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Rennanalyse GP Malaysia 2016

Strafen gegen Vettel und Rosberg gerecht?

Nico Rosberg - Mercedes - GP Malaysia 2016 - Sepang Foto: xpb 62 Bilder

Der GP Malaysia 2016 war gespickt mit Highlights. Wir dröseln das Drama in Sepang auf und beantworten die dringendsten Fragen zum Rennverlauf in unserer Analyse.

02.10.2016 Andreas Haupt 4 Kommentare
Was war bei der Startkollision los? Und war die Strafe gegen Vettel gerecht?

Man fühlte sich an den GP Belgien 2016 erinnert. Diesmal mit anderen Rollen. Nicht Max Verstappen bremste sich auf der Innenbahn spät in die erste Kurve, sondern Sebastian Vettel. Während der Youngster in seinem Red Bull in der Mitte den besten Platz in der Loge hatte, zog Nico Rosberg von der Außenlinie hinein. Zu diesem Zeitpunkt war der WM-Führende vorne und hatte das Anrecht, die Kurve so zu fahren.

Das Problem: Die Wege des Mercedes und des Ferrari kreuzten sich. Vettel rutschte in Rosberg und drehte ihn um. Das Ergebnis: die linke Vorderradaufhängung am Ferrari brach. Es war das Ende für Vettel. Rosberg fiel ans Ende des Feldes zurück. „Zum Glück blieb mein Auto heil“, meinte er.

Vettel entschuldigte sich in der Ferrari-Pressemitteilung für sein Manöver. „Persönlich nicht“, hielt Rosberg fest. „Ich hatte einen guten Start und habe gegen Max gekämpft. Nico lag vorne und hat von außen eingelenkt“, schilderte Vettel. „Es war sein gutes Recht, seine Linie zu fahren. Ich wurde von Max nach rechts gedrängt und konnte nicht mehr genug verzögern. Ich konnte den Zusammenprall nicht mehr vermeiden. Es war eine unglückliche Kettenreaktion.“

Der viel gescholtene Verstappen, der oft wegen seiner aggressiven Fahrweiße kritisiert wurde, lachte: „Er hat ihn torpediert.“ Opfer Rosberg witzelte süffisant und angefressen zugleich: „Ich wurde das Opfer eines Torpedos abgeschossen von einem viermaligen Weltmeister. Ich weiß nicht, was sich Seb gedacht hat.“ Auch Niki Lauda drückte seine Meinung klar aus: „Das war von Vettel ein Wahnsinns-Manöver, das nicht gut gehen könnte. Da war die Verstappen-Aktion in Spa fast noch harmlos dagegen. Was Vettel probiert hat, wäre sich nie ausgegangen.“

Nicht alle im Fahrerlager schoben Vettel die Schuld zu. Die Experten und Ex-Rennfahrer Martin Brundle und Johnny Herbert sprachen von einem Rennunfall. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene schlug nach einem Gespräch mit Vettel in dieselbe Kerbe. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beschwichtigte: „Sebastian hat das nicht mit Absicht gemacht.

Und wie sahen die Stewards unter Ex-Rennfahrer Derek Warwick die Situation? Sie brummten nach einem Meeting mit Vettel dem Ferrari-Star drei Strafplätze für den GP Japan in einer Woche auf. Und vergaben zwei Punkte für die Strafkartei. Die Bestrafung rechtfertigten die Kommissare vor allem damit, dass Rosberg durch den Unfall soweit zurückfiel. “Alle involvierten Autos hatten ungefähr dieselbe Geschwindigkeit drauf. Der Fahrer vom Auto mit der Nummer 5 (Vettel) machte einen kleinen Fehler als er nach innen in Kurve eins zog, der zu seinem Kontakt mit Auto Nummer 6 führte. Als Folge dessen drehte sich Rosberg und verlor zahlreiche Positionen, was die Stewards als hauptsächliches Vergehen von Vettel ansehen.„

War die Strafe gegen Rosberg gerecht?

Nico Rosberg hatte in Sepang noch eine zweite Bekanntschaft mit einem roten Auto. Diesmal war der WM-Führende der Verursacher der Kollision. Es passierte in der 37. Runde. Kimi Räikkönen befand sich auf dem dritten Rang vor dem Mercedes. Beide durch ein paar Zehntel getrennt. “Ich habe gesehen, dass er etwas probiert, weil er soweit ausgeholt hat„, berichtete der Finne.

