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Rennanalyse GP Spanien 2015

Rambo-Maldonado ist zurück

Pastor Maldonado - Lotus - GP Spanien 2015 - Rennen - Sonntag - 10.5.2015 Foto: xpb 70 Bilder

Warum vergeigte Hamilton den Start? Wieso war Ferrari so weit hinter Mercedes? Warum war Maldonado trotz kaputtem Heckflügel schnell? Was war bei Alonso und McLaren los? Und wieso fielen die Toro Rosso so weit zurück? In unserer großen Rennanalyse beantworten wir die dringendsten Fragen nach dem GP Spanien 2015.

10.05.2015 Andreas Haupt
Warum vergeigte Hamilton den Start?

Nach dem zweiten Startplatz im Qualifying sah Lewis Hamilton seine größte Chance, Nico Rosberg in die Knie zwingen zu können, durch einen erfolgreichen Start. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen büßte der Titelverteidiger eine Position gegen Sebastian Vettel ein. "Ich hatte einfach durchdrehende Räder", erklärte Hamilton. Ob auch die Innenbahn zu seinem schwachen Start beitrug? "Ich weiß es nicht."

Rosberg erwischte dagegen einen perfekten Rennbeginn. Mit der 2014er Kupplung, die Mercedes seit Spanien einsetzt, fühlt sich der neunfache GP-Sieger wohler. Sie ermöglicht konstantere Starts.

Wieso war Ferrari so weit hinter Mercedes?

Ferrari war beim GP Spanien chancenlos gegen Mercedes. Sowohl in der Qualifikation mit 0,777 Sekunden Rückstand als auch im Rennen. Sebastian Vettel trennten vom Sieger Nico Rosberg 45,3 Sekunden. In Vettel keimte nur am Anfang Hoffnung auf. "Ich dachte in den ersten zwei Runden, das da geht was. Aber danach zog er mir weg."

In Bahrain betrug der Abstand von Ferrari im Ziel gerade einmal 3,380 Sekunden. Woher rührte also der große Unterschied? In der dreiwöchigen Pause arbeiteten beide Teams an größeren Updates. Nico Rosberg befand nach den GP Spanien: "Sieht so aus, als hätten wir die Entwicklungsschlacht für den Moment klar gewonnen."

Allein an den Updates kann es aber nicht liegen. Denn auch Ferrari verzeichnete Fortschritte. "Der Vergleich zwischen den beiden Varianten ist ziemlich offensichtlich. Man sieht es am Abstand zwischen Seb und Kimi", meinte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene. Kimi Räikkönen fuhr in der Quali und im Rennen mit dem alten Paket, Vettel mit dem neuen. "Es ist gut, aber eben nicht gut genug für Mercedes", ergänzte Arrivabene.

Ein Problem waren für Ferrari die Reifen. Mit den weicheren Mediums hielt man den Abstand zu Mercedes noch in Grenzen. Doch auf der härtesten Pirelli-Mischung büßte Ferrari gewaltig ein. In Zahlen: mehr als eine Sekunde.

Besonders viel Zeit verlor Ferrari vor allem im letzten Sektor. Jedoch auf beiden Reifentypen. Dort kommt es auf den mechanischen Grip an. Hamiltons durchlief den letzten Abschnitt in 30,687 Sekunden als schnellster. Räikkönen (31,047) fehlten da schon dreieinhalb Zehntel. Vettel bereits über neun. Kein gutes Zeichen für Monaco.

Experten hatten noch eine andere Erklärung für den großen Ferrari-Rückstand. Angeblich sollen die Italiener bei der Benzin-Durchflussmenge zu Saisonbeginn getrickst haben. Mit einem kleinen Benzinspeicher vor der Hochdruckeinspritzpumpe für Extra-Leistung. Man spricht von drei Zehntel, die beim Beschleunigen aus langsamen Kurven gewonnen werden. Also in Barcelona im letzten Sektor, doch hier soll Ferrari das System nicht eingesetzt haben wegen strengerer FIA-Kontrollen. Mehr dazu in unserer Hintergrund-Story.

Warum war Maldonado trotz kaputtem Heckflügel schnell?

In der dritten Runde kam es auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya zum großen Lotus-Duell. Und zu einer teaminternen Kollision. Was war passiert? Romain Grosjean und Pastor Maldonado lagen am Ende der zweiten Runde auf den Plätzen neun und zehn. Der Franzose musste am Ende der Zielgeraden eine weite Linie hinein in die erste Kurve nehmen, was Maldonado die Möglichkeit zum Überholmanöver bot.

Als Grosjean zurückkam, berührten sich die der Venezolaner und der Franzose im langgezogenen Rechtsbogen (Turn drei), was am Auto von Maldonado die rechte Endplatte des Heckflügels beschädigte. Sie hing später sichtbar schief. "Der Unfall hätte verhindert werden können", meinte Einsatzleiter Alan Permane. "Die Schuldfrage ist schwierig zu beurteilen. Romain kam von der Strecke ab, Pastor hat ihm danach vielleicht nicht genug Platz gelassen."

Eine diplomatische Antwort. Maldonado sprach selbst ebenfalls von einem Rennunfall. Luftaufnahmen zeigen aber, dass Maldonado der Schuldige für den Unfall war. Weil er Grosjean auf der Innenseite nicht genug Platz ließ.

