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Rennanalyse GP Kanada

Das große Rutschen

Foto: dpa 46 Bilder

Gummiabrieb, Schmutz und aufbrechender Asphalt hielten die Fahrer in Montreal in Atem. Doch die außergewöhnlichen äußeren Bedingungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Michael Schumacher Fernando Alonso aus eigener Kraft nicht besiegen konnte.

26.06.2006 Markus Stier

Bei zunehmender Renndauer gerieten die Fahrer auf dem 4,3 Kilometer langen Kurs in Montreal immer mehr in Schwierigkeiten. Auf der Ideallinie fand sich eine hübsch klebende Gummischicht, daneben lagen die losen Brocken, die sich von den Pneus gelöst hatten. Doch zusätzlich erschwert wurde das Rennen durch aufbrechende Asphaltstücke in der ersten Schikane nach Start und Ziel und in der Haarnadel vor der Gegengeraden, was die Piste noch schmutziger machte.

Das war der Grund dafür, warum Jacques Villeneuve in der 58. Runde in die Mauer rauschte und Kimi Räikkönen seinen scheinbar sicheren zweiten Platz noch an Michael Schumacher verlor. "Nur einen halben Meter neben der Linie, und du bist wie auf Glatteis gefahren", sagte Michael Schumacher.

Die Fahrer sammelten zuweilen unbemerkt Gummiteile und Schmutz mit ihren Reifen auf. Da sich der Abrieb auf den Geraden von den Reifen kaum löst, kam für viele beim Anbremsen der nächsten Kurve das böse Erwachen. Viele Fahrer mussten daher in der Schikane vor Start und Ziel abkürzen, um nicht in die Mauer am Außenrand einzuschlagen. Weltmeister Fernando Alonso kam mit nur einem Fahrfehler noch am besten zurecht.

Warum hieß der Sieger nicht Räikkönen?

Wenn es eine Chance gegeben hätte, dass der Sieger in Montreal nicht Fernando Alonso geheißen hätte, dann wäre sein Name Kimi Räikkönen gewesen. Der Finne saß dem Spanier lange Zeit im Nacken, dass er schneller fahren konnte als Alonso, bewies er mit der schnellsten Runde in 1:15,841 Minuten.

Mit seiner Bestzeit von 1:15,911 Minuten lag Alonso nahe dran, aber das Problem Räikkönen erledigte sich für den Tabellenführer ohnehin, weil die Kupplung des McLaren nicht ordentlich trennte. Beim ersten Boxenstopp zweifelte ein Mechaniker durch ein sich drehendes Hinterrad, dass der Radwechsel ordnungsgemäß funktioniert hatte, beim zweiten Stopp bekam Räikkönen die Order, mit reduzierter Drehzahl zu parken, worauf dieser beim Anfahren prompt den Motor abwürgte. Beide Male ging wertvolle Zeit verloren.

Warum war Ferrari chancenlos?

Michael Schumacher lag mit seiner schnellsten Runde in 1:15,993 Minuten ebenfalls in Schlagdistanz zur Spitze, dennoch war er chancenlos. Im ersten Renndrittel verlor er hinter dem langsameren Jarno Trulli bis zu einer Sekunde pro Runde. Doch auch sonst hätte Schumacher nicht gewonnen. Die Bridgestone-Reifen waren den Michelin in Kanada unterlegen. Die weiche Mischung hätte ein Renndrittel nicht durchgehalten, die härtere, für die sich Ferrari entschied, war in der Qualifikation nicht gut genug.

Zwei Mal in dieser Saison tankte Ferrari vor der entscheidenden Quali-Runde im falschen Vertrauen auf die eigene Stärke die Autos zu voll und verlor dadurch im Abschlusstraining wertvolle Plätze. Dieses Mal unterschätzte Ross Brawn die eigene Stärke und ließ daher die Autos für eine Einstoppstrategie befüllen. Mit Platz fünf in der Quali hinter Jarno Trulli war Schumachers Schicksal besiegelt.

Die Einstoppstrategie, mit der Felipe Massa noch auf Platz fünf fuhr, wurde bei Schumacher über Bord geworfen. "Dann wären wir beim Boxenstopp hinter einige Leute gefallen, hinter die wir nicht fallen sollten", sagte Ross Brawn. Dennoch kann sich der Schuminator nicht beschweren. Seine Kanada-Bilanz lautet: Sieben Siege und fünf zweite Ränge. Insgesamt erbeutete der Rekord-Weltmeister auf der Ile de Notre Dame schon 104 WM-Punkte. So viele Zähler holen viele GP-Fahrer in ihrer gesamten Karriere nicht.

Warum rollte Ralf Schumacher als Hindernisfahrzeug um den Kurs?

Er bummelte über die Strecke, drehte sich trotz des gemächlichen Tempos zwei Mal und gab am Ende doch das Rennen auf. Ralf Schumacher kämpfte auf verlorenem Posten. Bei Toyota war vor dem Rennen durchgesickert, dass beide Fahrer mit unterschiedlichen Reifen ins Rennen gingen. Durch die starke Qualifikationsleistung von Jarno Trulli, der sich auf Platz vier schob und nach einem starken Rennen mit Platz sechs seine ersten WM-Punkte in dieser Saison einfuhr, vermutete die Konkurrenz, dass der Italiener auf weicheren Sohlen unterwegs war, doch es war Ralf Schumacher, der auf die extrem weiche Monaco-Mischung setzte und voll auf die Nase fiel.

Nach wenigen Runden waren die Pneus aufgebraucht und Ralf Schumacher schlitterte hilflos um den Kurs. Und Schumacher war nicht allein: Auch Williams hatte gepokert und verloren. "Nach acht Runden ging das Ding wie auf Eis", sagte Mark Webber, der mit Samthandschuhen auf Platz elf rollte. Teamkollege Nico Rosberg meinte nach der Kollision mit Montoya, er hätte ohne Unfall Punkte holen können. Ein Irrtum, denn auch er war auf den superweichen Bridgestones unterwegs.

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