Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse GP England

Taktik-Zauberer Ferrari

Foto: dpa

Wenn man nur den Speed im Training betrachtet, ist der Ferrari nicht mehr unbedingt das Maß aller Dinge: Nur zwei Trainingsbestzeiten für Michael Schumacher bei den letzten acht Rennen sprechen eine beredte Sprache. Zu Saisonbeginn hatte Schumacher noch mühelos drei Pole-Positions in Folge eingefahren.

12.07.2004

Was aber die Performance im Rennen angeht, so ist Ferrari den Gegnern um viele Wagenlängen voraus. Wenn es um die Wurst geht, zehren die Roten immer noch von einem kleinen Vorsprung bei den Rundenzeiten. In Silverstone war Michael Schumacher in seiner schnellsten Runde um sieben Zehntelsekunden schneller als Jenson Button (BAR-Honda), der beste aus dem Rudel der Verfolger.

„Zugunsten einer guten Rennperformance haben wir Startplätze geopfert“, analysierte Schumacher nach seinem zehnten Saisonsieg. Wer aber nur als Vierter in die Schlacht zieht, so wie der Weltmeister in Silverstone, steht vor einem Problem: Wie soll man am Gegner vorbeikommen? Denn auf fast allen Strecken ist an Überholen nur dann zu denken, wenn man um mehrere Sekunden schneller ist als der Vordermann.

Ferrari gelingt es immer wieder, seine Gegner mit unerwarteter Taktik zu übertölpeln: In Frankreich siegte Schumacher mit vier Stopps, während die meisten Gegner nur drei Mal zum Tanken kamen. Eine Woche später in England knauserte der Weltmeister mit Besuchen an der Box: Er tankte lediglich zwei Mal, die Verfolger ließen drei Mal Benzin nachschenken.

Sind die extremen Strategien ein Zeichen dafür, dass die Gegner Ferrari nun auf den Pelz rücken? „Beim Saisonauftakt in Australien hätten wir so oder so gewonnen, mit zwei, drei oder vier Stopps“, antwortete Schumacher. „Jetzt aber müssen wir uns taktisch immer wieder etwas Neues einfallen lassen.“

Die Safety-Car-Phase nach Trullis Unfall verfälschte das Ergebnis etwas: Was zu einer Demütigung der Gegner mit 30-Sekunden-Abstand zum Zweitplatzierten hätte werden können, geriet zu einer scheinbar knappen Angelegenheit. Am Ende hatte Schumacher, der seinen ersten Boxenstopp vier Runden später einlegte als Räikkönen, nur 2,1 Sekunden Vorsprung.

Kimi Räikkönen lässt sich davon jedoch nicht blenden: „Schön, dass wir wieder in der Lage sind, um Podiumsplatzierungen zu kämpfen“, meinte der Finne mit der üblichen Trauerkloß-Miene. „Mit dem MP4-19B arbeiten wir in die richtige Richtung. Hoffentlich sind wir gegen Ende der Saison dazu in der Lage, aus eigener Kraft zu siegen.“

Verschlepptes Tempo in der Safety-Car-Phase

Trotz zehn Siegen in elf Rennen – ein bisschen grantig war Michael Schumacher dennoch nach dem Rennen. Stirnrunzelnd gab er zu Protokoll. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass das Safety-Car etwas schneller fährt.“ Der Grund für den Ärger des Champions: Schumacher spürte in der Safety-Car-Phase den heißen Atem von Verfolger Räikkönen im Nacken und er wusste, dass sich die Michelin-Reifen des McLaren-Mercedes schneller auf optimale Betriebstemperatur bringen lassen als die Bridgestone-Pneus des Ferrari.

Anders ausgedrückt: Je langsamer das Safety-Car fährt, umso besser ist dies für Michelin-besohlte Autos, in diesem Fall speziell für Räikkönen. Dazu muss man wissen: Der Chauffeur des Safety-Cars heißt Bernd Mayländer und ist im Hauptberuf Mercedes-Werksfahrer in der DTM. Denkbar, dass der Schwabe in einer Art vorauseilendem Gehorsam seinem Brötchengeber einen Gefallen tun wollte. In seinem knapp 360 PS starken Mercedes SLK 55 AMG fuhr Mayländer Rundenzeiten von 2.20 Minuten – erstaunlich langsam für einen Hochleistungssportwagen. Zum Vergleich: Eine Stunde später fuhren beim selbst 35 Jahre alte Sportwagen wie ein Jaguar D-Type um 15 Sekunden schneller als Mayländer.

Schumacher bezeichnete es als Glück, „dass zwei langsame Autos zwischen mir und Kimi lagen“. Räikkönen musste sich beim Restart also erst an den Überrundeten Cristiano da Matta (Toyota) und Christian Klien (Jaguar) vorbeipressen, ehe er nach einer halben Runde in Schlagdistanz zum Ferrari kam. Da war es aber schon zu spät für eine erfolgversprechende Attacke auf Schumacher.

Williams ohne Ralf in der Krise

Williams fährt immer tiefer in die Krise. In den letzten fünf Rennen holten die Weißblauen gerade mal sechs WM-Punkte. Insofern müsste man den fünften Platz von Juan Pablo Montoya, der mit vier Zählern belohnt wurde, beinahe als Erfolg werten. Doch der Kolumbianer stand stark unter Druck des aus der letzten Reihe gestarteten Giancarlo Fisichella im Sauber. Lediglich aufgrund des Umstands, dass der Ferrari-Motor des Sauber infolge eines Lecks in der Ventilpneumatik an Leistung verlor, konnte sich Montoya vor dem Italiener ins Ziel retten.

Eine indiskutable Leistung bot Ralf Schumachers Ersatzmann Marc Gené. Der Spanier trudelte als Zwölfter im Ziel ein und trottete mit eingezogenen Schultern nach dem Rennen schnellstmöglich in Richtung Ausgang. Seine Rückversetzung ins zweite Glied ist beschlossene Sache.

Noch in der Nacht nach dem desaströsen Ergebnis von Silverstone trafen sich die Williams-Bosse zum Krisengespräch. Wichtigster Punkt auf der Tagesordnung: Wer soll Ralf Schumacher bis zu seiner Genesung ersetzen?

Gut möglich, dass beim GP von Deutschland in zwei Wochen nun doch der arbeitslose Jacques Villeneuve zum Zug kommt. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass der Kanadier ab Mittwoch (14.7.) bei den dreitägigen Testfahrten in Jerez fährt. Denn auch bei Williams weiß man: Antonio Pizzonia, der zweite Testfahrer, gilt nicht gerade als Topmann. Im Vorjahr war der Brasilianer von seinem damaligen Arbeitgeber Jaguar vorzeitig entlassen worden – wegen ungenügender Leistungen.

Zu den Ergebnissen



Täglich wissen was läuft
Hier gibt´s den Gratis-Newsletter rund um Auto, Motor und Sport.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden