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Rennanalyse GP England 2015

Regen und Instinkt retten Hamilton

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England - Silverstone - Rennen - Sonntag - 5.7.2015 Foto: xpb 63 Bilder

Beim GP England 2015 bekamen die Fans von Start bis ins Ziel gute Unterhaltung geboten. In unserer Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Rennen in Silverstone.

05.07.2015 Andreas Haupt

Hätte Rosberg das Rennen ohne stärkeren Regen gewonnen?

Toto Wolff beantwortete die Frage nach dem Rennen mit einem klaren "Ja". Seine Begründung: "Die harten Reifen von Lewis waren am Ende." Als es in Runde 35 leicht zu regnen begann, ließ Mercedes seine beiden Fahrer zunächst auf den harten Trockenreifen auf der Piste. Während Lewis Hamilton in Führung lag, überholte Nico Rosberg die beiden Williams von Valtteri Bottas und Felipe Massa.

Als der Deutsche freie Fahrt hatte, holte er in riesigen Schritten auf seinen Rivalen auf. Teilweise war Rosberg um zwei Sekunden schneller. Doch als er den Führenden schon groß vor sich sehen konnte, hatte Hamilton den richtigen Riecher. Der Engländer kennt das englische Wetter, obwohl er in Monaco lebt. Er gab über Funk bekannt, dass er in Runde 43 zum Wechsel auf die Intermediates kommen würde. "Ich war mir ziemlich sicher, dass Lewis einen Fehler macht und war ziemlich glücklich über seine Entscheidung", berichtete Rosberg später.

Der WM-Zweite lag falsch. Der Regen nahm zu und spielte Hamilton voll in die Karten. "Ich glaube, dass ich zum ersten Mal in meiner Karriere komplett richtig entschieden habe, was die Reifenfrage angeht. Ich hatte in den Vorderreifen Temperatur verloren, deshalb hat Nico aufgeholt."

Was lief am Start für Mercedes schief?

Nico Rosberg hatte unmittelbar nach dem Rennen noch keine Erklärung für seinen schlechten Start. Sein Teamkollege berichtete über zu viel Schlupf: "Der Grip ist von Strecke zu Strecke verschieden. Ich habe schon bei den Burnouts in die Startaufstellung gemerkt, dass die Hinterreifen leicht durchdrehen. Auf manchen Strecken schaffst du fast keine Burnouts gar nicht, weil so viel Gummi auf der Strecke ist. Als ich die Kupplung dann beim Start losgelassen habe, drehten die komplett Rädern durch."

Felipe Massa schoss allerdings nicht nur wegen der schlechten Mercedes-Starts von Platz drei an die Spitze. "Mein Start war einfach fantastisch", befand der Routinier aus dem Williams-Team. "Sie sind aber generell gut. Es war schon all die Jahr so. Vielleicht bin ich der Fahrer, der am Start die meisten Positionen gewonnen hat."

Valtteri Bottas holte sich nur Rosberg. Beinahe hätte es auch für Hamilton gereicht. "Die Kupplungseinstellung ist einfach sehr gut. Ich fuhr Seite an Seite mit Lewis. In Kurve vier habe ich mich dann entschieden, etwas weiter auszuholen, um Schwung für die Gerade zu holen. Dabei hat es mich zu weit nach außen getragen, und ich kam ins Übersteuern."

Was passierte beim Unfall in der dritten Kurve?

Die Startphase forderte gleich drei Opfer. Romain Grosjean, Pastor Maldonado und Jenson Button. Was war passiert. "Ich war ziemlich weit innen bei der Anfahrt zu Kurve drei. Plötzlich tauchte Ricciardo neben mir auf, verbremste sich und berührte mich. Dadurch wurde ich nach außen getragen", berichtete Grosjean. "Leider war da Ericsson, der mir den Frontflügel rasierte. Auch das Rad war platt und vielleicht ebenfalls die Aufhängung."

Der Franzose krachte in der Folge in seinen Lotus-Teamkollegen. Beim Versuch, Grosjean und Maldonado auszuweichen, verlor Alonso das Heck seines McLaren und bog nach innen ab. Zum Pech von Button. Der Spanier traf den Lokalmatador, was dessen Aus bedeutete. Alonso konnte nach einem Frontflügelwechsel weiterfahren und holte im Ziel seinen ersten WM-Punkt in diesem Jahr.

Wieso landete Williams außerhalb des Podests?

Nach dem Restart in der dritten Runde lagen beide Williams-Fahrer in Führung. Weil Hamilton beim Versuch, Massa zu überholen von der Strecke abkam, rutschte Bottas mit mehr Schwung in der letzten Kurve innen durch.

In der Folge behauptete Williams die Doppelführung. Ohne größere Probleme, wie die Fahrer nach dem Rennen zu Protokoll gaben. Allerdings gab es internen Zwist. Die Teamleitung erteilte über Boxenfunk ein Überholverbot an Bottas, da man sich nicht in Zweikämpfen aufreiben wollte, und so einen Zeitverlust vermeiden wollte. "Natürlich war das enttäuschend", erzählte der Finne nach dem Rennen, jedoch zeigte er auch Verständnis für die Entscheidung. Zumindest vor der Presse.

