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Rennanalyse GP Österreich 2014

Mercedes rechnet mit Williams-Zögern

Valtteri Bottas - GP Österreich 2014 Foto: xpb 66 Bilder

Mercedes feierte in Spielberg den sechsten Doppelsieg der Saison. Hätten die beiden Williams mit einer anderen Strategie eine Chance gehabt? Diese und andere offene Fragen zum GP Österreich beantworten wir in unserer Rennanalyse.

22.06.2014 Tobias Grüner

Hätte Williams Mercedes mit einer anderen Strategie schlagen können?

Die Mercedes-Taktiker hatten für den GP Österreich eine aggressive Strategie zurechtgelegt. Schon in der elften Runde fuhr Nico Rosberg auf Platz 3 liegend an die Box zum Reifenwechsel um die ungeliebten Supersofts loszuwerden. Mit Valtteri Bottas kam der erste Williams erst 3 Runden später. Spitzenreiter Felipe Massa wartete mit dem Wechsel sogar noch eine Runde länger. Mit frischen Gummis hatte Rosberg in der Zwischenzeit so viel Tempo gemacht, dass er sich gleich beide in einem Schwung schnappte.

Teamkollege Hamilton kam zunächst nur an Massa vorbei. Bottas schnappte sich der Brite mit einem frühen zweiten Stopp in der 39. Runde. Für die Sicherung des Doppelsiegs verstieß Mercedes sogar gegen die eigene Teampolitik. "Normalerweise hat das führende Auto das Anrecht auf den ersten Stopp. Doch bei der zweiten Runde der Reifenwechsel haben wir Lewis vorgezogen, damit er an Bottas vorbeikommt", erklärte Teamchef Toto Wolff.
 
Williams reagierte nur auf die aggressive Mercedes-Strategie und verlor damit alle Chancen auf den Sieg. "Wir haben erwartet, dass sie konservativ zu Werke gehen. Sie hatten die große Gelegenheit, viele Punkte zu sammeln. In den letzten Rennen haben sie viel verschenkt. Deshalb wussten wir, dass sie bei den Boxenstopps nicht proaktiv agieren werden. Wir wussten auch, dass wir im Reifenverschleiß etwas besser sein würden."
 
Laut Wolff, der selbst noch Williams-Anteile besitzt, hatte das Mercedes-Kundenteam keine andere Chance als zu Reagieren. "Das ist eine Sache des Selbstvertrauens. Man muss sich sicher sein, dass man damit durchkommt. Und mit der Vorgeschichte von Williams war es klar, dass sie mit einer aggressiven Strategie mehr verlieren als gewinnen können."

Wie von Mercedes erwartet konnte man bei Williams gut mit den Plätzen 3 und 4 leben: "Wir haben Mercedes einen guten Kampf geliefert, den wir aber nie gewinnen konnten", erklärte Massa nach dem Rennen. "Am Wichtigsten sind heute die 27 Punkte für die Konstrukteurswertung." Auch Chefingenieur Rob Smedley bedauert nichts. "Ich glaube, dass wir alles herausgeholt haben. Wenn man bedenkt, wo wir vor 12 Monaten lagen, dann können heute alle stolz sein."

Warum war auch Sutil von der Gutierrez-Boxenpanne betroffen?

Für Esteban Gutierrez war das Rennen von Spielberg eigentlich schon nach 12 Runden beendet. Beim ersten Stopp wurde der Mexikaner losgeschickt, obwohl sein rechtes Hinterrad noch nicht fixiert war. Von der Rennleitug gab es erst eine 10 Sekunden Stop-&-Go-Strafe. Für das nächste Rennen in Silverstone wird der Youngster in der Startaufstellung auch noch 10 Plätze rückversetzt. "Ein solcher Fehler beim Boxenstopp darf nicht passieren", schimpfte Teamchefin Monisha Kaltenborn.
 
Doch damit nicht genug. Als Gutierrez mit dem losen Rad losfuhr, schickten die Ingenieure den Befehl zum Stopp nicht an das Auto mit der Nummer 21 sondern an den Sauber von Adrian Sutil. Der hielt auch prompt auf der Geraden an, obwohl gar kein Problem vorhanden war. Fast 10 Sekunden vergingen, bis der Fehler bemerkt wurde und Sutil wieder Gas gab. Kaltenborn fand deutliche Worte für den peinlichen Fehler: "Beide Fahrer haben eine einwandfreie Leistung gebracht. Unsere Leistung war nicht akzeptabel."

Warum war Perez so viel schneller als Hülkenberg?

Sergio Perez ließ zum Start des Spielberg-Rennens die härtereReifenmischung aufziehen. Wie schon vor 14 Tagen in Montreal spekulierten die Ingenieure mit einer Einstopp-Strategie. "Wir wussten aber schon am Start, dass die Chance dazu dieses Mal nur klein ist. Durch die Hitze wurden die Hinterreifen einfach zu stark belastet", so Force India-Direktor Otmar Szafnauer. In Runde 29 wurde das Experiment schließlich abgebrochen. Perez wurde auf eine Zweistopp-Strategie umgepolt.
 
Obwohl die ursprüngliche Taktik nicht aufging, konnte sich der Mexikaner von Startplatz 16 bis auf Rang 6 nach vorne arbeiten. "Wichtig war ein guter Start, und dass ich früh an Jenson Button vorbeikam, der auf einer ähnlichen Strategie unterwegs war. So konnte ich frei fahren", erklärte Perez später. Im Ziel ärgerte sich der Pilot allerdings immer noch über die harte Startplatzstrafe nach der Kollision mit Massa in Kanada. "Ich hatte so eine gute Pace. Das hätte sonst vielleicht für das Podium gereicht."
 
Bei Teamkollege Nico Hülkenberg lief dagegen nicht viel zusammen. Der Deutsche fuhr auf Rang 10 los und kam auf Rang 9 an - hinter seinem Teamkollegen. "Das war das gleiche Phänomen wie in Barcelona", schüttelte der Rheinländer anschließend den Kopf. "Ich hatte Übersteuern am Kurveneingang, Untersteuern in der Mitte und wieder Übersteuern am Ausgang. Als mich Sergio überholt hat, sah es aus, als fährt er ein anderes Auto." In Spanien war ein fehlerhaft montierter Unterboden Schuld an der mangelnden Pace. Im zweiten Spielberg-Training am Freitag war das Problem erneut aufgetreten. "Danach haben wir aber extra nochmal alles vermessen", zuckte Hülkenberg mit den Schultern.

Warum rollte Vettel plötzlich ohne Antrieb aus?

Bei Red Bull hingen nach dem Heimrennen die Köpfe tief. Schon nach 3 Runden trauten die vielen Fans auf den Tribünen ihren Augen nicht. Sebastian Vettel rollte auf der Geraden nur noch aus. "Ich hatte keinen Antrieb mehr", berichtete der Weltmeister. Das Problem löste sich komischerweise von selbst, ohne das Vettel am Lenkrad auch nur einen Knopf gedrückt hatte. Doch was war der Auslöser?
 
An den Telemetrie-Daten konnten die Ingenieure erkennen, dass Vettel kurz vor dem Problem den Überholknopf gedrückt hatte, der mehr Leistung freigibt. Teamkollege Daniel Ricciardo wurde daraufhin gewarnt, die Funktion nicht zu betätigen. Teamchef Christian Horner schob den Schwarzen Peter später auf Renault. Der Motorenpartner wollte die Schuld nach dem Rennen aber nicht komplett eingestehen.
 
"Das Problem bei Sebastian war verknüpft mit der Änderung der Motoreinstellung", erklärte Renault-Einsatzleiter Remy Taffin. "Wir müssen nun genau analysieren, warum das passiert ist. Es könnte ein Problem mit unserer eigenen Software sein. Es könnte aber auch mit der Standard-Software des Autos zusammenhängen. In beiden Fällen ist nun eine genaue Untersuchung gefragt."

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die Highlights vom Rennsonntag.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Nico RosbergMercedes1:27.54,976 Std.
2. Lewis HamiltonMercedes+ 0:01.932 Min.
3. Valtteri BottasWilliams+ 0:08.172
4. Felipe MassaWilliams+ 0:17.358
5. Fernando AlonsoFerrari+ 0:18.553
6. Sergio PerezForce India+ 0:28.546
7. Kevin MagnussenMcLaren+ 0:32.031
8. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:43.522
9. Nico HülkenbergForce India+ 0:44.137
10. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:47.777
11. Jenson ButtonMcLaren+ 0:50.966
12. Pastor MaldonadoLotus+ 1 Runde
13. Adrian SutilSauber+ 1 Runde
14. Romain GrosjeanLotus+ 1 Runde
15. Jules BianchiMarussia+ 2 Runden
16. Kamui KobayashiCaterham+ 2 Runden
17. Max ChiltonMarussia+ 2 Runden
18. Marcus EricssonCaterham+ 2 Runden
19. Esteban GutierrezSauber+ 2 Runden
20. Jean-Eric VergneToro RossoAusfall
21. Sebastian VettelRed BullAusfall
22. Daniil KvyatToro RossoAusfall
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