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Rennanalyse GP Singapur 2015

Flitzer hilft Vettel zum Sieg

Sebastian Vettel - GP Singapur 2015 Foto: xpb 54 Bilder

Der betrunkene Engländer, der in Singapur auf der Strecke herumgewandert ist, sorgte anschließend im Fahrerlager für Diskussionen. Die Situation war nicht nur gefährlich, sie hatte auch Auswirkungen auf den Rennverlauf. In der Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen.

20.09.2015 Tobias Grüner

Warum kam der Flitzer für Vettel zur rechten Zeit?

Nach dem gewonnen Start war Sebastian Vettel nur noch über die Strategie zu schlagen. Wegen der mangelnden Renault-Power war auf der Strecke kein Vorbeikommen für Daniel Ricciardo. Red Bull hatte sich auch schon einen Plan zurechtgelegt: Mit geringerem Reifenverschleiß wollte man Vettel über eine Alternativ-Strategie versuchen. Doch daraus wurde nichts.

Immer wenn eine neue Boxenstopp-Runde anstand, schickte die Rennleitung das Safety-Car raus. Ricciardo blieb nichts anderes übrig, als parallel mit Vettel zum Boxenstopp reinzukommen - was an der Reihenfolge nichts änderte. Der Australier war entsprechend sauer auf den Flitzer: "Vielen Dank an den Typen auf der Strecke. Ich hätte ihn am liebsten umgefahren", so Ricciardo trocken.

Vettel machte dagegen Witzchen über den 27-jährigen Fan aus England, der mittlerweile von der Polizei verhaftet wurde. "Ich glaube er hat ein Foto gemacht. Hoffentlich ist es wenigstens scharf geworden." Wie man auf dem Video der Streckensicherung erkennen kann, hatte der angetrunkene Irrläufer ganz gemütlich die Piste überquert. 45 Sekunden war er innerhalb der Zäune unterwegs.

Warum war Mercedes so langsam?

Es ist die Frage aller Fragen: Wie konnte Mercedes innerhalb von nur 14 Tagen vom strahlenden Monza-Sieger zur chancenlosen dritten Kraft im Feld degradiert werden. Klar ist nur, dass die Antwort in den Reifen liegt. Doch was haben die Silberpfeile genau falsch gemacht? "Das Schlimmste ist nicht, dass wir so langsam sind, sondern dass wir es nicht verstehen", klagte Nico Rosberg nach dem Rennen.

Es gebe Ideen und Anhaltspunkte, machte sich der Pilot Hoffnung. Unter Verdacht steht zum Beispiel der Motor, der das Drehmoment zu früh abgibt. Es könnte auch mit den neuen, verschärften Pirelli-Limits in Sachen Luftdruck und Radsturz zusammenhängen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Setup-Fehler. Allerdings wurde der Silberpfeil während des Singapur-Wochenendes mehrmals umgebaut. "Wir haben alles durchgemessen. Es kann also nur etwas sein, das wir nicht gemessen haben", zuckte ein Ingenieur mit den Achseln. Erst Suzuka gibt die Antwort. Entweder es ist wieder alles wie früher. Oder die WM wird noch einmal spannend.

Warum gab es in Singapur so viele Technik-Probleme?

Es war wie verhext in Singapur. Ständig funkte irgendein Fahrer technische Probleme an die Box. Den Anfang machte Rosberg schon vor dem Start. Auf dem Weg in die Aufstellung starb der Mercedes-Motor 3 Mal ab. "Ich musste meine Startprozedur ändern. Das war komplett anders als normal", schimpfte der Pilot. Das Schwesterauto von Lewis Hamilton erwischte es im Rennen. Eine Schelle an der Schlauchverbindung zwischen Airbox und Intercooler löste sich. Der Boost fiel aus. Der Weltmeister musste aufgeben.

Bei den McLaren überhitzten die Getriebe. Null Punkte. Beim Toro Rosso von Max Verstappen ging am Start der Motor aus. "Normalerweise wird das vom Anti-Stall-System verhindert", klagte Teamchef Franz Tost. "So etwas darf nicht passieren." Bei Teamkollege Carlos Sainz schaltete das Getriebe ohne Vorwarnung in den Leerlauf. "Das müssen wir auch noch untersuchen. Vielleicht hat Carlos nach der Safety-Car-Phase auch einfach eine falsche Taste gedrückt."

Auch bei Massa sprang das Getriebe immer wieder aus dem Gang. Ein drohender Getriebeschaden wurde auch bei Romain Grosjean als Grund für den Rückzug angegeben. Diese Defekthäufung ist ungewöhnlich. Einige vermuteten Interferenzen der U-Bahn-Linie als Übeltäter. Eine Linie verläuft direkt unter der Strecke. 2008 wurde Red Bull-Pilot Mark Webber von der Metro ausgebremst.

Ingenieure können an einigen Stellen der Strecke tatsächlich Unregelmäßigkeiten in den elektrisch gesteuerten Hydraulikventilen des Getriebes messen, die sich nur durch die U-Bahn erklären lassen. Doch eigentlich ist die Störung im Griff. Wahrscheinlicher für die Pannen sind daher die hohen Belastungen: Bodenwellen, Hitze, Luftfeuchtigkeit, viele Kurven und die meisten Schaltvorgänge pro Runde.

Warum wurde Hülkenberg direkt bestraft?

Bei Force India herrschte nach dem Rennen schlechte Laune. Nico Hülkenberg fiel durch seinen Crash mit Felipe Massa nicht nur aus, er kassierte auch noch eine Startplatzstrafe (+3) für Japan. "Er war klar vorne, deshalb gehörte ihm die Kurve. Er hatte das Recht auf der Ideallinie zu fahren", schimpfte Sportdirektor Otmar Szafnauer. "Massa hat gesehen, dass es eng wird. Und hat sich im letzten Moment verbremst."

Hülkenberg stieß noch ein anderer Aspekt sauer auf: "Ich hatte noch nicht einmal die Chance auf eine Anhörung. Die Strafe wurde einfach so ausgesprochen." Doch die Rennleitung kannte kein Erbarmen. Die Situation sei eindeutig gewesen. Wenn Hülkenberg weitergefahren wäre, hätte es eine Durchfahrtsstrafe gegeben - auch ohne Anhörung. Nach Meinung der Stewards habe Hülkenberg seinen Kontrahenten gesehen und hätte Platz lassen müssen.

In unserer Galerie haben wir noch einmal die Highlights des Rennens.

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Sebastian VettelFerrari2:02.22,118 Std.
2. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:01.478 Min.
3. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:17.154
4. Nico RosbergMercedes+ 0:24.720
5. Valtteri BottasWilliams+ 0:34.204
6. Daniil KvyatRed Bull+ 0:35.508
7. Sergio PerezForce India+ 0:50.836
8. Max VerstappenToro Rosso+ 0:51.450
9. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+ 0:52.860
10. Felipe NasrSauber+ 1.30.045
11. Marcus EricssonSauber+ 1.37.507
12. Pastor MaldonadoLotus+ 1:37.718
13. Romain GrosjeanLotus+ 2 Runden
14. Alex RossiManor+ 2 Runden
15. Will StevensManor+ 2 Runden
16. Jenson ButtonMcLarenAusfall
17. Fernando AlonsoMcLarenAusfall
18. Lewis HamiltonMercedesAusfall
19. Felipe MassaWilliamsAusfall
20. Nico HülkenbergForce IndiaAusfall
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