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Rennanalyse GP Japan 2014

Reagierte die Rennleitung zu spät?

Adrian Sutil - GP Japan 2014 Foto: ams 63 Bilder

Der Unfall von Jules Bianchi sorgte nach dem Rennen für Diskussionen. Hätte die Rennleitung das Rennen früher neutralisieren oder abbrechen müssen? Unsere Rennanalyse sucht nach Antworten auf die offenen Fragen des GP Japans.

05.10.2014 Tobias Grüner

>> Alle Infos und Details zum Bianchi-Crash finden Sie in unserer >> Unfall-Analyse

Hätte das Rennen früher abgebrochen werden müssen?

Nach dem Rennen waren sich die Fahrer uneinig. Als Adrian Sutil und Jules Bianchi in Kurve 7 abflogen, waren die Bedingungen auf der Strecke fast nicht mehr fahrbar. Vor allem die Lichtverhältnisse machten den Piloten zu schaffen. "Es war in den 15 Jahren, seit ich die Rennen an der Strecke verfolge, die dunkelsten Bedingungen, die ich bisher erlebt habe", erklärte Williams-Renningenieur Rob Smedley, der das Geschehen vom Kommandostand verfolgte.

Sutil kritisierte die Rennleitung offen wegen der zu späten Entscheidung das Rennen zu neutralisieren. "Besonders wir mit den langsameren Autos mit weniger Abtrieb spüren das auf so einer Strecke als erste. Wenn in den langen Kurven ein bisschen Aquaplaning kommt, hat man keine Chance mehr. Man verliert das Auto einfach. Ich haben auch noch andere Autos während der Safety-Car-Phase gesehen, die da am Limit durchgefahren sind."

Einer der härtesten Kritiker der Rennleitung war Felipe Massa: "Meiner Meinung nach haben wir das Rennen zu früh gestartet und zu spät beendet. Ich habe am Funk schon 5 Runden bevor das Safety-Car kam geschrien, dass zu viel Wasser auf der Bahn ist. Es war zu gefährlich." Da Williams im Regen allerdings Schwächen zeigte, hätte man hinter den Funksprüchen auch Taktik vermuten können.

Sebastian Vettel bezeichnete die Bedingungen als "grenzwertig". Lewis Hamilton verstand die Aufregung dagegen gar nicht. "Man sah zwar an den Reflektionen, dass mehr Wasser auf der Strecke stand, aber ich konnte meine Pace beibehalten." Teamkollege Nico Rosberg gab allerdings zu bedenken: "Wir haben natürlich viel mehr Abtrieb. Ich kann mir vorstellen, dass es für manch einen am Limit war. Ich habe mich auch gewundert, dass andere schon Regenreifen aufziehen ließen."

Warum konnte ein Unfall bei doppelten gelben Flaggen passieren?

Experten wunderten sich, warum Bianchi überhaupt abfliegen und in den Bergekran krachen konnte. An der Unfallstelle wurden doppelt gelbe Flaggen geschwenkt. Wer die übersah, wurde durch eine hell-gelbe LED-Leuchttafel gewarnt. Das bedeutet laut Reglement: Bereit halten, zu jedem Zeitpunkt anzuhalten. Dennoch verlor Bianchi offenbar mit hoher Geschwindigkeit die Kontrolle.

In die Diskussion dürften nun sicher wieder das Verhalten bei Gefahrenstellen kommen. Bei einfachen gelben Flaggen lupfen die Piloten meist nur so weit, dass es auf den Telemetriedaten zu sehen ist. "Bei Doppel-Gelb musst du schon etwas mehr vom Gas gehen", erklärt Williams-Pilot Valtteri Bottas. "Allerdings ist man in dieser Kurve gerne etwas schneller unterwegs, weil man den Schwung für die schnelle Bergaufpassage mitnehmen muss."

Warum setzte sich Lewis Hamilton im Duell gegen Rosberg durch?

Im Qualifying auf trockener Strecke hatte Nico Rosberg noch die Oberhand. Im Rennen bei nassen Bedingungen war der Silberpfeil mit der Startnummer 44 schneller. Lewis Hamilton kämpfte trotz des gleichen Setups weniger mit Übersteuern als sein Teamkollege. Rosberg ist vom Fahrstil her besonders anfällig für ein lockeres Heck: "Das mag ich gar nicht."

