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Rennanalyse GP Italien 2015

Wieso kam Hamilton ohne Strafe davon?

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2015 - Monza Foto: xpb 54 Bilder

Der GP Italien hinterließ einige Fragen. Vor allem rund um den zu niedrigen Luftdruck im linken Hinterreifen von Lewis Hamilton. In unserer Rennanalyse geben wir die Antworten.

06.09.2015 Andreas Haupt, Michael Schmidt

Wann wurde Mercedes von der FIA informiert?

Der Technische Delegierte der FIA, Jo Bauer, überprüfte weniger als fünf Minuten vor Rennbeginn die Reifendrücke an den Autos von Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel, Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Und zwar jeweils hinten links. Während bei beiden Ferrari der Luftdruck über 19,5 PSI lag, unterschritten die Mercedes die verpflichtenden Vorgaben. Rosberg sogar um ganze 1,1 PSI, was aber aufgrund seines Motorenplatzers nicht mehr wichtig war.

Bei Lewis Hamilton spielte der um 0,3 PSI zu niedrige Luftdruck am Start dagegen eine große Rolle. Der WM-Führende musste bis 17:48 Uhr um seinen dritten Monza-Sieg zittern. Das waren gut zweieinhalb Stunden nach Rennende.

Doch wann informierte die FIA Mercedes über die zu niedrigen Startdrücke und die folgende Untersuchung? "Es war ungefähr zehn Runden vor Rennende", sagte Teamchef Toto Wolff. Daraufhin forderte Mercedes seinen Piloten auf, die Geschwindigkeit zu erhöhen, um den Vorsprung auf Sebastian Vettel zu vergrößern. "Wir dachten uns, dass ein mögliches Strafmaß 25 oder 30 Sekunden sein könnten", erklärte Wolff. Auf dem Zielstrich nahm Hamilton dem Ferrari insgesamt 25,042 Sekunden ab.

Wie konnte Mercedes eine Strafe umgehen?

Als die Mercedes-Ingenieure die Reifendrücke an Hamiltons Auto überprüften, war alles im grünen Bereich. Zum Messzeitpunkt befanden sich die schwarzen Gummis in den Reifenwärmern, die wiederrum an einen Generator angeschlossen waren. Die FIA checkte die Drücke allerdings erst später als die Mechaniker die Reifen an das Auto mit der Startnummer 44 schnallten.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sie sich zwar noch verpackt in den Heizdecken. Aber diese waren nicht mehr an den Generator angeschlossen. Folglich fehlte Strom, um Wärme zu erzeugen. Dadurch fiel die Reifentemperatur. Und folglich der Druck.

Im Endeffekt rettete Mercedes eine fehlerhafte Kommunikation zwischen FIA und Pirelli. "Wir haben uns an das vorher definierte Prozedere gehalten. Es war ein Pirelli-Techniker dabei, als wir die Drücke zum letzten Mal gemessen haben", erklärte Toto Wolff. "Wenn die FIA den genauen Druck vor dem Start messen will, müssten sie das eigentlich vor dem Erlöschen der Ampel machen. Aber das geht ja schlecht." Die Kommissare gaben Mercedes Recht. Es half sicher auch, dass die Reifendrücke im Rennen konstant über dem vorgeschriebenen Minimalwert lagen.

Wieso kam Räikkönen nicht vom Fleck?

Zum ersten Mal seit dem GP China 2013 platzierte sich Kimi Räikkönen in der ersten Reihe. Doch statt seine gute Position auszunützen, verpatzte der Iceman den Start total und wurde bis ans Ende des Feldes zurückgereicht. "Das zweite Kupplungspedal war nicht an der richtigen Stelle", berichtete der 35-Jährige und schob somit der Technik den schwarzen Peter zu.

"Der Motor ist dann in den Anti-Stall-Modus gegangen. Bis ich alles wieder eingerichtet hatte, vergingen ein paar Sekunden." Zur Erklärung: Die zweite Kupplung dient dem Fahrer dazu, das Drehmoment zu kontrollieren. Das Anti-Stall-System verhinderte ein Absterben des Motors.

