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Rennanalyse GP Frankreich

Ferrari schlägt zurück

Foto: dpa 76 Bilder

Wenn die ersten vier in der WM-Tabelle nach acht WM-Läufen je zwei Grand Prix gewonnen haben, deutet alles auf eine ausgeglichene Weltmeisterschaft hin. Das spricht leider nicht unbedingt für die Rennen selbst: Das vermutlich letztmals in Magny-Cours ausgetragene Veranstaltung war eher von der langweiligen Sorte.

02.07.2007 Gregor Messer

Das juckte allerdings im Lager der Roten niemanden. Der Doppelsieg von Kimi Räikkönen und Felipe Massa war der erste von Ferrari in der laufenden Saison, aber der 196. in der Geschichte des Teams. Um bei den Zahlen zu bleiben: Für Räikkönen war es der elfte Erfolg seiner Formel 1-Karriere. Wie üblich war dem coolen Finnen auch diesmal kaum ein Zeichen der Siegesfreude zu entlocken. Auch nicht als er auf dem Podest Champagner versprühen durfte. Muss Grands Prix-gewinnen langweilig sein ...

Räikkönen stand schon auf der Abschussliste

Vielleicht dachte der schnelle, stille Finne auch nur über die vergangenen Wochen nach, als man ihn nach wenig überzeugenden Leistungen schon abgeschrieben hatte. Gerüchte machten sich breit, dass er schon bald durch Williams-Star Nico Rosberg ersetzt werden könnte.

"Wir hatten eine etwas schwierige Zeit. Aber das habe ich auch irgendwie erwartet", meinte Räikkönen. "Die Leute denken eben immer, man hat es nicht mehr drauf, wenn die Resultate ausbleiben. Aber wir haben einfach hart gearbeitet und uns darauf konzentriert, das Auto gut hinzubekommen. Nach den letzten Tests sind wir mit dem Auto wesentlich glücklicher. In den letzten Rennen haben wir es einfach nicht zusammengebracht. Ich denke, wir können uns immer noch verbessern. Das Auto war gut, aber eben nicht perfekt."

Räikkönen hatte einen guten Start, der ihn auf dem Weg in die erste Kurve an Lewis Hamilton vorbeibrachte. Auch hier liegt der Grund in erfolgreichen Testfahrten: "Wir haben unser Startsystem stark verbessern können. Unsere Starts waren zuletzt nicht so doll..."

Massa verlor im Verkehr das Rennen

Teamkollege Felipe Massa führte vom Start weg bis zu seinem ersten Stopp in der 19. Runde. Der Brasilianer übernahm von seinem Teamkollegen wieder die Spitze, als Räikkönen drei Runden später zum Nachtanken kam. Doch Massa beklagte sich bitter über den Verkehr, der ihn in seinem zweiten Stint aufgehalten hatte. Als Massa nach seinem zweiten Stopp wieder auf die Piste zurückkehrte, war seine Führung im Prinzip bereits futsch. Denn Räikkönen, der erneut drei Umläufe später stoppte, blieb nach seinem Boxenhalt endgültig vorne. "ich wurde derart aufgehalten", schnaufte Massa, "ein Toyota, zwei Red Bull, ein Williams. Ich fahre hier um den Sieg. Die müssen mich doch gesehen haben..." Der Ferrari-Pilot echauffierte sich über Ralf Schumacher, Mark Webber, David Coulthard und Alexander Wurz, die freilich allesamt ordentlich Platz gemacht hatten - sonst wären sie ja wegen Ignorierens der blauen Überholflaggen zur Räson gezogen worden.

Bis zu Räikkönens zweitem Stopp in der 46. Runde sah Teamkollege Felipe Massa wie der sichere Sieger aus. Der Brasilianer führte stellenweise mit rund fünf Sekunden Vorsprung. Doch der Finne absolvierte kurz vor seinem zweiten Stopp mehrere bemerkenswert schnelle, konstante Runden von 1.16,2 Minuten, die ihm ein ausreichendes Zeitpolster sicherten.

Ferrari was an diesem Wochenende deutlich schneller

Ferrari kam in Magny-Cours eine verbesserte Aerodynamik zu Gute. Auch am Motor wurde gearbeitet. Die Strecke mit ihren schnellen Kurven und dem neuen Belag taten ein Übriges, um McLaren-Mercedes überraschend deutlich zu distanzieren. Im Ziel fehlten Lewis Hamilton über eine halbe Minute. "Als ich nach meinem zweiten Stopp zurück auf die Strecke kehrte, hatte ich ja schon 20 Sekunden Rückstand. Da war nichts mehr zu holen. Also wollte ich nur nach das Auto und den Motor schonen."

Dennoch hielt der WM-Spitzenreiter seine Serie aufrecht: Zum achten Mal in Folge stand der farbige Engländer auf dem Siegerpodest. "Das freut mich", bestätigte Hamilton. Seine WM-Führung konnte er auf Teamkollege Fernando Alonso sogar um vier Punkte ausbauen. Neben Massa ist Hamilton der einzige Pilot der diesjährigen WM, der in jedem Lauf Punkte holen konnte. Beim Start erfuhr der WM-Spitzenreiter ein neues Erlebnis: Er wurde überholt, von Räikkönen. "Mein Start war nicht der beste", sagte Hamilton, "und ich weiß auch nicht genau, weshalb. Mein Auto war zu Beginn sehr gut, und ich habe alles versucht, um an Räikkönen vorbei zu kommen. Hat aber leider nicht geklappt. Daher haben wir uns für eine Dreistopp-Strategie entschieden." Der farbige Engländer führt die WM nun mit 64 Punkten vor Alonso (50), Massa (47) und Räikkönen (42) an.

