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Formel 1: Rennanalyse GP Europa

"Alles ein bisschen kompliziert"

Podium GP Europa 2010 33 Bilder

Wer war schuld an Webbers Horrorcrash? Warum überholte Hamilton das Safety-Car? Und warum erhielten gleich neun Piloten eine nachträgliche Zeitstrafe? In unserer Rennanalyse klären wir die letzten offenen Fragen des Rennens in Valencia.

28.06.2010 Tobias Grüner

Wer ist schuld an dem Crash zwischen Kovalainen und Webber?

Der Rückwärtssalto von Mark Webber war der Formel 1-Crash des Jahres. Bei knapp 300 km/h krachte der Red Bull des Australiers auf den Lotus von Heikki Kovalainen. Dabei war es überhaupt ein Wunder, dass sich die beiden Autos schon so früh im Rennen begegneten. Webber verlor schon in der ersten Runde viele Plätze. Unter anderem gingen Jenson Button und Robert Kubica parallel an dem Crashpiloten vorbei. Danach änderten die Red Bull-Strategen die Taktik. "Wir haben ihn früher reingeholt. Nach unserer Simulation, wäre er damit noch auf Rang vier gefahren", rechnete Teamchef Christian Horner später vor.
 
Aber alles kam anders. Webber fuhr ohne die Bremse auch nur berührt zu haben auf den Hinterreifen von Kovalainen. "Er hat 80 Meter früher gebremst als ich es in der Runde zuvor getan habe", suchte der unverletzte Webber später nach Erklärungen für den Formel 1-Horrorcrash. Doch Kovalainen bremste dort, wo er immer bremste. "Vielleicht ein ganz kleines Stückchen früher, weil ich neben der Linie war und es dort viele Bodenwellen gibt", erklärte der Finne. In so einem Fall gilt auch in der Formel 1: Wer auffährt, hat Schuld. Zur Verteidigung Webbers lässt sich anführen, dass der Geschwindigkeitsüberschuss dank F-Schacht extrem war. Und mit einem Lotus muss der Australier normalerweise nicht um Positionen kämpfen.

Warum hat Hamilton das Safety-Car überholt?

Als das Safety-Car auf die Strecke bog, versuchte Lewis Hamilton gerade, mit allen Mitteln an Spitzenreiter Sebastian Vettel dranzubleiben. Dabei ging alles sehr schnell. "Wenn das Safety-Car rauskommt, ist es immer schwer alle Informationen zu verarbeiten", verteidigt sich der Weltmeister von 2008. "Man hat viele 'Beep'-Geräusche im Ohr und auf dem Display flackern lauter Lichter auf. Außerdem muss man eine bestimmte Zeit einhalten. Zwischen den Safety-Car-Linien 1 und 2 kann man Gas geben. Das ist alles ein bisschen kompliziert."
 
Als Hamilton über die Zielgerade schoss, machte sich das Formel 1-Safety-Car gerade auf den Weg. Sebastian Vettel war mit seinem Red Bull leicht vorbeigekommen. Doch für Hamilton wurde es eng. "Ich war auf der Verfolgung von Sebastian und habe Gas gegeben, um die Lücke zu verkleinern. Als ich aus der ersten Kurve kam, habe ich plötzlich gesehen, dass das Safety-Car rauskam. Ich habe gedacht, dass ich schon vorbei war, und bin weiter gefahren. Das war alles."
 
Aus dem Ferrari-Lager kamen später Vorwürfe, dass Hamilton einen unfairen Vorteil erlangte. Durch seine Durchfahrtsstrafe verlor er weniger Plätze als durch das Einreihen hinter dem Safety-Car. Doch das lässt der McLaren-Pilot nicht gelten: "Ich weiß nicht, warum das unfair sein sollte. Das ist Rennsport und so sind die Regeln. Die müssen wir alle akzeptieren." Teamchef Martin Withmarsh akzeptierte die Strafe für seinen Schützling. "Es war eine ganz knappe Sache. Leider musste Lewis dadurch seinen Angriff auf Sebastian abblasen. Seine Chancen wären nicht schlecht gewesen. Das Duell hätten auch die Zuschauer sicher gerne gesehen."