Maurizio Arrivabene konnte den Erklärungen seines Fahrers nicht ganz folgen. Der Ferrari-Teamchef vermutete einen menschlichen Fehler hinter dem verkorksten Start. "Auf den TV-Bildern sah es so aus, als hätte Kimi Probleme mit seinen Fingern gehabt. Ich habe aber noch nicht in die Daten gesehen."

Wieso holte Bottas zum Schluss auf Massa auf?

Felipe Massa war in Monza der schnellere Mann im Williams-Lager. Im Zeittraining qualifizierte der kleine Brasilianer Valtteri Bottas aus, im Rennen kontrollierte er seinen finnischen Teamkollegen bis kurz vor dem Ende. Dann tauchte Bottas plötzlich in Massas Rückspiegel auf und attackierte. Der Routinier wehrte sich erfolgreich und verteidigte seinen Podestrang.

Der Grund für den Schlusszweikampf lag im ersten Boxenstopp. Weil Williams mit Massa versuchte, Nico Rosberg hinter sich zu halten, beorderte man Massa eine Runde nach dem Mercedes-Fahrer im 19. Umlauf in die Box. Dort wechselten die Mechaniker von Soft auf Medium.

Bottas blieb dagegen drei Runden länger draußen. Was hinten heraus ein Vorteil war. "Mir sind die Hinterreifen eingegangen. Die letzten drei Runden waren sehr schwer. Valtteri hatte die bessere Traktion. Ich konnte ihn zum Glück hinter mir halten."

Wie fielen die Lotus aus?

Für Lotus war der GP Italien nach einer Runde beendet. Dann stand Pastor Maldonados Auto mit einer krummen Vorderradaufhängung an der Box, und Romain Grosjean parkte seinen E23 mit angeknackster Hinterradaufhängung am Streckenrand. Es war mühsam, den tatsächlichen Verlauf der Lotus-Hinrichtung aus den Aussagen der Beteiligten herauszufiltern.

Glaubt man der Pressemitteilung des Teams, waren die Fahrer schuldlose Opfer von zwei getrennten Kollisionen. Doch die vermeintlichen Täter stritten jede Verantwortung an. Was also ist passiert? Grosjean lag beim Anflug auf die erste Kurve im Sauber-Sandwich. Innen Marcus Ericsson, außen der sensationell gestartete Felipe Nasr.

Ericsson berührte den Lotus von Grosjean ganz leicht. Der stellt sich kurz quer, korrigiert und trifft Nasrs Sauber mit dem Frontflügel am rechten Hinterreifen. Ausgangs der Schikane spürt der Brasilianer sofort, dass er einen Platten hat. Bei Grosjean ist die Hinterradaufhängung nach der Berührung mit den zwei Sauber aus dem Leim. Unabhängig davon will Maldanado dem Kampfgetümmel in der Bremszone ausweichen und flüchtet in den Notausgang. Als er wieder auf die Strecke schießt, hätte er um ein Haar Nico Rosberg abgeräumt. Dafür trifft er den Force India von Nico Hülkenberg. Am Lotus bricht rechts vorne ein Querlenker am Ansatz zum Radträger. Hülkenberg notiert später unerklärlichen Abtriebsverlust im Heck. Möglicherweise eine Folge der Kollision.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:18.00,688 Std.
2. Sebastian VettelFerrari+ 0:25.042 Min.
3. Felipe MassaWilliams+ 0.47.635
4. Valtteri BottasWilliams+ 0.47.996
5. Kimi RäikkönenFerrari+ 1:08.860
6. Sergio PerezForce India+ 1:12.783
7. Nico HülkenbergForce India+ 1 Runde
8. Daniel RicciardoRed Bull+ 1 Runde
9. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
10. Daniil KvyatRed Bull+ 1 Runde
11. Carlos SainzToro Rosso+ 1 Runde
12. Max VerstappenToro Rosso+ 1 Runde
13. Felipe NasrSauber+ 1 Runde
14. Jenson ButtonMcLaren-Honda+ 1 Runde
15. Will StevensManor F1+ 2 Runden
16. Roberto MerhiManor F1+ 2 Runden
17. Nico RosbergMercedesAusfall
18. Fernando AlonsoMcLaren-HondaAusfall
19. Romain GrosjeanLotusAusfall
20. Pastor MaldonadoLotusAusfall
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