Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse GP Japan 2013

Wurde Webber von Red Bull geopfert?

Mark Webber - GP Japan 2013 Foto: Red Bull 63 Bilder

Das Rennen in Suzuka wurde von der Taktik geprägt. In unserer Rennanalyse erklären wir, wie Sebastian Vettel von Rang 3 zum Sieg fahren konnte. Warum Nico Rosberg eine Durchfahrtsstrafe bekam. Und warum Felipe Massa die Stallregie ignorierte.

13.10.2013 Tobias Grüner

Wurde Webber in Sachen Strategie benachteiligt?

Nach dem Rennen gab es einige Diskussionen unter den Formel 1-Experten. Hatte Red Bull Mark Webber geopfert, um Sebastian Vettel an Grosjean vorbeizubringen? Der Pilot selbst zweifelte sowohl im Cockpit als auch in den Interviews nach der Zieldurchfahrt an der eigenen Taktik. "Ich war überrascht, dass wir auf 3 Stopps umgestellt haben. Ich glaube, dass ich trotz des frühen ersten Wechsels mit 2 Stopps über die Runden gekommen wäre."

Teamchef Christian Horner widersprach der Darstellung des Fahrers. "Vor dem Rennen wussten wir, dass eine 2-Stopp-Strategie eng wird. Das hätte höchstens mit freier Fahrt geklappt. Mark hat Grosjean im ersten Stint stark unter Druck gesetzt und dabei die Reifen schnell verschlissen. Das war uns zu riskant mit 2 Stopps. Deshalb haben wir entschieden, Grosjean mit 3 Stopps unter Druck zu setzen und mit Sebastian das Gegenteil zu machen."

Warum kam Vettel schneller an Grosjean vorbei?

Neben dem niedrigeren Reifenverschleiß im ersten Stint war auch der direkte Zweikampf mit Grosjean entscheidend im Duell der beiden Bullen. "Sebastian ist schnell vorbeigekommen und konnte sich mit freier Fahrt etwas absetzen", so Horner. Teamkollege Webber benötigte etwas länger. 6 Runden dauerte es, bis der Australier endlich vorbeikam. Da war Vettel längst über alle Berge.

"Mit weniger Sprit im Tank ist der DRS-Effekt nicht so groß, weil man schneller aus der Schikane kommt und nicht so viel zulegen kann. Außerdem ist man am Ende der Geraden mit einem leichten Auto eher im Begrenzer", verteidigte sich der Pilot. Einmal beraubte er sich selbst seiner Chancen, wie Teamchef Horner erklärte: "Als Mark an Grosjean dran war, hat er den DRS-Knopf in einer Runde etwas zu früh gedrückt. Da öffnete sich der Flap nicht."

Warum half Ricciardo Red Bull bei seiner Strategie?

Während Lotus von Beginn an mit 2 Stopps rechnete, wusste man bei Red Bull nicht, ob man mit 2 Stopps über die Runden kommt. Wären die Reifen bei Vettel irgendwann doch noch eingebrochen, hätte man sich aber noch locker einen ungeplanten Zusatzstopp leisten können. Zu verdanken hatte man das der ungewöhnlichen Strategie von Daniel Ricciardo.

Der Toro Rosso-Pilot hatte das Feld mit seinem langen ersten Stint so weit aufgehalten, dass sich eine große Lücke hinter den ersten Drei bildete. 21 Runden fuhr der Toro Rosso auf dem ersten Reifensatz. Als Hülkenberg endlich vorbeikam, betrug der Abstand nach vorne bereits 26 Sekunden. Red Bull konnte somit ohne große Bedenken mit der Strategie auf Risiko gehen. Von hinten drohte keine Gefahr.

Hat Lotus mit der Strategie einen Fehler gemacht?

Romain Grosjean richtete seine Strategie lange an Mark Webber aus, der ihn mit zwei frühen ersten Stopps unter Druck setzte. Hätte Lotus den zweiten Stopp des Franzosen ebenfalls so lange herausgezögert wie Vettel, hätte er am Ende mit frischeren Reifen vielleicht noch gegen Webber mithalten können. Doch bei Lotus wehrte man sich gegen den Vorwurf, einen Fehler begangen zu haben.
 
"Wir hatten das Problem, dass Vettel von hinten schnell an Romain herankam, als Webber in die Box gerufen wurde. Wäre Vettel dann an die Box gegangen, hätte er uns mit einer schnellen Runde auf frischen Reifen überholt. Deshalb mussten wir Romain so schnell wie möglich selbst reinholen", erklärte Lotus-Chefingenieur Alan Permane. "Vettel hätten wir sowieso nie hinter uns halten können. Ohne die Überrundeten hätte Romain vielleicht Webber abwehren können."

Warum wurde Rosberg beim Boxenstopp rausgeschickt?

"Über die Durchfahrtsstrafe können wir leider nicht viel diskutieren", gab Mercedes-Teamchef Ross Brawn nach dem Rennen zu. Der Fall war eindeutig. Nico Rosberg war Sergio Perez nach dem ersten Stopp beinahe in der Boxengasse ins Auto gefahren. "Gefährliche Freigabe" nennen das die FIA-Kommissare. Die Folge war eine Durchfahrtsstrafe, die alle Podiumsträume Rosbergs zunichte machte.
 
Nach dem Rennen ging man bei den Silberpfeilen auf Fehlersuche. Mercedes-Sportchef Toto Wolff hatte schließlich eine Erklärung für das Problem: "Es gibt eine Markierung an der Boxenmauer. Wenn sich das herannahende Auto noch vor dem Schild befindet, dann lassen wir unser Auto raus. In diesem Fall war das Auto genau an der Markierung. Wir haben die Ampel also auf Grün geschaltet." Die logische Schlussfolgerung des Wieners: "Offenbar stimmen unsere Methoden hier nicht. Die Markierung war wohl falsch gesetzt."

Warum musste Rosberg nach dem Rennen noch zittern?

Rosberg bog direkt nach der Zieldurchfahrt in die Boxengasse ab. Im Kampf gegen Gutierrez hatte der Deutsche den Tank fast komplett leer gefahren. Die Auslaufrunde hätte er wohl nicht mehr geschafft. Die FIA-Kommissare mussten den Silberpfeil praktisch auf den Kopf stellen, um den geforderten halben Liter für die Sprit-Probe herauszuquetschen. Am Ende reichte es gerade so. Rosberg durfte die 4 Punkte behalten.

Warum ignorierte Massa die Ferrari-Stallregie?

Ferrari gab während des Rennens eine verschlüsselte Stallregie an Felipe Massa raus. "Multi-Function Strategy A" - bedeutete so viel wie: "Mach Platz für Fernando Alonso". Doch der Brasilianer ignorierte die Ansage. "In meiner aktuellen Situation fahre ich nicht zur Seite. Jetzt ist nicht der richtige Moment für Stallorder", begründete der Mann aus Sao Paulo. Er ist schließlich auf der Suche nach einem neuen Cockpit. Alonso kam irgendwann dennoch vorbei. "Das war ein normales Überholmanöver", betonte Teamchef Stefano Domenicali. Alonso sah es locker: "Daraus machen wir keine große Sache."

In unserer Galerie haben wir noch einmal die Bilder des Rennens.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden