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Rennanalyse GP Monaco 2016

Hamilton mit unfairer Blockade?

Ricciardo & Hamilton - GP Monaco 2016 Foto: sutton-images.com 71 Bilder
Interview

Warum war Lewis Hamilton so viel schneller als Teamkollege Nico Rosberg? Was lief beim Ricciardo-Boxenstopp schief? Und wie kam es zum Sauber-Crash? Wir haben die Antworten in unserer Rennanalyse.

29.05.2016 Tobias Grüner 2 Kommentare
Warum war Rosberg so langsam?

Nico Rosberg kämpfte in Monaco mit stumpfen Waffen. Der WM-Spitzenreiter hatte von Anfang an Probleme, die Bremsen gleichmäßig auf Temperatur zu bringen. Mal waren sie vorne zu kalt, mal hinten. Das sorgte dafür, dass auch die Reifen nicht ordentlich aufgeheizt wurden. Kein Grip, kein Vertrauen - ein Teufelskreis. Teamchef Toto Wolff: "Es war wie ein beschädigtes Auto. Deshalb haben wir uns auch für den Platztausch entschieden."

Wie Hamilton es schaffte, Bremsen und Reifen hinter Rosberg in das richtige Arbeitsfenster zu bekommen, bleibt wohl sein Geheimnis. Klar ist, dass der Brite auf der rutschigen Strecke mehr Risiko gegangen ist als sein Teamkollege. Pirelli-Sportchef Paul Hembery war voll des Lobes für die Reifenbehandlung des Monaco-Siegers: "Wie er mit Regenreifen auf abtrocknender Strecke überlebte und die Ultrasofts 47 Runden bis ins Ziel trug, das war eine Meisterleistung."

Was ging beim Red Bull-Boxenstopp schief?

Red Bull sprach nach dem Rennen von einem Kommunikationsfehler bei Ricciardos zweiten Boxenstopp. Was exakt passierte, müssen die Verantwortlichen noch untersuchen. Eine Rolle spielten die Besonderheiten von Monte Carlo. Der Kommandostand steht nicht an der Boxenmauer mit Blick auf die Strecke, sondern im ersten Stock über der Garage mit der Boxengasse im Rücken.

Vor dem Stopp disponierten die Strategen kurzfristig von Ultrasoft auf Supersoft um. Die Boxen im Fürstentum sind so eng, dass es unmöglich ist, alle Reifen in Griffweite bereitzuhalten. "Dummerweise lag der Satz Supersoft ganz hinten in der Garage. Die ganze Prozedur hat uns ungefähr 10 Sekunden extra gekostet", fluchte Horner. Am Ende war es der entscheidende Fauxpas, der Hamilton den Sieg brachte.

Hat sich Hamilton unfair verteidigt?

Nach dem Wechsel auf Slicks startete Daniel Ricciardo mit Wut im Bauch einen Angriff auf Hamilton. Dank besserer Traktion am Ausgang konnte er den Frontflügel neben das Hinterrad des Mercedes schieben. Doch Hamilton machte rigoros die Tür zu. Auf der Außenseite hätte vor der Tabac-Kurve sowieso kein Weg vorbei geführt. Nach einer kurzen Untersuchung des Zweikampfs entscheiden die Kommissare, dass Hamilton seinem Rivalen stets eine ganze Wagenbreite Platz zur Leitplanke gelassen habe. Sie verzichteten deshalb auf eine Strafe.

Ricciardo & Hamilton - GP Monaco 2016Foto: xpb

Ricciardo verlangte nach dem Rennen auch keine Sanktionen wegen der harten Verteidigung, sondern wegen des Abkürzens in der Schikane: "Ich habe ihn in die Defensive gezwungen und er hat einen Fehler gemacht. Ich habe deshalb über Funk nachgefragt, ob er nicht den Platz abgeben muss. Wenn er den Fehler alleine auf weiter Flur gemacht hätte, wäre es okay gewesen. Aber es passierte ja nur durch den Zweikampf. Ich weiß aber nicht, ob das überhaupt untersucht wurde."

Warum kam es zum Crash bei Sauber?

Bei Sauber kam es in Monaco zum Supergau. Marcus Ericsson krachte in der 49. Runde in das Schwesterauto von Felipe Nasr. Vorangegangen war eine lange Diskussion am Funk, ob die Plätze nicht freiwillig getauscht werden sollen. "Ich bin mit 4 Sekunden pro Runde näher gekommen und hatte eindeutig die bessere Pace", schimpfte Ericsson. "Felipe wurde 7 Runden lang aufgefordert, Platz zu machen. Dann habe ich es selbst probiert."

Nasr sah sich keiner Schuld bewusst: "Ich war nur so langsam, weil ich Motorenprobleme hatte und wegen blauer Flaggen auf die Feuchte Spur musste. Als der Motor wieder normal lief und meine Reifen wieder Temperatur hatten, konnte ich meine Pace steigern. Deshalb habe ich es nicht eingesehen, Platz zu machen. Außerdem hat Marcus letzte Saison auch schon zweimal eine Stallregie ignoriert, ohne dass es Folgen für ihn hatte."

Ericsson bekam für den Unfall von den Stewards eine Rückversetzung um 3 Startplätze beim nächsten Rennen in Kanada aufgebrummt. Doch warum versuchte es der Schwede ausgerechnet in der engen Rascasse? "Ich hatte einen ähnlichen Angriff schon vorher gegen Bottas versucht. Ich bin zwar nicht vorbeigekommen, aber er hat mir Platz gelassen. Felipe war im letzten Sektor sehr langsam. Da habe ich es wieder probiert. Leider ist es hier nicht gutgegangen."

Wie kam Hülkenberg noch an Rosberg vorbei?

Auf den letzten Metern schob sich Nico Hülkenberg noch an Rosberg vorbei auf Rang 5. "Meine Reifen waren einfach total am Ende. Da war kein Gummi mehr drauf. Ich hatte deshalb keine Traktion mehr", klärte Rosberg die Situation auf. Die Soft-Reifen am Force India hielten einfach besser durch als die Ultrasofts am Mercedes. Weil er ständig hinter Alonso im Verkehr steckte, war bei Rosberg der Verschleiß auch größer als bei Teamkollege Hamilton.

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal alle Highlights des spektakulären Rennens.

Neuester Kommentar

Monaco hat halt immer ein besonderes Flair in der Formel 1. Die Hatz von Ricciardo auf Hamilton war schon spannend und sie hielt bis kurz vor Schluss, als er sich etwas zurückfallen ließ, wohl um seinen 2. Platz sicher nachhause zu fahren. Bei der Siegerehrung in Monaco fiel angenehm auf, dass die Deutsche Nationalhymne, wie sonst bei der Formel 1 allgemein üblich, nicht verkrüppelt abgespielt wurde. Der Schlusssatz wurde, so wie unsere Hymne nun mal eben ist, in voller Länge abgespielt. Hoffentlich ist des Organisatoren der Formel 1 endlich aufgefallen.

Ginnisickel 30. Mai 2016, 17:17 Uhr
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