Warum wurden so viele Piloten bestraft? War die Strafe gerecht?

Wenn das Safety-Car auf die Strecke geht, setzt die Rennleitung eine komplizierte Technik-Choreographie in Gang. Auf den Lenkrad-Displays der Piloten erscheint ohne Vorwarnung eine Countdown-Zeit, die sie auf dem Weg zur ersten Safety-Car-Linie kurz vor der Boxeneinfahrt nicht unterbieten dürfen. Diese Zeit ist zirka 20 Prozent langsamer als das normale Renntempo. Doch gleich neun Formel 1-Piloten hielten sich nicht an die Vorgabe.
 
Das Problem lag darin, dass das Feld in dieser frühen Phase noch nahe zusammen lag. In engen Kämpfen verwickelt hatten viele Piloten die Zeitvorgabe einfach zu spät bemerkt. "Ich kam gerade aus der letzten Haarnadel. Danach kommen nur schnelle Ecken nach links und rechts. Da bleibt keine Zeit, auf das Display zu schauen", entschuldigt sich Adrian Sutil. Die beste Ausrede hatten Jenson Button und Robert Kubica. "Sie waren nur 100 Meter vor der Safety-Car-Linie und konnten die Zeit gar nicht einhalten, ohne eine Vollbremsung hinzulegen", gestand auch die Rennleitung später.
 
Am Ende wurden alle Piloten mit einem Zeitmalus von fünf Sekunden belegt. "Die meisten Fahrer haben zwischen zwei und drei Sekunden gewonnen", erklärt Sauber-Teammanager Beat Zehnder. "Ich denke, die Strafe geht in Ordnung." Bei Ferrari hatte man wohl mit mehr gehofft. Über Funk hatte der Kommandostand Alonso informiert, dass für die Konkurrenz noch eine Strafe folgt. Alonso solle nicht zu riskant angreifen. Am Ende gewann der Spanier nur einen Platz gegen Buemi. Die zweite Verschiebung in den Punkteplätzen betraf Pedro de la Rosa. Der Spanier verlor seinen ersten WM-Zähler in dieser Saison am grünen Tisch an Nico Rosberg.

Warum konnte Kobayashi so gut vorne mithalten?

Kamui Kobayashi blieb als einziger Pilot in der Safety-Car-Phase auf der Piste und ging nicht an die Box. Trotz gebrauchten Reifen konnte er sich bis zu seinem Stopp auf Rang drei behaupten. "Das ist mir selbst ein Rätsel, wie er so schnell fahren konnte", lobte Teamchef Peter Sauber seinen Schützling. "Vor allem, dass er konstant so schnell unterwegs war. Auch auf Reifen, die schon 53 Runden auf dem Buckel hatten." Der Speed des Japaners lässt sich wohl nur mit Psychologie erklären. Wer auf Rang drei fährt, fährt automatisch schneller.
 
Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Pedro de la Rosa war Kobayashi auf harten Reifen gestartet. "Er war hoffnungslos weit hinten. Deshalb haben wir bei ihm etwas mehr riskiert", erklärt Technikchef James Key die Strategie. Ohne Safety-Car wäre das riskante Konzept nicht aufgegangen. Dass Kobayashi nach dem Restart Jenson Button so mühelos hinter sich ließ, war allerdings auch nicht zu erwarten. Nach dem Pflichtstopp des Japaners war der McLaren 1,2 Sekunden schneller.
 
Kobayashi konnte in den letzten Runden mit weichen Reifen seinerseits noch den Ferrari von Fernando Alonso und den Toro Rosso von Sebastien Buemi einfangen. Mit den frischen Gummis konnte der Youngster deutlich später bremsen und besser aus den engen Kurven herausbeschleunigen. Ferrari hatte dagegen Probleme mit den harten Gummis, die stärker abbauten als erwartet. "In dieser Schlussphase hatte ich mehr Grip als jeder andere auf der Strecke, und ich fand, da muss ich alles rausholen", kommentierte der Japaner seinen Schlussspurt.

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