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Rennanalyse GP England 2016

Aufklärung zu Mercedes-Funksprüchen

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England 2016 - Silverstone - Rennen Foto: sutton-images.com 63 Bilder

Der GP England sorgt für reichlich Gesprächsstoff. In unserer Rennanalyse klären wir die wichtigsten Fragen. Unter anderem, warum Nico Rosberg bestraft wurde, und ob der Start hinter dem Safety Car gerechtfertigt war.

10.07.2016 Michael Schmidt 2 Kommentare
Wieso bekam Rosberg eine Zehnsekundenstrafe?

Das Unheil kam für Nico Rosberg in der 46. Runde. Im letzten Streckenabschnitt blieb sein Getriebe im siebten Gang stecken. Der Mercedes-Kommandostand funkte seinem Piloten zu: „Chassis Default Zero-One“. Die Zahl „01“ bedeutet dabei, dass am Auto mit der Startnummer 6 das Getriebe zickte. Das Standardprogramm „Default-Mode“ gibt jeden eingelegten Gang frei.

Soweit alles erlaubt. Die Funksprüche standen im Einklang mit der technischen Direktive 014-06. Diese besagt, dass die Teams ihre Fahrer bei einem ausfallrelevanten Problem informieren dürfen. Hätte Mercedes auf Anweisungen verzichtet, hätte die Situation in einen Ausfall gemündet.

Als Rosberg aber nachfragte, wie er jetzt handeln müsse, überschritt Mercedes laut Ansicht der Stewards um Fahrerkommissar Nigel Mansell eine Grenze. „Das Team hat weitere Anweisungen an seinen Fahrer gegeben, die gemäß der technischen Direktive nicht erlaubt waren, und damit gegen Artikel 27.1 des Sportgesetztes verstießen“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der FIA. Der Artikel besagt: „Die Fahrer müssen ihr Auto selbstständig und ohne Hilfe fahren.“

Mercedes hatte Rosberg gefunkt: „Schalte nicht in den siebten Gang und überspringe ihn.“ Das fällt nach Meinung der Stewards unter unerlaubte Fahrhilfe (Driver Coaching). Rosberg brachte seinen W07 ins Ziel. Und er überging auf den Geraden den siebten Gang. „Ich musste beim Durchschalten einfach die Zeit minimieren.“

Das Weltmeister-Team war mit der Entscheidung nicht einverstanden. Mercedes behält es sich vor, in Berufung zu gehen (Artikel). Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff forderte eine exakte Klarstellung darüber, was erlaubt ist und nicht. „Ansonsten können wir den Funk gleich aus dem Auto werfen.“

Red Bull vertrat den Standpunkt, dass eine Strafe gerechtfertigt sei. „Regeln sind Regeln. Aus meiner Sicht waren es zwei Sachen: Erstens haben sie Rosberg gesagt, dass es ein Problem gibt. Zweitens haben sie ihm mitgeteilt, wie er zu fahren hat“, befand Teamchef Christian Horner, der aber auch sagte: „Die Funkregeln sind Mist. Die Autos sind so komplex. Klar, dass Mercedes einen Ausfall verhindern will.“

Toto Wolff hinterfragte noch die Tatsache, dass Red Bull Max Verstappen auf Rosbergs Problem aufmerksam machte. Ebenfalls Fahrer-Coaching? „Wir haben Max nicht gesagt, dass er einen Knopf drücken soll, oder einen Schalter umlegen muss“, rechtfertigte Horner.

War der Start hinter dem Safety Car gerechtfertigt?

Der Aufstand in den sozialen Netzwerken war groß. Die Fans regten sich darüber auf, dass ein Regenschauer gute 20 Minuten vor dem Rennstart dafür sorgte, dass die Piloten zu Beginn hinter dem Safety Car um die Piste tuckerten.

Die FIA fährt spätestens seit dem tödlichen Unfall von Jules Bianchi eine verschärfte Sicherheitspolitik. Was urteilten die Fahrer selbst? „Der Start hinter dem Safety Car war richtig. Es gab ein paar Flüsse auf der Strecke. Damit musste man sich erst einmal im Auto vertraut machen“, stellte sich Rosberg auf die Seite der Rennleitung. Ein Problem war für die Fahrer die Sicht. Die Autos wirbelten das Wasser auf. Die Gischt minderte die Sicht. „Sie ist schlecht“, funkte Haas-Pilot Romain Grosjean an seine Truppe. „Man konnte kaum die Leuchte am Auto des Vordermanns sehen“, erklärte Verstappen.

Auch Sebastian Vettel stützte die Entscheidung. Er kritisierte die Pirelli-Reifen. „Die Vollregenreifen sind gerade einmal gut genug dafür, hinter dem Safety Car zu rollen.“ Lewis Hamilton wäre lieber stehend gestartet. „Es gab ein paar Pfützen da draußen und es wäre sicher knifflig geworden – aber darum geht es beim Rennfahren“, befand der spätere Sieger. Er hatte aber auch Verständnis. Nach seinem Geschmack hätte Bernd Mayländer jedoch früher abbiegen müssen. Schon während des Rennens brachte Hamilton das zum Ausdruck. „Das Safety Car war sicher zu lange draußen. Als sie uns Fahrer ließen, war es eigentlich schon Zeit für die Intermediates.“ Verstappen ergänzte: „Nach zwei Runden wäre ich aber bereit gewesen.“

Hamilton wäre sogar beinahe mit dem Safety Car zusammengestoßen. „Meine Bremsen sind vereist. Zum Glück habe ich es nicht getroffen.“

Warum war Ferrari in England so langsam?

