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Rennanalyse GP Russland 2014

Warum war Sochi-Premiere so langweilig?

Lewis Hamilton - GP Russland 2014 Foto: Wilhelm 65 Bilder

Der GP Russland ließ auf den ersten Blick keine Fragen offen. Das Einstopp-Rennen scheint schnell erklärt. Doch viele Teams wurden bei der Sochi-Premiere auf dem falschen Fuß erwischt. In unserer Rennanalyse sagen wir Ihnen, mit welchen ungewöhnlichen Umständen Fahrer und Strategen zu kämpfen hatten.

12.10.2014 Tobias Grüner

Warum wurde der GP Russland zum Langweiler?

Der erste GP Russland der Formel 1-Geschichte war nicht gerade ein Krimi. Nach einer unterhaltsamen Startrunde und kleineren Platzkämpfen in der Anfangsphase waren die Positionen schnell besetzt. Da die Reifen ewig hielten, konnten die Taktiker an den Boxenmauern auch mittels Strategie nicht mehr viel richten. Ab Runde 31 änderte sich die Reihenfolge der ersten 8 Piloten nicht mehr. Lewis Hamilton spielte an der Spitze nur mit der Konkurrenz. Sein Sieg war nie in Gefahr. Nur Teamkollege Rosberg hätte daran etwas ändern können, doch der Deutsche nahm sich früh selbst aus dem Rennen.

Williams-Ingenieur Rob Smedley zeigte sich beeindruckt von Mercedes: "Das war wirklich komisch. Zwischendurch hat Lewis immer mal wieder eine Runde rausgehauen, die eine Sekunde schneller war als seine anderen. Rosberg ist mit uralten Reifen einfach an Valtteri (Bottas) vorbeigefahren. Daran hat man gesehen, wie viel Potenzial im Mercedes steckt." Im Gegensatz zur Qualifikation konnte Bottas das Silberpfeil-Tempo nicht mitgehen. "Dafür habe ich leider auch noch keine Erklärung", zuckte Smedley mit den Schultern.

Ein weiterer Grund für die geringen Speed-Unterschiede im Feld war auch das ungewöhnlichen Reifenverhalten. "Im Training war der weiche Reifen noch 1,2 Sekunden schneller als die härtere Mischung. Heute waren es plötzlich nur noch 0,5 oder 0,6 Sekunden. Ein neuer Medium war besser als ein alter Soft. Und gegen Ende der Stints wurde der Abstand zwischen den Mischungen immer geringer, weil die härteren Reifen länger durchgehalten haben", analysiert Smedley.

Warum hat sich Nico Rosberg verbremst?

Wie kann sich ein erfahrener Pilot wie Nico Rosberg in der ersten richtigen Kurve des Rennens so verbremsen, dass er seine Reifen wechseln muss? Diese Frage stellte sich Rosberg nach dem Rennen auch selbst. "Das war eine einfache Kurve. Ich war ja schon vorne und hätte Lewis easy gehabt. Ich weiß nicht, wie mir das passieren konnte. Ich habe es einfach verhauen." Der Pilot entschuldigte den Fauxpas mit der ungewohnten Situation. "Wir sind zum ersten Mal auf dieser Strecke mit so viel Sprit an dieser Stelle angekommen."

Teamchef Toto Wolff spekulierte, dass der mangelnde Grip auf der dreckigen Innenspur Rosberg auf dem falschen Fuß erwischte. Auch Lewis Hamilton konnte sich nicht erklären, wie dem Teamkollegen dieser folgenschwere Patzer unterlaufen konnte. "Ich hatte die Kurve eigentlich schon als verloren angesehen. Mein Fokus lag nur noch darauf, in Kurve 3 in seinem Windschatten zu hängen und dann in Kurve 4 einen Konter zu starten."

Wie schaffte es Nico Rosberg 52 Runden lang durchzufahren?