Alonso und Nick Heidfeld lieferten sich harte Duelle

Fernando Alonso, der im Zeittraining von einem Lagerschaden im Getriebe gehandicapt wurde, kämpfte rundenlang mit dem sich tapfer wehrenden Heidfeld. Der BMW-Pilot, am Freitag noch mit einer Muskelverhärtung stark beeinträchtigt, konnte sich dank besserer Strategie nach seinem zweiten Stopp vor Alonso behaupten.

Der amtierende Weltmeister fuhr letztlich hinter Fisichella auf Rang sieben ein und sicherte sich zwei Punkte. "Ich habe heute das Maximum herausgeholt, was ich nur konnte", meinte Alonso, "aber wir wussten, dass es heute mit einer Strategie schwierig werden würde, die ursprünglich auf eine Startposition in den ersten drei Reihen ausgelegt war. Das bedeutete, dass ich bei den Stopps immer wieder hinter Leute zurückfiel, die ich bereits auf der Strecke überholt hatte. Mein Zweikampf mit Nick Heidfeld hat Spaß gemacht, aber es war auch harte Arbeit."

Für BMW war es das bislang beste Wochenende

"Dies ist mit neun Punkten unser bestes Gesamtergebnis bislang", betonte nicht nur Nick Heidfeld, sondern auch BMW-Sportchef Mario Theissen. Die Weißblauen holten in Magny-Cours sogar einen Punkt mehr für die Konstrukteurs-WM als McLaren-Mercedes. "Aber daran orientieren wir uns gar nicht", meinte Heidfeld. Robert Kubica war bei seinem Comeback nach seinem schweren Unfall in Montreal und der damit verbundenen Pause in Indianapolis klar schneller als Heidfeld. "Robert hat heute bewiesen, dass er nicht nur den Unfall komplett weggesteckt und verdaut hat, sondern auch, dass er nun endgültig das volle Vertrauen in das Auto und in die Reifen hat", sagte Theissen. "Er war stärker als vorher." In den ersten Saisonrennen haderte der Pole noch mit den Einheitsreifen und der damit verbundenen Umstellung beim Fahrstil.

Nick Heidfeld freute sich dennoch über Platz fünf

"Mein Start war klasse. Ich konnte sofort einen Renault überholen. Fisichella hat vor mir zwei Mal die Linie gekreuzt, was ich nicht in Ordnung fand, weil es nicht den Regeln entspricht. Aber wir hatten heute Renault sauber im Griff gehabt." Heidfeld spürte im Rennen keinerlei Beschwerden im Rücken wie noch am Freitag. "Das Wichtige ist: Es ist nichts von Dauer oder etwas Ernsthaftes." Der Zweikampf mit Alonso war nicht nur für die Zuschauer das Highlight des Rennens: "Für mich war es das beste Duell seit Jahren. Das war beste Werbung für die Formel 1. Sehr begeisternd, auch für uns an der Pitwall. Aber wir wussten, dass sich beide nicht ins Auto fahren werden. In einer solchen Situation kann man auch so ein Duell genießen."

Honda holt sich einen Punkt

"Wenn Renault sich jetzt da vorne manifestiert, dann sind die Punkte ja vergeben. Da fährst du nur noch um die Goldene Ananas", dozierte Ex-Weltmeister Keke Rosberg. Der Williams von Sohn Nico hielt diesmal durch, "aber Nico war zu langsam." Schlimmer noch: Honda kam durch Jenson Button zum ersten WM-Zähler des Jahres. "Jenson war einfach schneller", dozierte Rosberg senior weiter. Tatsächlich liefen beide Honda solide. Hier liegen die Gründe in einer neuen Vorderradaufhängung und einer großen Revision der Aerodynamik.

Albers fuhr mit dem Tankschlauch spazieren

In einem eintönigen Rennen sorgte Spyker-Fahrer Christijan Albers für die einzig spektakuläre Szene. Der ehemalige Mercedes-DTM-Pilot sorgte mit einem völlig missglückten Boxenstopp in der 24. Runde für Aufsehen. Albers sprintete los, obwohl ihm nicht das Signal zur Weiterfahrt mit dem so genannten Lollipop angezeigt worden war. Der Schlauch der Tankanlage riss dabei ab und verhedderte sich in der Boxenausfahrt im linken Hinterrad. Albers, dessen Platz in dem holländischen Team mittlerweile stark umstritten ist, parkte seinen Spyker umgehend. Nach dem Rennen kam es für den Unglücksraben noch einmal ganz dick: Die Sportkommissare verdonnerten den Niederländer zu 5.000 Dollar Strafe, wegen "unsicheren Wegfahrens aus der Boxengasse".

Sein Teamkollege Adrian Sutil musste nach einem Defekt an seinem Einsatzauto in der Startaufstellung mit dem Ersatzwagen aus der Boxengasse nachstarten. Dennoch holte der junge Gräfelfinger Albers zügig ein und überholte ihn in der 19. Runde. Allerdings musste Sutil einmal zur Strafexkursion durch die Boxengasse fahren, weil er bei seinem Stopp mit 61,8 km/h zu schnell durch die Boxengasse fuhr. Letztlich erreichte Sutil Platz 17. "Sicherlich nicht das perfekte Rennen. Auf der Startaufstellung hatten wir ein Elektronik-Problem. Nachdem ich mich dann an das T-Car gewöhnt hatte, bekam ich leider eine Durchfahrtsstrafe, weil ich in der Box zu schnell war". Weil die Funkverbindung ausgefallen war, kam Sutil eine Runde zu früh zu seinem ersten Stopp - dummerweise war der Halt aber für Albers geplant gewesen, sodass beide Spyker gleichzeitig anstanden.

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