nimmt man Ricciardos 37-Runden-Run auf Medium-Reifen als Maßstab, hätte der Mercedes Pilot die 28 Runden bis ins Ziel auf den orange markierten Pirellis locker geschafft – und hätte wohl noch nicht einmal viel Tempo eingebüßt. Im Zweikampf mit Rosberg wäre das die Trumpfkarte gewesen.

Rosberg war bereits 6 Runden vor Hamilton an der Box. Der WM-Spitzenreiter hatte sich noch einmal die weichere Mischung geben lassen. Er hätte also auf jeden Fall noch einmal reinkommen müssen, um regelentsprechend beide Sorten zu verwenden. Wie viele andere Teams verkalkulierten sich auch die Mercedes-Ingenieure mit dem Verschleiß, der deutlich geringer ausfiel als angenommen. Hamilton hätte niemals die 24 Sekunden verloren, die Rosberg für den Extra-Stopp benötigte.

Um das Risiko eines Safety-Cars oder eines Reifenschadens zu minimieren, war der zweite Stopp von Hamilton aber dennoch nachvollziehbar. Zwingend notwenig war er nicht. Der Engländer konnte sich die sichere Variante leisten. Bottas war weit genug entfernt. Doch hätte man auch bei einem direkten Zweikampf gegen Rosberg auf 2 Stopps gesetzt?

"Lewis wäre auf jeden Fall noch einmal reingekommen", stellte Teamchef Toto Wolff klar. "Wir fahren nicht 2 verschiedene Strategien. Wenn wir uns für einen Weg entscheiden, dann bleiben wir dabei. Lewis hatte im Vergleich zu Nico die entgegengesetzte Strategie mit dem harten Reifen beim ersten Wechsel. Selbst wenn wir gesehen hätten, dass es sich ausgehen würde, hätten wir es nicht gemacht."

Wie gut ist Mercedes wirklich?

Nach dem engen Rennen in Spielberg fuhr Mercedes in Silverstone wieder in einer eigenen Liga. Nur der Regen brachte die silberne Dominanz im Qualifying kurz ins Wanken. "Wir wussten, dass Silverstone uns besser passt. Wir waren aber überrascht, wie gut die Pace wirklich war", strahlte Teamchef Toto Wolff anschließend. Rosberg fügte an: "Wir waren wieder da, wo wir die Saison angefangen haben."

Genau lässt sich allerdings nicht sagen, wie weit Mercedes der Konkurrenz voraus war. Die erste Analyse lässt den Vorsprung relativ klein erscheinen. Bis sich Bottas endlich auf den Platz hinter Hamilton nach vorne gearbeitet hatte, dauerte es 16 Runden. Der Finne hatte da schon 27 Sekunden Rückstand auf den späteren Sieger angehäuft. Im Ziel nach 52 Runden waren es nur 3 Sekunden mehr.

Allerdings ist die Rechnung etwas irreführend. Hamilton legte wie bereits erwähnt noch einen zweiten Sicherheitsstop ein, während Bottas die schnellere Einstopp-Strategie fuhr. Außerdem wurde nach dem Rosberg-Ausfall sicher etwas Gas rausgenommen. "Am Anfang des Rennens sind wir 1.38er Runden gefahren. Der Nächstbeste war Bottas mit hohen 1.40er Zeiten", analysierte Wolff. "In Hockenheim wird es wohl wieder etwas schwieriger mit dem Hitzemanagement."

Warum ging Maldonado fliegen?

Die Situation erinnerte an Bahrain – nur mit umgekehrten Rollen. Auf den Tag genau vor 3 Monaten hatte Pastor Maldonado den Sauber von Esteban Gutierrez auf die Hörner genommen und ihn einmal um die Längsachse gedreht. In Silverstone kam es zur Revanche in der Vale-Corner. Dieses Mal verkalkulierte sich Gutierrez und rutschte mit der Nase voraus in die Seite seines Gegners.

Wie damals spielte der Unfallverursacher anschließend das Unschuldslamm: "Als ich ihn in Kurve 16 überholen wollte, fuhr er beim Anbremsen nach innen und ließ mir keinen Platz. Ich war direkt neben ihm und konnte somit eine Kollision nicht mehr verhindern", verteidigte sich Gutierrez. Die FIA-Kommissare sahen das etwas anders. Für das Rennen in Hockenheim wird der Mexikaner 3 Plätze zurückversetzt. Bei Maldonado waren es damals 5 Plätze.

Warum stand Alonso falsch auf dem Startplatz?

Fernando Alonso unterlief beim Start ein peinlicher Fehler. Er parkte 3 Meter zu weit vorne in seiner Startbox. Zunächst war der Lapsus niemandem aufgefallen. Nur ein paar Fans hatten den Patzer erkannt. Das eindeutige Bild der Helikopter-Startaufnahme wurden fleißig über die sozialen Netzwerke verbreitet. In der langen Unterbrechung nach dem Räikkönen-Crash bekamen auch Red Bull und Force India Wind davon. Sie petzten den Verstoß an die Rennleitung. Schließlich wurde eine 5-Sekunden Stop-&-Go-Strafe ausgesprochen.

Doch wie konnte einem Routinier wie Alonso so etwas passieren? Der 16. Startplatz war sicher etwas ungewohnt. Nur 2 Mal war der Spanier in seiner Ferrari-Zeit zuvor so weit hinten los gefahren. "Ich sah das Schild für Kimi, und dann folgte schon das für Bottas. Bis ich wusste, wo ich war, stand ich über meine Startbox hinausgefahren. Ich wollte noch den Rückwärtsgang einlegen, aber der klemmte, und als zwei Leuchten auf der Startampel auf Rot standen, war es höchste Zeit für den ersten Gang."

Die Bilder des verrückten Silverstone-Rennens haben wir in unserer Galerie gesammelt.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes2:26.52,094 Std.
2. Valtteri BottasWilliams+ 0:30.135 Min.
3. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:46.495
4. Jenson ButtonMcLaren+ 0:47.390
5. Sebastian VettelRed Bull+ 0:53.864
6. Fernando AlonsoFerrari+ 0:59.946
7. Kevin MagnussenMcLaren+ 1:02.563
8. Nico HülkenbergForce India+ 1:28.692
9. Daniil KvyatToro Rosso+ 1:29.340
10. Jean-Eric VergneToro Rosso+ 1 Runde
11. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
12. Romain GrosjeanLotus+ 1 Runde
13. Adrian SutilSauber+ 1 Runde
14. Jules BianchiMarussia+ 1 Runde
15. Kamui KobayashiCaterham+ 2 Runden
16. Max ChiltonMarussia+ 2 Runden
17. Pastor MaldonadoLotus+ 3 Runden
18. Nico RosbergMercedesAusfall
19. Marcus EricssonCaterhamAusfall
20. Esteban GutierrezSauberAusfall
21. Felipe MassaWilliamsAusfall
22. Kimi RäikkönenFerrariAusfall
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