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Rennanalyse GP Singapur 2013

Kollisionsgefahr bei Revanche-Taxifahrt

Mark Webber & Fernando Alonso Taxi Foto: Wilhelm / xpb 58 Bilder

In unserer Rennanalyse beantworten wir noch einmal die wichtigsten Fragen zum GP Singapur. Warum fuhr Vettel in einer eigenen Liga? Welche Strategie war die beste? Und war die Strafe gegen Mitfahrer Mark Webber gerechtfertigt?

22.09.2013 Tobias Grüner

Warum war Sebastian Vettel so überlegen?

Wer dachte, dass sich Sebastian Vettel nach den überlegenen Siegen in Spa und Monza nicht noch weiter steigern kann, sah sich in Singapur getäuscht. "Er hat uns einfach zerstört", resignierte Lotus-Chefingenieur Alan Permane. "Den holt in diesem Jahr niemand mehr ein." Durch das Pokerspiel im Qualifying wurde die wahre Pace des Weltmeisters lange verschleiert. Doch im Rennen zeigte der Heppenheimer seine wahre Stärke.

"Wir haben ihn erst nach der Safety-Car-Phase von der Leine gelassen", erklärte Teamchef Christian Horner. "Sein Tempo hat uns auch überrascht." Innerhalb weniger Runden hatte Vettel die Lücke zu Rosberg so weit vergrößert, um auch nach seinem zweiten Stopp in Führung zu bleiben. Im Ziel betrug der Vorsprung trotz deutlichem Schongang in der Schlussphase 32,6 Sekunden. Die Konkurrenz war geschockt.

Erklären lässt sich die dominante Vorstellung nur schwer. Es handelte sich wohl um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Vettel liebt die Strecke in Singapur. Es ist die Strecke, auf der er in seiner Karriere mit Abstand die meisten Punkte gesammelt hat. Die Red Bull-Updates haben zudem perfekt gezündet. Wichtig war es auch, dass Vettel immer freie Fahrt hatte. Im Verkehr ist der RB9 nur halb so viel wert, wie man an Webber sieht. Und ganz so schnell wie es aussah, war Vettel auch nicht unterwegs. In der entscheidenden Phase kämpfte Rosberg mit Gummischnipseln im Frontflügel. Der Abstand zur Konkurrenz betrug also nicht 2,5 Sekunden sondern "nur" 1,5 Sekunden.

War die Mercedes-Taktik falsch?

Mercedes verzichtete in der Safety-Car-Phase auf einen Stopp, während die Konkurrenten Räikkönen und Alonso die Neutralisation zum Reifenwechsel nutzten. Die Frage der Silberpfeil-Strategen lautete: Trauen wir uns zu, mehr als 30 Runden auf einem Satz Reifen bis ins Ziel zu fahren? Die Antwort lautete: nein. Und so entschied man sich für die vorher geplanten Wechsel in Runde 41 bzw. 43.

Ob es eine klare Fehlentscheidung war, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Keiner kann sagen, ob die Reifen nicht vielleicht doch über die Runden gekommen wären. Bei McLaren und Sauber hat man gesehen, dass die Distanz grenzwertig war. Am Ende gab man aber selbst im Mercedes-Camp zu, dass man es zumindest mit Hamilton hätte versuchen sollen. "Mit einer gesplitteten Strategie wäre auch das Risiko geteilt", so Niki Lauda.

Warum entschieden sich Ferrari und Lotus für die Strategie?

Ferrari war sich ebenfalls nicht sicher, ob die Strategie mit dem Stopp in der Safety-Car-Phase die richtige sei. "Wir mussten etwas riskieren", erklärte Alonso später. "Wir mussten eine neue Strategie erfinden." Bei den Reifenflüsterern von Lotus gab es dagegen keine Zweifel. "Wir haben im Training gesehen, dass wir einen langen Stint fahren können. Das hatten wir sowieso geplant", erklärte Chefingenieur Alan Permane später.

Warum musste Hülkenberg hinter Perez zurück?

