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Rennanalyse GP Italien

Ferraris unglaublicher Speed

Foto: dpa 24 Bilder

Rubens Barrichello ging beim Start auf Nummer sicher, Michael Schumacher setzte auf Risiko. Beide hatten Erfolg mit ihrer Strategie und konnten mit einem Doppelerfolg beim Heimspiel in Monza eine WM-Party feiern.

13.09.2004

Warum entschied sich der Trainingsschnellste Rubens Barrichello beim Start für Intermediate-Reifen?

"Im Nassen ist es sehr gefährlich“, sagte Rubens Barrichello. "Bei der Fahrt in die Startaufstellung habe ich gesehen, dass es noch sehr feucht war. Es ist ziemlich heikel, auf die erste Kurve zuzuschießen und nicht zu wissen, wo der Bremspunkt liegt.“

Obwohl alle Spitzenautos auf Trockenreifen losfuhren, ging Barrichello auf Nummer sicher und ließ Intermediates aufziehen. "Ich wusste ja, dass unsere Reifen etwas langsamer auf Temperatur kommen als diejenigen der Konkurrenz.“ Mühelos münzte Barrichello seine Pole-Position in die Führung im Rennen um. Nach der ersten Runde betrug sein Vorsprung auf Fernando Alonso 6,9 Sekunden. Im zweiten Umlauf baute er ihn auf 8,2 Sekunden aus.

Von da an holten die mit Trockenreifen driftenden Konkurrenten auf. Nach dem fünften Umlauf war der Brasilianer von Alonso fast schon eingeholt, als er zum ersten Boxenstopp kam. "Wahrscheinlich hätte ich eine Runde früher kommen sollen“, analysierte er später.

Nach dem ersten Stopp kam Barrichello unmittelbar vor Michael Schumacher wieder auf die Piste zurück. Die beiden Ferrari rangierten zu diesem Zeitpunkt auf den Rängen neun und elf. Ihr Rückstand auf die Spitze betrug mehr als eine halbe Minute. Dass es dennoch zu einem Doppelsieg für die Roten reichte, darf die Konkurrenz als kräftige Ohrfeige verbuchen.

Wegen seines frühen Boxenhalts wurde Barrichello von Zwei- auf Dreistopp-Strategie umgepolt. Bis auf David Coulthard, der es mit einem Stopp bewenden ließ, kamen alle Spitzenfahrer zweimal zum Tanken und Reifenwechseln.

Warum drehte sich Michael Schumacher in der zweiten Schikane?

In der ereignisreichen Startrunde ging der Weltmeister beim Bremsen etwas zu optimistisch zu Werke. Bereits in der ersten Schikane musste Schumacher über die Randsteine abkürzen. Zum einen weil er einen Tick zu schnell war, zum andern weil er im Gedrängel sonst eine kleine Kollision gehabt hätte. Um eine Zeitstrafe zu vermeiden, ließ er in der Curva Grande Fernando Alonso und Juan Pablo Montoya wieder passieren.

Vor der zweiten Schikane verpasste Schumacher im Getümmel erneut den rechten Punkt um auf die Bremse zu treten. "Ich bin voll im Drift angekommen, das habe ich ja manchmal recht gern“, berichtete der Weltmeister. "Dann habe ich ganz leicht Jenson Button berührt.“ Plötzlich stand Schumacher 90 Grad quer zur Fahrtrichtung. "Das ist ein schlimmer Moment“, sagte er, "wenn man sich dreht und dann warten muss, bis man wieder einscheren kann.“ Der Ferrari-Fahrer reihte sich als 15. wieder ein und kam nach der ersten Runde mit 21,2 Sekunden Rückstand an Start und Ziel vorbei.

Wieso konnte Schumacher trotz des riesigen Rückstands noch auf Platz zwei nach vorne fahren?

Genau diese Frage stellte sich Jenson Button auch. Der BAR-Honda-Fahrer liebäugelte schon mit seinem ersten Formel 1-Sieg, musste dann aber enttäuscht feststellen: "Ich dachte nicht, dass die Ferrari am Ende des Rennens noch so schnell fahren können.“ BAR-Technikchef Geoff Willis staunte: "Ferrari hat uns mit unglaublichem Speed überrascht.“

Auch Schumacher war von der eigenen Leistungsfähigkeit überrascht: "Ich dachte nicht dass es möglich ist, so leicht an den Frontrunnern vorbeizukommen.“ In der zweiten Rennhälfte fuhr Schumacher bis zu zwei Sekunden schneller als seine Gegner: Möglich war dies, weil wieder einmal alle Faktoren perfekt zusammengepasst haben: Die Bridgestone-Reifen boten konstanten Grip, das Auto funktionierte klaglos und der Fahrer machte keinen Fehler. Sieger Rubens Barrichello beschreibt das Rennen so: „Ich habe pausenlos angegriffen. Wirklich ohne Pause.“

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