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Rennanalyse GP Europa

Titelkampf wieder offen

Foto: dpa 50 Bilder

Mit einer titanenhaften fahrerischen Leistung meldete sich Fernando Alonso am Sonntag (22.7.) beim Grand Prix von Europa auf der obersten Stufe des Siegerpodests zurück.

23.07.2007 Claus Mühlberger

Der Weltmeister, der speziell von manchem Lewis-Hamilton-Jünger schon beinahe abgeschrieben wurde, liegt nach seinem dritten Triumph der Saison nur noch zwei Punkte hinter seinem jungen Teamkollegen: Hamilton, der am Nürburgring ohne WM-Punkte blieb, hat nach wie vor 70 Zähler auf dem Konto, Alonso folgt dichtauf mit 68 Punkten.

Das launische Eifelwetter war der Schlüssel zum Sieg. Als acht Runden vor Schluss erneut ein Regenschauer über der Eifelpiste niederging, wusste der Spanier, dass jetzt seine Stunde gekommen war: "Ich liebe diese Bedingungen", strahlte er nach dem Rennen. "Da kann man echt Spaß haben". Besonders lustig ist es, wenn dieser Spaß auf Kosten der anderen geht. Noch lustiger, wenn dieser andere Felipe Massa heißt. Mit dem Ferrari-Fahrer hat der Weltmeister seit dem GP von Italien 2006 noch ein Hühnchen zu rupfen. Vor einem Dreivierteljahr hatte Alonso eine Strafe aufbrummt bekommen, weil er Massa angeblich im Training behindert hatte.

Massa steht im Regen

Am Nürburgring duschte Alonso Felipe Massa derart ab, dass der sich eigentlich fragen muss, ob er nicht seinen Beruf verfehlt hat: Innerhalb von acht Runden machte Alonso aus einem Rückstand von 4,9 Sekunden (nach Runde 52) einen Vorsprung von 8,1 Sekunden. Macht nach Adam Riese einen Zeitgewinn von netto 13 Sekunden, im Schnitt 1,625 Sekunden pro Runde. Das sind Welten.

Bis zu dem Regenguss in der Schlussphase hatte Massa das Rennen locker kontrolliert. "Dann kam unglücklicherweise der Regen", klagte der Brasilianer. Und weil Rennfahrer die Schuld fast immer woanders suchen und kaum jemals bei sich selbst, hatte Massa für seine hasenfüßige Fahrweise eine Ausrede parat. "Ich konnte nicht schneller fahren, weil die Reifen ganz stark vibriert haben", lautete seine lahme Erklärung.

Diskussionen auf dem Podium

"Bei dem Überholmanöver haben wir uns zweimal berührt", erzählte McLaren-Mann Alonso. Massa klagte: "Ich will doch nur, dass die Regeln des Sports respektiert werden. So etwas würde ich nie machen." Weltmeister Alonso belehrte den larmoyanten Brasilianer: "So ist der Motorsport."

Vor der Siegerehrung tippte er Alonso unwirsch immer wieder an, klatschte höhnisch Beifall und reckte den Daumen nach oben. Der Spanier ignorierte den Störenfried in Rot, reckte seinerseits die Faust in Siegerpose in die Kamera und bleckte im Stile eines Raubtiers die Zähne.

Hamilton-Serie reißt

"Ich war eigentlich schon mit Platz zwei zufrieden", verriet Alonso nach dem Rennen. "Ich wusste ja, dass Lewis und Kimi ohne Punkte blieben." Lewis Hamilton wurde nach neun Podiumsbesuchen in Folge am Nürburgring auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Crash im Qualifying, Abflug in Runde zwei ins Kiesbett. Danach kämpfte der McLaren-Youngster wacker, wenn gleich am Schluß vergeblich. Für Platz neun gibt es keine Punkte.

Räikkönen, zuletzt zweimal in Folge siegreich, musste seinen Ferrari, auf Platz drei liegend, mit Hydraulikdefekt abstellen. Es war der zweite Ausfall für den Finnen in diesem Jahr wegen schadhafter Technik. Gut möglich, dass ihn die mangelnde Zuverlässigkeit jede Titelchance kostet. Das kennt Räikkönen zwar schon aus den letzten Jahren von McLaren. Aber was die Standfestigkeit angeht, sind die einst pannengeplagten McLaren 2007 wahre Musterknaben. McLaren hat als einziges Team auch nach zehn Rennen noch keinen Ausfall zu verzeichnen.

Schadensbegrenzung bei BMW

BMW betrieb Schadensbegrenzung am Ring: Dabei begann es beinahe mit einem Schaden, als Nick Heidfeld seinem Teamkollegen Robert Kubica in der Startkurve einen derben Rammstoß verpaßte. Der Pole drehte sich. Heidfeld kam nach sechs Boxenstopps und einem weiteren rüden Manöver gegen Ralf Schumacher im Toyota dennoch als Sechster ins Ziel. Kubica wurde Siebter. Dies stockte das Punktekonto um fünf Zähler auf. Im Kampf gegen Renault um Platz drei ist dies sehr wertvoll, zumal das Weltmeisterteam nur einen einzigen Zähler mitnehmen konnte.

"Robert hat mich leider zweimal in den Dreck geschickt beim Start", erzählte Heidfeld. "Dann sind wir zusammengerappelt." Dabei nahm die Spurstange Schaden. Dies konnte aber in der Pause nach dem ersten Regenguss repariert werden.

Kleine profitierten vom Regen

In der Eifel kamen auch ein paar der Kleinen groß raus: Mark Webber im Red Bull-Renault nutzte kaltblütig die Gunst der Stunde und fuhr fast fehlerfrei auf Platz drei. In seinem Windschatten kam Alex Wurz im Williams-Toyotains Ziel. Der Österreicher ist zwar im Training klar langsamer als Nico Rosberg - das Trainingsduell steht 9:1 - aber im Rennen räumt er immer wieder ab, und zwar WM-Punkte, nicht Leitplanken. Der Österreicher hat nun 13 Punkte, Rosberg verharrt bei fünf Zählern.

Statistik-Experten aufgepasst: Markus Winkelhock schrieb dank eines genialen Schachzugs Formel 1-Geschichte. Der GP-Neuling, in der Startaufstellung 22. und Letzter, lag nach der zweiten Runde in Führung. Das hat noch kein Rookie geschafft.

Winkelhocks Trick: Der 27-Jährige fuhr nach der Formationsrunde in die Box und ließ auf seinen Spyker Intermediates aufschnallen. Prompt regnete es, alle anderen Fahrer kamen zum Umbereifen und plötzlich lag Winkelhock vorne - mit fast 20 Sekunden Vorsprung auf Massa. Das zwei Runden später ausrückende SafetyCar brachte die Verfolger wieder heran. Dennoch müssen sich gerade die Hinterbänkler-Teams wie ToroRosso oder SuperAguri fragen: Warum sind wir nicht auf diesem Trick gekommen. Winkelhock freute sich: "Eine Führung in einem GP: Das kann mir niemand mehr wegnehmen."

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