Trotz Rang 9 und zwei WM-Punkten konnte man Nico Hülkenberg den Ärger nach dem Rennen von Singapur ansehen. In Runde 16 hatte er sich einen intensiven Zweikampf mit Sergio Perez geleistet. Um eine Kollision zu vermeiden, verließ der Sauber-Pilot am Kurvenausgang die Strecke. Die Rennleitung forderte den Deutschen daraufhin auf, Perez vorbeizulassen, weil er sich einen Vorteil verschafft haben soll.

Schon am Funk regte sich Hülkenberg bei seinem Renningenieur auf. Auch nach der Zieldurchfahrt hatte er sich noch nicht beruhigt. "Ich lag vor der Kurve vorne und ich lag nach der Kurve vorne. Ich weiß also nicht, warum ich einen Platz abgeben muss. Ich bin nur nach außen ausgewichen, um eine Kollision zu vermeiden. Dabei bin ich mit dem Unterboden auf den Kerbs aufgesetzt, wodurch es mich nach außen gezogen hat. Ich hätte auch innen bleiben können, dann hätte es aber vielleicht gekracht."
 
Die Rennleitung kennt in solchen Fällen aber schon seit einiger Zeit keine Gnade. Im Zweifel wurde in der Vergangenheit immer gegen den Fahrer entschieden, der die Strecke verließ – zum Beispiel Vettel am Hockenheimring 2012 oder zuletzt Grosjean in Ungarn vor der Sommerpause. "Wir bekommen von Charlie Whiting (Rennleiter) über Funk eine Empfehlung. Wenn wir die nicht befolgen, entscheiden die Kommissare. Das Risiko wollten wir nicht eingehen", resignierte Hülkenberg.

Wo wäre Romain Grosjean ohne Technik-Problem gelandet?

Romain Grosjean war einer der Pechvögel von Singapur. Der Lotus-Pilot musste den Grand Prix nach 37 Runden mit einem Leck in der Ventilpneumatik aufgeben. Nach Platz 3 im Qualifying war der gebürtige Genfer bis dahin auch im Rennen gut unterwegs. "Er war auf der gleichen Taktik wie Kimi und lag vor ihm. Er wäre auf jeden Fall vor ihm ins Ziel gekommen - also mindestens auf Rang 3", analysierte Permane. "Bei Alonso hat man gesehen, dass die Reifen am Ende deutlich abgebaut haben. Vielleicht hätte ihn Romain noch unter Druck setzen können."

War die Strafe gegen Webber gerechtfertigt?

Die Taxifahrt von Mark Webber auf dem Seitenkasten von Fernando Alonso war der große Aufreger nach dem Rennen. Der Spanier revanchierte sich damit für eine Mitfahrgelegenheit vor gut zwei Jahren am Nürburgring. Die FIA-Stewards fanden die Aktion allerdings nicht lustig. Für beide Piloen setzte es eine Verwarnung - für Webber bereits die dritte in dieser Saison. Damit handelte sich der Routinier eine automatische Rückversetzung um 10 Plätze beim Lauf in Korea ein. Zunächst war die Kritik an der FIA groß. Die Kommissare wurden als spaßbefreit tituliert. Doch diese Ansicht hatte nur eine geringe Halbwertszeit.

Zur Begründung ihrer Entscheidung führte die FIA im Pressesaal ein >> Video der Überwachungskameras an der Strecke vor. Darauf zu sehen war, wie Webber von der Auslaufzone in Richtung Ideallinie rennt, um seinen Kumpel Alonso abzupassen. Der Spanier hält an und zwingt die Mercedes hinter sich zu haarigen Ausweichmanövern. "Ich bin gerade um die Ecke gekommen und war schockiert, was ich da gesehen habe", schüttelte Lewis Hamilton anschließend den Kopf. "Ich bin rechts am Auto von Fernando vorbeigefahren. Wenn Mark gerade dort langgelaufen wäre, hätte ich ihn überfahren."

In unserer Bildergalerie haben wir noch einmal die spektakulärsten Szenen des Rennens gesammelt.

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