Über Funk konnte Bottas sein Team umstimmen. "Ich kann ihn überholen. Ich werde es auf der Gegengeraden machen." Antwort: "Es muss aber ein klares Manöver sein." Bottas: "Verstanden." Als das Rennen zwischen den beiden Führenden vom Team freigegeben wurde, kämpfte Bottas aber mit stumpferen Waffen. "Als ich fahren durfte, hatte ich nicht mehr genug Saft in den Reifen." Bei seinen zaghaften Angriffen ließ Massa seinen Stallgefährten am Ende der Hangar Straight außen verhungern.

Beim ersten Stopp verlor Massa allerdings die Führung. Weil Hamilton in Runde 19 einen Umlauf früher zum Reifenservice abbog, eine schnelle Outlap hinknallte und Williams Massa in nur 3,8 Sekunden abfertigte. Die Mercedes-Crew brauchte nur 2,4. "Wir hätten das antizipieren müssen, um vorne zu bleiben", meinte Massa. Bottas erklärte, warum Williams die Strategie zwischen den Fahrern nicht teilte, um zumindest mit einem Fahrer vorne zu bleiben. "Wir waren besorgt darüber, ob die harten Reifen durchhalten würden. Unser Cut lag bei Runde 20." Mercedes wusste über die Problematik Bescheid.

Im zweiten Stint zog Hamilton den Williams zwar davon, doch Rosberg hatte man im Griff. Bis es zu tröpfeln begann. "Je niedriger die Geschwindigkeiten, desto mehr Abtrieb verlieren wir", klagte Bottas. Rosberg war nicht zu halten. Dann folgte ein zu später Wechsel auf die Intermediates in Runde 44, wovon Sebastian Vettel profitierte. "Das war Pech. Wir waren gerade an der Boxeneinfahrt vorbei, da habe ich gemerkt, dass die Kurven immer rutschiger wurden", schützte Bottas sein Team.

Die schwache Performance auf den Regengummis beendete endgültig die Podestträume. Massa: "Wir wissen nicht, warum wir im Nassen so schlecht sind. Dieses Problem schleppen wir seit zwei Jahren mit uns rum."

Was war mit Ferrari los?

Ferrari war in England nur die zweite Kraft. Am Start rutschte Kimi Räikkönen hinter Nico Hülkenberg zurück, Vettel musste Daniil Kvyat ziehen lassen. Beim Restart rutschte ihm noch Sergio Perez im Force India durch. Durch einen Undercut rückten Räikkönen und Vettel nach den ersten Stopps auf die Positionen hinter Mercedes und Williams vor.

Doch selbst unter freier Fahrt hatte man nicht die Pace der Spitze. "Diese Strecke passt einfach nicht zu ihnen", meinte Mercedes-Teamchef Wolff. "Wir sind ziemlich langsam auf den Geraden, gewinnen aber trotzdem Nichts in den Highspeed-Ecken", befand sein Ferrari-Pendant Maurizio Arrivabene.

Bei Ferrari hieß es das gesamte Wochenende über, das ein Mix aus Streckenlayout, Reifen und Wetterbedingungen für den Absturz hinter Williams verantwortlich war. Von nicht funktionierenden Updates wollte die Scuderia nichts wissen.

Glück für die Italiener: Die Fehlentscheidungen von Williams und deren schwache Regenperformance bescherten Vettel immerhin noch einen Podestrang. Räikkönen dagegen fiel auf Position acht zurück. Weil er in Runde 38 zu früh die Intermediates auffasste, diese kaputt fuhr, und in Umlauf 47 ein weiteres Mal die Box ansteuern musste.

Warum nahm Felipe Nasr nicht am Rennen teil?

Der GP England endete für Felipe Nasr bevor er überhaupt angefangen hatte. In der Runde in die Startaufstellung blieb der Brasilianer mit Technikproblemen auf der Hangar Straight liegen. "Das Getriebe steckte im sechsten Gang fest", erklärte Nasr. "Leider war es ein irreparabler Schaden", fügte Teamchefin Monisha Kaltenborn hinzu.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:31.27,729 Std.
2. Nico RosbergMercedes+ 0:10.956 Min.
3. Sebastian VettelFerrari+ 0:25.443
4. Felipe MassaWilliams+ 0:36.839
5. Valtteri BottasWilliams+ 1:03.194
6. Daniil KvyatRed Bull+ 1:03.955
7. Nico HülkenbergForce India+ 1:18.744
8. Kimi RäikkönenFerrari+ 1 Runde
9. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
10. Fernando AlonsoMcLaren-Honda+ 1 Runde
11. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
12. Roberto MerhiManor F1+ 3 Runden
13. Will StevensManor F1+ 3 Runden
14. Carlos SainzToro RossoAusfall
15. Daniel RicciardoRed BullAusfall
16. Max VerstappenToro RossoAusfall
17. Pastor MaldonadoLotusAusfall
18. Romain GrosjeanLotusAusfall
19. Jenson ButtonMcLaren-HondaAusfall
20. Felipe NasrSauberAusfall
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