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Rennanalyse GP Singapur

Der Überraschungssieg

Foto: Wolfgang Wilhelm 56 Bilder

Fernando Alonso gelang beim ersten Nachtrennen der Formel 1-Historie der große Überraschungscoup. In unserer Rennanalyse beleuchten wir noch einmal die entscheidenden Momente des ersten Großen Preises von Singapur.

29.09.2008 Gregor Messer

Wie konnte Fernando Alonso von Startplatz 15 aus gewinnen?

Es war ein Triumph, an den selbst Sieger Alonso nicht zu glauben wagte. Nach einem verpatzten Qualifying - an Alonsos Renault streikte die Treibstoffzufuhr - betete der Spanier: "Wenn ich gewinnen will, brauche ich ein Wunder."

Sein Team schmiedete einen gewagten Plan. "Wir hatten uns für eine aggressive Strategie entschieden", gab Alonso nach dem Rennen zu Protokoll. Im Renault war nur Sprit für zwölf Runden getankt. Zudem entschloss sich Alonso und die Teamleitung um Cheftechniker Pat Symonds gleich zu Rennbeginn die ungeliebten "Option"-Reifen zu montieren. Reifenausrüster Bridgestone hatte wie zu allen Rennen mit niedrigen Durchschnittstempi die beiden weichsten verfügbaren Mischungen mitgebracht. Die superweiche "Option"-Version fiel indes bei allen Teams wegen starken Körnens in Ungnade.

Alonso gelang dank leichtem Auto ein sehr guter Start und machte in der ersten Runde drei Plätze gut. Dann hing er hinter Kazuki Nakajima im Williams fest. Die zwölf Runden hinter dem Japaner langten Alonso, um sein Team statt einer möglichen Dreistopp-Strategie von einer Zweistopp-Strategie zu überzeugen. Als sich in der 15. Runde ausgerechnet Alonsos Teamkollege Nelson Piquet jr. in die Wand drehte, profitierte der Spanier von der daraus resultierenden Safety-Car-Phase und seinem frühen Stopp.

Danach gab Alonso die Führung nicht mehr ab. Auch beim Restart nach der zweiten Safety Car Phase (ausgelöst durch einen Unfall von Adrian Sutil nach einem Dreher von Felipe Massa) machte sich Alonso dank der besseren Bereifung auf und davon: Nach der ersten fliegenden Runde hatte er 3,7 Sekunden Vorsprung auf Verfolger Nico Rosberg, nach der zweiten fast sechs Sekunden. Für das einst vom Erfolg verwöhnte Renault-Team von Flavio Briatore war es der erste Erfolg seit 23 Monaten (GP China 2006); Alonso siegte zuletzt in Italien im vergangenen Jahr.

Wieso konnte Nico Rosberg trotz Stop&Go-Strafe Zweiter werden?

Williams Pilot Nico Rosberg errang in Singapur das beste Ergebnis seiner Karriere und stand nach dem Saisonauftakt in Melbourne zum zweiten Mal auf dem Podium. Trotz Safety-Car-Phase musste er zum Tanken, sonst wäre er liegen geblieben. Weil aber die Boxengasse zum Nachtanken geschlossen war, kassierte der Williams-Pilot eine Stop & Go-Strafe, die ihn insgesamt 37 Sekunden kostete. Rosbergs Glück war, dass die Sportkommissare erst über Ferrari-Pilot Felipe Massas misslungenen Stopp zu entscheiden hatten.

Das Feld war bereits wieder in voller Fahrt, als die Kommissare ihm die Strafe aussprachen. Zudem nutzte Rosberg die drei Runden Karenz voll aus, bevor er seine Strafe absaß. Dadurch kam er vor Jarno Trulli wieder auf die Piste. Der Toyota-Pilot hielt mit schwer betanktem Auto das halbe Feld auf, in dem auch BMW-Fahrer Robert Kubica feststeckte. Den Polen ereilte das gleiche Schicksal wie Rosberg; er kam jedoch ungünstiger wieder aus der Box heraus.

Wieso herrschte bei Ferrari Chaos beim Nachtanken?

Das grüne Licht, mit dem der Führende Felipe Massa bei seinem Stopp wieder losgeschickt wurde, hat sein Chefmechaniker manuell ausgelöst. Das Signal kam zu früh. Es war also menschliches Versagen. Massa gab Gas, als der Tankschlauch noch am Stutzen klemmte. Erst als der direkt hinter Massa wartende Kimi Räikkönen auch abgefertigt war, realisierte man bei Ferrari, dass Massa am Ende der Boxengasse wartete, damit Mechaniker den Schlauch entfernen konnten.

Trotz des ganzen Chaos verlor der Brasilianer in dieser Runde nur 56 Sekunden im Vergleich zu einem normal verlaufenen Stopp, auch wenn es sich wie eine Ewigkeit anfühlte. Allerdings verlor Massa dadurch auch das Rennen, denn zu allem Ungemach wurde ihm auch noch eine Durchfahrtsstrafe ausgesprochen, weil er beim Herausbeschleunigen Adrian Sutil behinderte. Zum zweiten Stopp nutzte die Scuderia wieder den herkömmlichen Lollipop. Der zu Boden geschleuderte Mechaniker blieb weitgehend unverletzt.

Es war die erste Nullrunde für Ferrari in dieser Saison, denn Räikkönen fuhr nach einem Fahrfehler in der Schikane in der viertletzten Runde in die Mauer. Schlimmer noch: McLaren hat die Führung in der Konstrukteurs-WM übernommen, und Lewis Hamilton hat mit seinem dritten Rang die Tabellenführung auf sieben Punkte Vorsprung ausgebaut.

Wie verlor Sebastian Vettel eine Position an Timo Glock?

Nach dem ersten Restart verbremste sich Sebastian Vettel am Ende der langen Geraden vor Kurve sieben. Der Heppenheimer hatte das ganze Rennen über mit einem langen Bremspedal zu kämpfen, "aber der Verbremser war mein Fehler." Nach Rennende protestierte Toyota gegen Toro Rosso, weil sich die Japaner durch Vettels Abfahrt nach seinem ersten Stopp behindert gefühlt hatten. Der Protest wurde von den Sportkommissaren abgelehnt. Toyota hätte nicht von einer Bestrafung Vettels profitiert. Allerdings hat Toro Rosso in der Konstrukteurs-WM durch die beständigen Erfolge in der zweiten Saisonhälfte bedeutend an Boden auf Toyota gut gemacht.

Welche Piloten haben jetzt noch WM-Chancen?

Aus dem Titelanwärter-Sextett vor dem Rennen ist Heikki Kovalainen - der beim ersten Stopp lange hinter Lewis Hamilton warten musste - nach seiner Nullrunde vom Sonntag definitiv ausgeschieden. Nick Heidfeld und Kimi Räikkönen haben zwar noch mathematische Chancen, die sich allerdings nur erfüllen, wenn sie in den restlichen drei Saisonrennen jeweils gewinnen und Lewis Hamilton und Felipe Massa jedes Mal ohne Punkte bleiben. Auch Robert Kubica, der 20 Zähler Rückstand auf Lewis Hamilton hat, besitzt nur noch vage WM-Chancen. Für den noch amtierenden Weltmeister Räikkönen, der in Singapur seinen vierten Nuller in Folge schrieb, ist die WM gelaufen: "Es ist sowieso vorbei."

-> GP Singapur: Ergebnis Rennen
-> Formel 1 Datenbank

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