Rosberg fuhr einen weiten Bogen in der ersten Kurve, um sich in der zweiten Ecken innen am Ferrari vorbeizudrücken. Er krachte mit dem rechten Vorderrad gegen die linke Endplatte des SF16-H, die Carbonsplitter flogen. Außerdem beschädigte Rosberg mit seinem rechten Hinterrad noch den Unterboden am Ferrari. “Der Schaden hat zehn Punkte Abtrieb gekostet„, klagte Ferrari-Rennleiter Arrivabene. Rosberg berichtete von einer krummen Lenkung.

Die Kommissare verdonnerten Rosberg noch während des Rennens zu einer Zehnsekundenstrafe, die auf seine finale Rennzeit addiert wurde. Rosberg schaffte es, genügend Vorsprung auf den angeschlagenen Ferrari herauszufahren, um Dritter zu bleiben. “Ich akzeptiere die Strafe„, meinte Rosberg. Toto Wolff brachte sie auf die Palme: “Kompletter Unfug. Wir haben vor ein paar Monaten entschieden, dass die Fahrer härter gegeneinander fahren dürfen, und es keine Strafe gibt, wenn der Fall nicht 100 prozentig klar ist.„

Wie verfuhr Red Bull mit der Taktik?

Red Bull nutzte die Chance in der zweiten virtuellen Safety Car-Phase (VSC), um am Auto von Max Verstappen die Reifen zu tauschen. Die Mechaniker schraubten eine weitere Garnitur der weichen Reifenmischung an den Rennwagen mit der Startnummer 33. Dagegen blieb der besser platzierte Daniel Ricciardo auf der Bahn, um dem Führenden Hamilton zu folgen. „Die Reifen von Verstappen waren stärker verschlissen. Deshalb kam er rein“, argumentierte Teamberater Helmut Marko.

Die langsame Fahrt auf der Strecke schenkte dem Niederländer wichtige Sekunden, während er an der Box stand. So kam er nur rund 14 Sekunden hinter Ricciardo und 16,7 Sekunden hinter Hamilton auf die Bahn. Und er hatte die frischeren Reifen. Bei einem Boxenstopp verliert man in Sepang eigentlich mindestens 23 Sekunden. Bedeutete im Umkehrschluss: Verstappen würde die Führung übernehmen, sobald Hamilton und Ricciardo zum Stopp abbogen. So kam es auch.

Hamilton und Ricciardo holten sich in Runde 20, respektive 21 die harte Reifenmischung ab. Sie war von Pirelli im Rennen vorgeschrieben. Verstappen fasste sie im 27. Umlauf auf, und fiel wieder hinter das Duo. Hamilton machte Druck und vergrößerte den Abstand zu den Red Bull. „Wir waren kurz davor, den geforderten Abstand zu haben, um einen zweiten Stopp einzulegen, als bei Lewis der Motor platzte“, berichtete Toto Wolff. Mercedes setzte also auf zwei Stopps.

Bei Red Bull lag der Fall anders. Verstappen sollte mit seinem dritten Reifensatz durchfahren. Es wäre ein Stint über 29 Runden gewesen. Pirelli empfahl vor dem Rennen maximal 28 Umläufe auf der harten Garnitur. Aber Red Bull wollte riskieren. Denn mit einem weiteren Stopp von Verstappen hätte er gegen Hamilton keine Chance gehabt. Auch bei Ricciardo pokerte man. „Wir haben ihn gefragt, ob er sich zutraut, bis zum Ende zu fahren. Er hat ja gesagt“, erklärte Red Bull-Teamchef Christian Horner. Das wäre ein Stint über 35 Runden gewesen. Weil beide nach Plan nicht mehr hätten an die Box kommen sollen, gab Red Bull den Zweikampf auf der Strecke zwischen seinen Fahrern frei. „Nur wenn Daniels Reifen eingebrochen wären, hätten wir reagiert, um gegen Rosberg abzusichern.“

Hamiltons Ausfall änderte die Pläne. Red Bull holte beide Piloten beim dritten Virtual Safety Car rein, um ihnen mit frischen Reifen gleiche Siegeschancen zu ermöglichen. Ricciardo hatte einen kleinen Vorteil: Seine Soft-Garnitur war neu, die von Verstappen gebraucht.