Ferrari erlebte in Silverstone eine böse Schlappe. Im Qualifying brummte Pole-Mann Hamilton dem schnellsten Ferrari 1,6 Sekunden auf. Nicht nur die Silberpfeile waren klar schneller. Auch Red Bull kurvte flotter um die 18 Ecken der Traditionspiste. Kimi Räikkönen gab dem Wind eine Mitschuld. Er bläst in Silverstone traditionell stark. Nach dem Qualifikationstraining sprach der Iceman auch davon, dass er mit den Temperaturen in den Reifen kämpfte.

Die Hauptursache für die Pleite in England hatte jedoch einen anderen Grund. „Uns fehlt es an Anpressdruck.“ Wie so häufig in den letzten Jahren hinkt Ferrari bei der Aerodynamik hinterher. Auf diesem Gebiet sind Mercedes und Red Bull Spitze. Zwar karrte Ferrari ein Update-Paket mit Flügelchen an der Chassis-Unterseite und leichten Retuschen am Frontflügel nach Silverstone, doch auf den großen Technik-Angriff wartete die Formel 1-Welt auch im zehnten Rennen 2016 vergebens. Wieder hatte Mercedes das größere Paket von neuen Teilen: Unterboden, Bargeboards, Heckflügel. Ein Mercedes-Ingenieur erklärt: „Unser Update war größer. Und die vielen Richtungswechsel passen perfekt zu unserem Auto. In den Kurven drei und vier und in Maggots-Becketts-Chapel flogen wir davon. Schon in Sochi zeigte sich im letzten Streckenabschnitt, dass wir bei Richtungswechseln überlegen sind. Dasselbe im letzten Abschnitt in Barcelona.“

Vettel räumte nach dem schwachen Ergebnis ein: „Es war unser schwächstes Wochenende. Wir haben viel Performance heute eingebüßt. Es war aber nicht so, dass die anderen einen Schritt zugelegt haben. Sondern wir haben einen nach hinten gemacht.“

Warum bestraften die Stewards Vettel?

Die Antwort klingt einfach: „Das Auto mit der Startnummer 5 hat das Auto mit der 19 von der Strecke gedrängt“, heißt es in der Urteilsbegründung. Gemeint sind Vettel und Felipe Massa, die sich in der 37. Runde um den zehnten Platz balgten. Im Zweikampf in der dritten Kurve drückte Vettel den Williams von der Bahn. Doch die Onboard-Aufnahmen zeigten, dass der Ferrari-Star nicht absichtlich den weiß-blauen Rennwagen mit sich in die Auslaufzone nahm.

„Felipe ging weit in Kurve eins. Das gab mir die Chance, ihn in der dritten Kurve anzugreifen. Ich war innen, er außen. Wir haben gleichzeitig gebremst. Dann habe ich das Auto verloren. Was hätte ich machen sollen? Für mich war es ein Rennunfall“, erklärte Vettel. Die Stewards entschieden anders und verpassten ihm eine fünfsekündige Strafe. Auch bei Williams war man der Meinung, dass sich Vettel regelwidrig verteidigt hatte.

Warum ritten so viele Fahrer in der ersten Kurve aus?

Nachdem die Ideallinie aufgetrocknet war, kämpften die Piloten vor allem mit der ersten Kurve. Viele ritten aus. Darunter Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen, Max Verstappen, Fernando Alonso, Sergio Perez, Felipe Massa und Rio Haryanto. Pascal Wehrlein verabschiedete sich, als es noch nass war.

Das Problem für die Fahrer lag darin, dass es am Anbremspunkt noch einen nassen Fleck gab, den sie mit dem rechten Vorderreifen überfuhren. Dadurch verloren sie an Grip. Max Verstappen nannte noch einen weiteren Grund: „Wenn jemand vor dir über die Stelle fährt, trägt es automatisch etwas Wasser nach links auf die Ideallinie. Du nimmst die Kurve wie vorher, fährst aber über das Wasser und rutscht plötzlich aus.“

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:34.55,831 Std.
2. Max VerstappenRed Bull+ 0:08.250 Min.
3. Nico RosbergMercedes+ 0:16.911
4. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:26.211
5. Kimi RäikkönenFerrari+ 1:09.743
6. Sergio PerezForce India+ 1:16.941
7. Nico HülkenbergForce India+ 1:17.712
8. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+ 1:25.858
9. Sebastian VettelFerrari+ 1:31.654
10. Daniil KvyatToro Rosso+ 1:32.600
11. Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
12. Jenson ButtonMcLaren+ 1 Runde
13. Fernando AlonsoMcLaren+ 1 Runde
14. Valtteri BottasWilliams+ 1 Runde
15. Felipe NasrSauber+ 1 Runde
16. Esteban GutierrezHaas+ 1 Runde
17. Kevin MagnussenRenaultAusfall
18. Jolyon PalmerRenaultAusfall
19. Rio HaryantoManorAusfall
20. Romain GrosjeanHaasAusfall
21. Marcus EricssonSauberAusfall
22. Pascal WehrleinManorAusfall
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Die schnellen Richtungswechsel werden doch durch ein ausgeklügeltes Fahrwerk, das Roll- und Nickbewegungen minimiert, mehr unterstützt als durch die Aerodynamik, oder liege ich hier falsch? Mercedes hat Jahre mit der Entwicklung eines solchen Fahrwerks verbracht. Genauso wie Red-Bull. Stichwort: FRIC-System: https://de.wikipedia.org/wiki/FRIC

Meiner Meinung nach, hat Ferrari primär ein Fahrwerksproblem.

PeterSchlosser 11. Juli 2016, 14:19 Uhr
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