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Rennanalyse GP Italien 2010

Vettels Reifenpoker geht perfekt auf

Sebastian Vettel Foto: Red Bull 30 Bilder

Sebastian Vettel sorgte in Monza unfreiwillig für jede Menge Action. Doch warum wurde er zwischendurch plötzlich so langsam? Und wie konnte der Red Bull-Pilot am Ende doch noch auf Rang vier nach vorne fahren? Unsere Rennanalyse beantwortet die letzten offenen Fragen.

13.09.2010 Tobias Grüner

Warum wurde Sebastian Vettel plötzlich langsamer?

Als Sebastian Vettel in Runde 20 plötzlich das Tempo drosselte, musste man mit den Schlimmsten rechnen. Vor allem nach den zwei Defekten bei Teamkollege Mark Webber im Training. Doch schon nach anderthalb Runden war der Spuk vorbei. Vetttel verlor zwar einen Platz gegen seinen Teamkollegen, doch die Zeiten normalisierten sich schnell wieder.

Bei Red Bull wusste man nach dem Rennen zunächst selbst nicht genau, was los war. Teamberater Helmut Marko vermutete zunächst ein Feuer in der Airbox, was auch Webber am Freitag schon lahmgelegt hatte. Teamchef Christian Horner zog auch ein Abreißvisier in den Lufteinlässen als Grund für die Probleme in Betracht. Am Ende konnte Red Bull den Fehler doch noch auflösen. Die Bremsen hatten sich aus irgendeinem Grund für anderthalb Runden nicht gelöst und sorgten für bange Momente im Cockpit. "Es war, als würde ich gegen eine Wand fahren", beschrieb Vettel das ungute Gefühl.

Ging bei Vettel alles mit rechten Dingen zu?

Die Verschwörungstheoretiker im Fahrerlager waren schnell zur Stelle. Sebastian Vettel wird langsam und ausgerechnet Mark Webber, der in der WM deutlich bessere Aussichten besitzt, profitiert von dem ominösen Problem. Da musste doch was faul sein. War das Bremsproblem etwa von der Box gesteuert? "Das geht technisch gar nicht", wiegelt Sauber-Teammanager Beat Zehnder ab. "Die Teams dürfen von außen nicht aktiv in das Verhalten des Autos eingreifen." Wird ein Problem festgestellt, können die Strategen am Kommandostand den Piloten nur Anweisungen zur Selbsthilfe geben.

Warum ging Vettels Strategie so perfekt auf?

Nach den Technikproblemen musste sich Vettel zunächst wieder an die Gruppe um Mark Webber herankämpfen. Der Deutsche verzichtete auf einen frühen Boxenstopp, weil er auf der Strecke versuchen wollte, Nico Hülkenberg zu überholen. Als die Konkurrenz auf harte Reifen wechselte, merkte Vettel schnell, dass er auf seinen alten Gummis schnellere Zeiten fahren konnte. Auch Teamchef Horner war erstaunt über das Tempo seines Piloten: "Eigentlich waren die weichen Reifen nur für rund 15 Runden vorgesehen."

Vettel musste gleichzeitig Reifen schonen und Gas geben. Am Ende ging der Poker auf. In der vorletzten Runde hatte der Red Bull endlich genügend Vorsprung, um auch Nico Rosberg im Mercedes nach dem Pflichtstopp hinter sich zu lassen. Der Lohn für die beherzte Aufholjagd waren Rang vier und nach wie vor gute Chancen auf den WM-Titel.

Warum fuhr Webber eine andere Strategie?

Durch die Probleme am Auto von Sebastian Vettel kam Mark Webber zunächst kampflos an seinem Teamkollegen vorbei. Doch am Ende landete der Australier zwei Plätz hinter dem jungen Heppenheimer. "Er verlor hinter Hülkenberg viel Zeit", beklagte Christian Horner. Doch wäre eine Strategie wie die von Vettel nicht erfolgsversprechender? "Wir wussten nicht, wie lange die weichen Reifen halten. Die Variante von Sebastian war deutlich riskanter. Außerdem sah es bei den ersten Autos nach dem Wechsel so aus, als seien die harten Reifen schneller", begründet Horner die Webber-Taktik.

Immerhin konnte Der Australier noch Robert Kubica überholen, weil Renault mal wieder beim Boxenstopp schlief. Für Vettel war der Reifenpoker dagegen kein großes Risiko. Wären die Reifen doch noch eingebrochen, hätte man ihn einfach früher an die Box holen müssen. Viele Punkte konnte er nach seinem Bremsproblem sowieso nicht mehr verlieren.

Hätte Vettel in der allerletzten Runde noch an die Box gehen dürfen?

Die ersten beiden Runden mit den harten Reifen wurden für viele Piloten zum Problem. Bis die Betongummis von Bridgestone endlich auf Arbeitstemperatur kamen, ging viel Zeit verloren. "Das haben wir gesehen und deshalb versucht, die Zeit auf den harten Reifen zu minimieren - was uns ja mit einer Runde auch gut gelungen ist", freute sich Vettel später.

Doch hätte der Deutsche nicht auch in der allerletzten statt der vorletzten Runde an die Box abbiegen können? Immerhin liegt die Red Bull-Garage vor der Ziellinie. Vettel hätte die letzten paar Meter des Rennens somit regelgerecht auf harten Reifen zurückgelegt. Teamchef Horner klärt auf: "Man darf das Rennen nicht nach dem einzigen Pflichtstopp in der Boxengasse beenden. Deshalb war die vorletzte Runde die letzte Möglichkeit für uns zum Wechsel."

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