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Rennanalyse GP Singapur

Fehlende Strafen sorgen für Zündstoff

Michael Schumacher Crash GP Singapur 2011 Foto: xpb 53 Bilder

Nach dem Rennen in Singapur hatte die Rennleitung noch Arbeit bis in die Nacht. In unserer Rennanalyse klären wir die strittigsten Szenen und beantworten offene Fragen.

25.09.2011 Tobias Grüner

Warum konnte Button zu Beginn nicht mit Vettel mithalten?

Sebastian Vettel legte in Singapur los wie die Feuerwehr. Nach dem gewonnenen Start legte der Weltmeister ein Tempo vor, das keiner mitgehen konnte. Verfolger Jenson Button sah den Red Bull bald nur als dunklen Fleck am Horizont. Bei der ersten Überquerung des Zielstrichs lagen bereits 2,5 Sekunden zwischen den ersten beiden Autos, ab der neunten Runde ging der Vorsprung in den zweistelligen Sekundenbereich über. Als das Safety-Car im 29. Umlauf auf die Bahn geschickt wurde, hatte sich Vettel bereits über 20 Sekunden abgesetzt.

Am Ende des Rennens konnte Button deutlich besser mit Vettel mithalten. Der McLaren-Pilot drehte sogar die schnellste Rennrunde. Doch warum wuchs der Rückstand zu Beginn so stark an? "Das war eine Kombination aus der Stärke von Sebastian und unserer Strategie, kein Risiko zu gehen", erklärte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Jenson musste auf die Reifen und den Spritverbrauch achten. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, zu aggressiv anzugehen." Nach der Safety-Car-Phase wuchs der Abstand nicht mehr so schnell. Auf dem Zielstrich lagen die beiden schnellsten Autos nur noch 1,7 Sekunden auseinander.

Button erklärte das Phänomen "Ich fand zu Beginn einfach keinen Grip. Ich wusste auch nicht, wie lange der erste Stint dauern würde. Wir hatten Probleme mit überhitzenden Reifen und ich bin das ganze Wochenende keine Runs mit viel Sprit gefahren. Ich musste zuerst einen Rhythmus und die Pace finden, bei der ich die Reifen nicht zerstöre. Erst nach zehn Runden habe ich mich wohl gefühlt und konnte beginnen anzugreifen. Am Ende des Rennens bin ich so schnell gefahren, wie ich konnte. Mehr habe ich nicht aus dem Auto herausbekommen."

Warum hatte Ferrari so große Reifenprobleme?

Bei Ferrari begann nach dem Rennen das große Rätselraten. Die roten Autos spielten hinter Red Bull und McLaren eindeutig nur die dritte Geige. Zur Überraschung der Ingenieure war die Konkurrenz nicht nur in Sachen Pace sondern auch in Sachen Reifenverschleiß überlegen. Normalerweise behandeln die Ferrari die Gummis so sanft wie kaum ein anderes Auto, was in der Hitze Singapurs mit den beiden sehr weichen Mischungen eigentlich ein Trumpf im Kampf um die besten Plätze hätte sein sollen.

Scheinbar kam die rote Göttin mit den Bedingungen auf dem Stadtkurs nicht so gut zurecht wie auf den anderen Strecken der Saison. Der Asphalt in Singapur ist in seiner Struktur nicht mit normalen Pisten zu vergleichen. Die vielen 90 Grad Kurven scheinen dem Ferrari auch nicht besonders gut geschmeckt zu haben. "Auch die Hitze war sicherlich ein Faktor", analysierte Technikdirektor Pat Fry. Dabei hatten sich Alonso und Massa in dieser Saison lange über den zu kalten Sommer beklagt.

Warum bekam Hamilton einen Reifensatz zwei Mal draufgeschraubt?

