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Rennanalyse GP Europa

Totgesagte leben länger

Foto: dpa

Die Parallelen zum Champion´s League Finale waren unübersehbar: Sowohl beim Kick am letzten Mittwoch in Istanbul wie auch auf dem Nürburgring am Sonntag siegte am Ende derjenige, auf den man in der Halbzeit keinen Pfifferling mehr gegeben hätte.

30.05.2005

Fernando Alonso agierte im Stile des FC Liverpool. Der Spanier kämpfte fast zwei Stunden unverdrossen, obwohl er nach der ersten Runde eigentlich schon aussichtslos zurücklag. Vier Kilometer vor Schluss sprang ihm das Glück zur Seite, als sich Kimi Räikkönen nach dem Bruch der rechten Vorderradaufhängung ins Kiesbett vor der Mercedes-Tribüne verabschiedete. Alonso hatte Räikkönen im Schlußspurt stark unter Druck gesetzt: Er verkürzte seinen Rückstand von 4,9 Sekunden in Runde 53 auf 1,5 Sekunden zu Beginn des letzten Umlaufs. Dadurch mußte Räikkönen mehr forcieren, als ihm lieb sein konnte mit seinem angeschlagenen Auto - vielleicht war dies letztlich entscheidend.

Nach dem Rennen erzählte Alonso, dass er „heute viel Glück“ hatte: Im Startgetümmel wurde er von hinten gerammt. Der Spanier fing den quer stehenden Renault mit entschlossenem Gegenlenken ab. Aus der ersten Runde kehrte er als Fünfter zurück. Damit hatte er gegenüber seiner Startposition sogar einen Platz gewonnen. Der ungeschickt agierende Hintermann, Ralf Schumacher, verlor den Frontflügel an seinem Toyota und mußte an die Box.

Auf dem Nürburgring schienen die Reifenprobleme, die Renault in Monaco hatte, vergessen. „Das Auto war nett zu fahren“, berichtet Alonso. Eine geänderte Geometrie an der Hinterachse sowie eine milder abgestimmte Traktionskontrolle brachten Linderung für die gequälten Michelins. Doch ohne Fehler agierte der Spanier nicht: Wie unter anderem auch Kimi Räikkönen und Michael Schumacher leistete er sich einen Abstecher in die Botanik, bei dem er sechs Sekunden verlor. „Ich habe hart angegriffen. Beim Bremsen haben die Vorderräder kurz blockiert – und schon war ich neben der Piste.“

Mit seinem vierten Sieg des Jahres machte Alonso einen großen Schritt in Richtung WM. Er besitzt nun satte 32 Punkte Vorsprung auf Räikkönen. Wäre das Rennen eine Runde früher abgewinkt worden, wären es nur 20 Zähler. Als einziger Fahrer kam Alonso bei allen sieben Rennen 2005 in den Punkteränge und nur einmal (in Monaco) verpaßte er als Vierter den Podiumsbesuch.

Coulthard verpasst die Sensation

Alonso hatte auch insofern Glück, dass einer, den niemand auf der Rechnung hatte, wegen einer geringfügigen Geschwindigkeitsübertretung - 81,2 km/h statt der erlaubten 80 km/h eine Durchfahrtstrafe verpaßt bekam. David Coulthard im Red Bull-Cosworth verpatzte so den möglichen Sensationssieg und mußte sich mit Platz vier begnügen.

In Begleitung seines deutschen Schäferhunds verließ Kimi Räikkönen den Nürburgring trotz seines spektakulären Unfalls guten Mutes. Die WM scheint er aber abgeschrieben zu haben. "Ich werde mich jetzt darauf konzentrieren, möglichst viele Rennen zu gewinnen.“

Das Unheil an dem Silberpfeil des Finnen zeichnete sich schon lange vor dem Unfall ab. In der 30. von 59 Runden fing sich Räikkönen beim Überrunden von Jacques Villeneuve einen Bremsplatten vorne rechts ein. Die Vibrationen durch den unrund laufenden Reifen wurden immer schlimmer. Der Finne konnte kaum noch die Fahrbahn sehen. An das Entziffern der Boxentafeln war gar nicht zu denken. Räikkönen wurde per Funk auf dem Laufenden gehalten.

In Absprache mit dem Team entschied er sich dafür, um den Sieg zu kämpfen. Vier Kilometer vor der rettenden karierten Flagge kollabierte das Gelenk am Achsschenkel: Der untere Querlenker brach unter der Last des Bremsens, in der Folge wurde die gesamte Radaufhängung herausgerupft. Räikkönen rodelte durch das Kiesbett und klopfte mit dem Heck des McLaren sanft in den Reifenstapel an.

Montoya: "Schumi nicht erkannt"

Probeme mit der klaren Sicht hatte auch Räikkönen Stallgefährte Juan-Pablo Montoya. Der Kolumbianer wurde nach einem Bremsplatten derart geschüttelt, dass er nicht mal mehr seine unmittelbare Nachbarschaft erkennen konnte: "Ich habe Michael Schumacher nicht erkannt, obwohl er lange unmittelbar vor mir fuhr.“

Michael Schumacher hatte Pech beim Start. Nach der Massenkollision war ihm der Weg nach vorn erst einmal versperrt. Er kam nur als 14. Aus der ersten Runde zurück - mit 13,9 Sekunden Rückstand. "Diesmal war ich auch im Rennen nicht schnell genug“, ärgerte sich der Weltmeister. Zuletzt sei es ja nur am stets verpatzten Training gelegen, dass es seit Imola keinen Spitzenplatzierung mehr gab. Auf dem Nürburgring reichte es zum mühevoll erkämpften fünften Rang.

Wie es besser geht, zeigte Rubens Barrichello. Die Dreistopp-Strategie des Brasilianers (Schumacher zwei Stopps) zahlte sich aus. Als Dritter kam der Brasilianer zum ersten Mal in diesem Jahr aufs Podium. Sein Fazit: "Zuverlässiges Auto, starker Motor, großartige Reifen.“

Ebenfalls mit drei Boxenbesuchen kam Nick Heidfeld auf Platz zwei. "Nach meiner Trainingsbestzeit war mir klar, dass ich dies wohl nicht gleich in die Führung im Rennen umsetzten kann“, meinte der Deutsche bescheiden. Der Williams-BMW zeigte erneut einen Schneckenstart: Kimi Räikkönen gewann das Beschleunigungsduell klar, obwohl er drei Handicaps wettmachen mußte: Zum einen rund 20 Kilo mehr Gewicht, wegen Zweistopp-Strategie. Zum zweiten einen Startplatz auf der schmutzigen rechten Seite der Piste und schließlich der um zehn Meter weiter hinten liegende Startplatz.

"Wir haben viele Start geübt“, erklärte Heidfeld vor dem Rennen. "Aber die Abstimmung ist nicht so einfach.“ Im Rennen holte der Deutsche mit Platz zwei das bestmögliche Ergebnis: Neben Barrichello war Heidfeld der Einzige, der sich keinen Fahrfehler erlaubte. Zudem wurde er nie durch Nachzügler gebremst. BMW-Sportchef Mario Theißen analysierte: "Nick hatte als Drei-Stopper immer freie Fahrt.“

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