Besonders deutlich wurde der Geschwindigkeitsunterschied allerdings erst nach dem Wechsel auf Intermediates. Eine mögliche Erklärung: Hamilton ließ den Frontflügel beim ersten Stopp flacher stellen, um die Aero Balance wieder etwas besser ins Gleichgewicht zu bekommen. "Vielleicht hat Nico das etwas später gemacht", so die Vermutung des Briten.

Warum hatte Williams keine Chance gegen Red Bull?

Williams fuhr am Samstag noch locker in die zweite Startreihe. Im Rennen mussten Felipe Massa und Valtteri Bottas direkt in den Verteidigungsmodus schalten. Gegen die Red Bull hatten sie allerdings keine Chance. "Vor allem in den S-Kurven waren die unglaublich schnell" staunte Bottas.

Ingenieur Rob Smedley erklärte, mit welchen Problemen seine Fahrer zu kämpfen hatten. "Die Balance hat eigentlich gepasst, aber das Auto ist einfach über alle 4 Räder gerutscht. Außerdem wurden unsere Reifen etwas zu heiß heute." Auch Jenson Button und Nico Hülkenberg gingen vorbei an den Williams. Weil Hülkenberg zu Beginn der letzten Safety-Car-Phase aber noch einen unnötigen Boxenstopp einlegte, rutschten Bottas und Massa jeweils noch kampflos eine Position nach vorne.

Die große Frage lautet, ob sie den Force India auch bei einem normalen Rennausgang noch eingeholt hätten. Hülk hatte sich mit einem frühen Boxenstopp vor die beiden weißen Martini-Autos geschoben. "Wir waren dann aber mit frischen Reifen rund 1,5 Sekunden schneller pro Runde als Hülkenberg. Das wäre wohl kein großes Problem gewesen. Vor allem mit mehr Wasser auf der Strecke", so Smedley.

Was bremste McLaren ein?

Jenson Button war der Mann der Anfangsphase. Kaum bog das Safety-Car ab, ging auch der britische Routinier an die Box, um die Regenreifen gegen Intermediates einzutauschen. Dank des genialen Schachzugs schob sich der McLaren-Pilot von Startplatz 8 auf Rang 3 nach vorne. Doch beim zweiten Boxenstopp verlor der Brite wieder eine Position an Vettel. Die Begründung war ungewöhnlich.

McLaren musste das Lenkrad wechseln, was den Besuch vor der Garage verlängerte. Auch Kevin Magnussen hatte ein massives Problem mit dem Steuer. Der Däne musste deswegen sogar unplanmäßig an die Box. "Das hat mich komplett aus dem Rennen geworfen", schimpfte der Rookie. Mit dem Rückrund-Manöver gegen Daniel Ricciardo sorgte er immerhin für eines der Highlights des Rennens.

In unserer Galerie haben wir die Bilder eines dramatischen Rennsonntags in Suzuka.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:51.43,021 Std.
2. Nico RosbergMercedes+ 0:09.180 Min.
3. Sebastian VettelRed Bull+ 0:29.122
4. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:38.818
5. Jenson ButtonMcLaren+ 1:07.550
6. Valtteri BottasWilliams+ 1:53.773
7. Felipe MassaWilliams+ 1:55.126
8. Nico HülkenbergForce India+ 1:55.948
9. Jean-Eric VergneToro Rosso+ 2:07.638
10. Sergio PerezForce India+ 1 Runde
11. Daniil KvyatToro Rosso+ 1 Runde
12. Kimi RäikkönenFerrari+ 1 Runde
13. Esteban GutierrezSauber+ 1 Runde
14. Kevin MagnussenMcLaren+ 1 Runde
15. Romain GrosjeanLotus+ 1 Runde
16. Pastor MaldonadoLotus+ 1 Runde
17. Marcus EricssonCaterham+ 1 Runde
18. Max ChiltonMarussia+ 1 Runde
19. Kamui KobayashiCaterham+ 1 Runde
20. Jules BianchiMarussia+ 3 Runden
21. Adrian SutilSauber+ 4 Runden
22. Fernando AlonsoFerrariAusfall
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