Lewis Hamilton kam in Singapur gleich fünf Mal bei seinen Mechanikern vorbei. Drei normale Reifenwechsel, eine Frontflügel-Reparatur und die Durchfahrtsstrafe nach dem Crash mit Massa kosteten den Engländer viel Zeit. Um den Weltmeister von 2008 wieder nach vorne zu bringen, setzte McLaren auf eine aggressive Strategie. In Runde 29 schnallte man Hamilton einen Satz der rotmarkierten Super Soft-Reifen drauf. Mit der weicheren Mischung sollte der Brite den verlorenen Boden schneller gut machen.

Trotz des aggressiven Fahrstils hielten die Sohlen immerhin bis Runde 48 durch. Wer mitgerechnet hatte, konnte erkennen, dass der Satz zuvor schon einmal montiert wurde. Nach seinem Plattfuß im Qualifying musste Hamilton einen Satz "super soft" aussortieren. Für das Rennen blieben somit nur zwei Sätze übrig. Auf dem ersten ging er ins Rennen. Der zweite war ab Runde elf im Einsatz. Bei der Nasenreparatur in der 13. Runde wurde er aber schon wieder durch die härtere Mischung ersetzt. 16 Umläufe später waren die Gummis wieder im Einsatz.

Warum war die Strafe gegen Kobayashi unfair?

Im Sauber-Lager mischte sich in die Enttäuschung nach dem Rennen auch noch die Wut über die Rennleitung. Sergio Perez wurde gleich von mehreren Fahrern in die Mangel genommen, die aber alle straffrei blieben. Auf der anderen Seite bekam Kamui Kobayashi eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, für die er nicht viel konnte. Die Rennleitung warf dem Japaner vor, dem heranstürmenden Jenson Button beim Überrunden nicht schnell genug Platz gemacht zu haben.

Teammanager Beat Zehnder beklagte sich anschließend bei Rennleiter Charlie Whiting. Doch der hatte nur ein Schulterzucken übrig. "Kamui konnte nichts dafür", verteidigte Zehnder seinen Piloten. "Nach der Safety-Car-Phase hat er in Kurve 18 das erste Signal im Cockpit bekommen. In Kurve fünf in der Runde danach war Jenson schon vorbei." Doch Button war schon vor Kurve 18 hinter Kobayashi. "Kurz zuvor hat Kamui aber noch Trulli und Liuzzi überholt. Da konnte er im Rückspiegel kaum erkennen, dass nun plötzlich Button hinter ihm ist."

Hätte Schumacher eine Strafe verdient gehabt?

Um 23.06 Uhr Ortszeit kam endlich das Urteil im Fall Schumacher. Die Stewards hatten sich die Kollision zwischen dem Mercdes-Piloten und Sergio Perez noch einmal ganz genau angeschaut. Mit der Verwarnung für den Altmeister griffen die Regelhüter in die milde Schublade. Die Schuldfrage war eigentlich klar. Der Rekordchampion hatte selbst zugegeben, dass er sich bei seinem Angriff verschätzt hatte und deshalb aufgefahren war.

"Was soll denn da der Hamilton sagen, wenn Schumacher keine Strafe kriegt", fragte Peter Sauber nicht ganz unberechtigt. Der McLaren-Pilot war in einer absolut vergleichbaren Szene dem Ferrari von Felipe Massa auf den Hinterreifen gefahren. Wie Massa musste auch Perez nach der Kollision mit einem Plattfuß an die Box. Der einzige Unterschied lag darin, dass sich Schumi mit dem Ausfall selbst bestrafte. Das hatte die Stewards im Fall Liuzzi in Monza aber auch nicht daran gehindert, eine Startplatzstrafe für das darauffolgende Rennen auszusprechen.

Gegen gnädige Urteile ist generell nichts einzuwenden. Doch wenn die Regelhüter eingreifen, müssen sie dabei auch konstant sein. Dass Schumachers beinharte Verteidigung gegen Hamilton in Monza ohne Konsequenzen blieb, war einigen Konkurrenten bereits sauer aufgestoßen. Nun ist der Rekordchampion erneut davongekommen. Zu oft sollte der Silberpfeil-Pilot die Geduld der Rennleitung aber nicht auf die Probe stellen.

In unserer Fotogalerie zeigen wir noch einmal die spektakulärsten Bilder des Rennens.

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