Wie kam Valtteri Bottas auf den fünften Rang?

Valtteri Bottas startete in den GP Malaysia von der elften Position. Er hatte als erster Pilot die freie Reifenwahl. Die Williams-Strategen entschieden sich dafür, ihren Piloten mit den Mediums loszulassen. Alle vor ihm gestarteten Autos hatten nach dem Qualifying die weicheren Softs drauf. Bottas profitierte nach einem guten Start vom Unfall zwischen Vettel und Rosberg. Er rückte drei Positionen auf und lag Nico Hülkenberg im Force India bereits im Nacken.

Williams blieb seiner Strategie in allen drei virtuellen Phasen des Safety Cars treu. Bottas kam nur einmal zum Stopp. In der 29. Runde wechselte er auf die harte Mischung und fuhr bis ins Ziel. Bei Force India taktierte man anders. Perez tauschte zweimal, Hülkenberg dreimal die Gummis. „Wir haben den Softreifen unterschätzt und dachten, dass er schneller einbrechen würde. Deshalb kamen wir mit beiden Autos beim zweiten VSC zum Reifentausch“, rechtfertigte sich Force India.

Bottas strahlte: „Unsere Strategie ist voll aufgegangen. Das war wichtig, um beide Force India heute hinter mir zu lassen.“ Er wurde Fünfter und holte zehn Punkte. „Unser Plan mag auf dem Papier riskant ausgesehen haben, aber er war richtig“, freute sich Einsatzleiter Rob Smedley. Trotzdem gab es ein weinendes Auge. Die beiden Force India holten zusammen 12 Zähler und bauten den Vorsprung in der Team-WM aus.

Was ging alles bei HaasF1 schief?

Für Haas hätten in Sepang Punkte herausspringen können. Stattdessen versank man in einem ereignisreichen GP selbst im Chaos. Romain Grosjean drehte sich schon früh im Rennen ins Kiesbett. „Die Bremsscheibe ist gebrochen“, entschuldigte Teamchef Guenther Steiner. Es war die hintere linke.

Für Kurioses sorgte Esteban Gutierrez, dem auf der Strecke zwischen Kurve acht und neun das linke Vorderrad abfiel. „Wir haben keine Ahnung, wie das passieren konnte“, rätselte Steiner. „Die Radmutter war noch auf der Felge.“ Seinen letzten Boxenstopp absolvierte Gutierrez laut Pirelli in der 22. Runde. Die FIA schaute genauer hin. Gutierrez holte sich im 39. Umlauf nochmals neue Reifen ab. Dann passierte das Malheur. „Wenn die Schrauben nicht richtig sitzen, löst sich eigentlich erst gar nicht der Schlagschrauber. Wir müssen das jetzt zusammen mit der FIA intensiv untersuchen.“

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Daniel RicciardoRed Bull1:37.12.776 Std.
2. Max VerstappenRed Bull+ 0:02.443 Min.
3. Nico RosbergMercedes+ 0:25.516
4. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:28.785
5. Valtteri BottasWilliams+ 1:01.582
6. Sergio PerezForce India+ 1:03.794
7. Fernando AlonsoMcLaren+ 1:05.205
8. Nico HülkenbergForce India+ 1:14.062
9. Jenson ButtonMcLaren+ 1:21.816
10. Jolyon PalmerRenault+ 1:35.466
11. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+ 1:38.878
12. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
13. Felipe MassaWilliams+ 1 Runde
14. Daniil KvyatToro Rosso+ 1 Runde
15. Pascal WehrleinManor+ 1 Runde
16. Esteban OconManor+ 1 Runde
17. Felipe NasrSauberAusfall
18. Lewis HamiltonMercedesAusfall
19. Esteban GutierrezHaasAusfall
20. Kevin MagnussenRenaultAusfall
21. Romain GrosjeanHaasAusfall
22. Sebastian VettelFerrariAusfall
Neuester Kommentar

@Peter Backes

Das Problem an Nicos Manöver ist über die Berührung hinaus, dass er vielleicht schon in T4, sicher aber im Laufe der nächsten Runde auch ohne Kontakt an Kimi vorbei gekommen wäre.

Proesterchen 3. Oktober 2016, 21:58 Uhr
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