Trotz des kaputten Heckflügels legte Maldonado in der Folgezeit gute Rundenzeiten hin. Viele von ihnen im mittleren 1:33er-Bereich. "Der Flügel hat uns Zeit gekostet. Aber wir können noch nicht beziffern wie viel", so Permane. "Ich habe andere Einstellungen am Differential vorgenommen. Dadurch ging es", sagte Maldonado.

In der 14. Runde bog der Sieger des GP Spanien 2012 zum ersten Stopp ab. Einen Umlauf zu früh, wie sich später herausstellte. Denn in Runde 15 erreichte Lotus die Nachricht von Rennleiter Charlie Whiting, man möge bitte die krumme Endplatte entfernen. Der zweite Stopp warf Maldonado weit ins Feld zurück. Zu allem Überfluss funktionierte der schwarze Rennen ohne Endplatte schlechter als mit der krummen. Ohne Chance auf Punkte gab Maldonado auf. Grosjean, geplagt vom Verlust des vierten Ganges ab Runde 20, kämpfte sich noch auf die achte Position nach vorne.

Was war bei Alonso und McLaren los?

Beide McLaren-Fahrer sprachen nach dem GP Spanien 2015 von einem "erschreckenden Rennen". Fernando Alonso sorgte die brenzligste Situation am Sonntag. Bei seinem zweiten Boxenstopp mähte der Spanier um ein Haar den Mechaniker am Wagenheber um. Weil an seinem McLaren die hinteren Bremsen ausstiegen.

Der Defekt kündigte sich bereits in der Runde zum Boxenstopp an. Der Spanier schoss in Runde 26 über die asphaltierte Auslaufzone am Ende der Zielgeraden. Daraufhin entschied McLaren, Alonso reinzuholen, um die Bremsen zu untersuchen und die Reifen zu tauschen. "Ich hatte die gesamte Inlap kaum Bremswirkung hinten." Anscheinend wurde der Doppelweltmeister trotzdem beim Stopp überrascht, sonst wäre er wohl nicht so schnell zu seinen Mechanikern abgebogen. "Es war ein erschreckender Moment. Beim Pitstop hatte ich sogar noch weniger Bremsen." Glücklicherweise reagierte der Mann am Wagenheber geistesgegenwärtig und brachte sich mit einem Sprung in Sicherheit.

Eine erste Untersuchung in der Garage ergab, dass sich hinten rechts ein Abreisvisier verfangen hatte. Jenson Button kam zwar ins Ziel, doch unter schwierigen Umständen. Der Brite klagte über ein unfahrbares Auto: "Sobald ich aufs Gas bin, flog mir das Heck weg. Es war unberechenbar. Ich hatte Übersteuern und in langsamen Kurven durchdrehende Räder in der Beschleunigungsphase." Im Ziel wurde er 16.

Wieso fielen die Toro Rosso so weit zurück?

Die beiden Toro Rosso-Youngster waren die Überraschung im Qualifying. Platz fünf für Carlos Sainz, Platz sechs für Max Verstappen. Vor einem Williams, Ferrari und beiden Red Bull. Im Rennen ging es allerdings rückwarts. Vor allen in der Anfangsphase. Nach acht Runden wurde der Niederländer bereits auf die achte Position durchgereicht, Sainz gar auf die 10. "Ich hatte eigentlich einen guten Start. Aber schon in den ersten zwei Runden habe ich gesehen, dass es in die falsche Richtung läuft. Ich hatte viel Übersteuern und habe die Reifen gekillt", berichtete Verstappen.

"Mit 100 Kilogramm Sprit an Bord ist unser Auto nicht dasselbe", erklärte sein Teamkollege. Erst als wir nur noch 30 bis 50 Kilo an Bord hatten, wurde es besser. Red Bull-Berater Helmut Marko hatte noch eine andere Erklärung. "Die Starts waren gut, aber auf den Geraden fehlt die Power. Wir haben 80 oder 90 PS zu wenig. Die anderen sind an Toro Rosso und Red Bull locker vorbei auf der Geraden."

Zum Rennende lieferten sich Sainz und Verstappen noch ein kleines Duell. Mit dem besseren Ausgang für den Lokalmatador. Verstappen klagte über die harten Reifen. Er hätte im finalen Stint lieber Mediums gehabt. Sainz schnappte sich im letzten Umlauf auch noch Kvyat. Beide berührten sich bei der Einfahrt auf die erste Kurve. "Ich hatte DRS und wollte vorbei. Dann wurde er ein bisschen verrückt. Er ist in mich gefahren. Um einen Crash mit einem Red Bull zu verhindern, bin ich geradeaus gefahren."

Weil er nicht die 9. Position zurückgab, leiteten die Kommissare eine Untersuchung ein. "Normaler Rennzwischenfall. Sainz musste es auf den weicheren Reifen probieren", urteilte Marko. Die Kommissare sahen es zwei Stunden nach dem GP Spanien genauso. Sainz durfte zwei WM-Punkte mit nach Hause nehmen.

In unserer Bildergalerie haben wir für Sie die Highlights des GP Spanien 2015 gesammelt.

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