Nico Rosberg war in Sochi mehr als 300 Kilometer mit einem Reifensatz unterwegs - das ist in diesem Jahr neuer Rekord. Pirelli-Sportchef Paul Hembery hatte schon am Vortag gescherzt: "Mit den Reifen kannst Du auch ohne Stopp das Rennen durchfahren." Die konservative Wahl der Mischungen und der ungewöhnlich glatte Asphalt sorgten für einen geringen Verschleiß. Trotzdem war man bei Mercedes lange Zeit nicht sicher, ob der Plan aufgehen würde.

"Wir wussten, dass es kritisch wird", berichtet Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "20 Runden vor Schluss haben unsere Experten gesagt, dass es wohl nicht funktioniert. Wir hatten eine sehr lustige Debatte am Funk. Unser Reifenspezialist, der für mich der Beste in seinem Fach ist, hat gesagt, dass es sich nicht ausgehen wird. Wir haben darüber diskutiert. Ich habe mich als Unwissender eingebracht und habe gesagt: Lasst ihn doch einfach fahren! Durch den öligen Belag, hat der Reifen erst am Ende Grip aufgebaut und hat so lange funktioniert."

Warum kam Felipe Massa nicht weiter nach vorne?

Felipe Massa startete nach seinem Qualifying-Problem auf verlorenem Posten. Von Rang 18 waren Punkte in weiter Ferne. Doch Williams hatte einen Plan: Der Brasilianer sollte auf Medium-Reifen starten und dann nach nur einer Runde auf die schnelleren Soft-Gummis wechseln. "Ich habe dann aber eine super Startrunde erwischt und lag schon auf Rang 11", berichtet der Pilot. "Ich habe über Funk nachgefragt, ob ich nicht doch besser draußen bleiben soll, aber sie haben mich planmäßig reingeholt."

Wie Ingenieur Smedley später erklärte, war es wohl die falsche Entscheidung. Dabei sah lange Zeit noch alles gut aus für die Aufholjagd. Im Windschatten von Nico Rosberg tankte sich Massa durchs Feld. Der Speed war da. Doch hinter Sergio Perez war plötzlich Schluss mit dem Vorwärtsdrang. "Ich kam einfach nicht vorbei. Sein Auto hatte eine gute Traktion und war schnell auf der Geraden", so Massa frustriert. "Ich wollte abwarten bis er an die Box geht und dann Gas geben. Aber da waren meine Reifen schon so hinüber, dass er vor mir bleiben konnte."

In unserer Galerie haben wir die besten Szenen vom Sonntag in Sochi, der vor allem vor und nach dem Rennen für gute Unterhaltung sorgte.

FahrerTeamZeit/Rückstand
1. Lewis HamiltonMercedes1:31.50,744 Std.
2. Nico RosbergMercedes+ 0:13.657 Min.
3. Valtteri BottasWilliams+ 0:17.425
4. Jenson ButtonMcLaren+ 0:30.234
5. Kevin MagnussenMcLaren+ 0:53.616
6. Fernando AlonsoFerrari+ 1:00.016
7. Daniel RicciardoRed Bull+ 1:01.812
8. Sebastian VettelRed Bull+ 1:06.185
9. Kimi RäikkönenFerrari+ 1:18.877
10. Sergio PerezForce India+ 1:20.067
11. Felipe MassaWilliams+ 1:20.877
12. Nico HülkenbergForce India+ 1:21.309
13. Jean-Eric VergneToro Rosso+ 1:37.295
14. Daniil KvyatToro Rosso+ 1 Runde
15. Esteban GutierrezSauber+ 1 Runde
16. Adrian SutilSauber+ 1 Runde
17. Romain GrosjeanLotus+ 1 Runde
18. Pastor MaldonadoLotus+ 1 Runde
19. Marcus EricssonCaterham+ 2 Runden
20. Kamui KobayashiCaterhamAusfall
21. Max ChiltonMarussiaAusfall
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