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Rennanalyse GP Spanien 2016

Aufklärung zum Mercedes-Crash

Mercedes - GP Spanien 2016 - Barcelona Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Der GP Spanier war ein echter Kracher. Im wahrsten Sinne des Wortes. In unserer Rennanalyse geben wir die wichtigsten Antworten zum Mercedes-Crash und dem Sieg von Max Verstappen.

15.05.2016 Andreas Haupt 1 Kommentar
Wie kam es zum Unfall zwischen Hamilton und Rosberg?

Es war der große Aufreger beim GP Spanien 2016. Lewis Hamilton und Nico Rosberg räumten sich knapp einen Kilometer nach dem Start gegenseitig ab und strandeten im Kiesbett der vierten Kurve. Der erste Nuller für die Silberpfeile seit dem Rennen in den USA 2012.

"Sie sind dafür verantwortlich, die Autos ins Ziel zu bringen. Daran sind sie heute gescheitert. Punkt", ärgerte sich Teamchef Toto Wolff, der weder Hamilton noch Rosberg die Schuld für die Mercedes-Katastrophe ankreidete. So wie die Stewards. Beide Fahrer mussten um 16:30 Uhr Ortszeit bei den Rennkommissaren antreten. Beide kamen ungeschoren davon. "Ein Rennunfall", lautete das Urteil.

Doch wieso kam es überhaupt zu der Kollision? Sowohl Hamilton als auch der WM-Führende erwischten einen guten Start. Rosberg profitierte von der langen Anfahrt zur ersten Ecke des spanischen Kurses. 543 Meter sind es laut Mercedes von der Pole bis zum Scheitelpunkt. Im Windschatten saugte sich das Auto mit der Nummer sechs am vorausfahrenden Renner an. Mit einem späten Bremsmanöver setzte sich Rosberg daneben und zog seinen Überholversuch konsequent durch.

Allerdings hatte er in den Kurven zwei und drei die schlechtere Linie als Hamilton. Der Weltmeister schoss deutlich schneller aus dem langen Rechtsbogen und wagte einen Konter. Hamilton hatte etwa 17 km/h Überschuss. "Es war wie der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem DRS." Das lag aber wenig an der besseren Linie. Sondern weil Rosbergs Auto in den De-Rating-Modus schaltete, um Energie zu bunkern. Plötzlich fehlten 160 PS aus der Elektromaschine. "Ich habe überrascht vernommen, dass er in den De-Rating-Modus wechselte", berichtete Hamilton.

Rosberg selbst drückte nicht aufs Knöpfchen, um die Batterien zu laden. Warum auch in der ersten Runde im Zweikampf? Es ist so: Sein Auto lief noch im Start- statt im Rennprogramm. "Nico hat nach dem Start nicht umgeschaltet", sagte Teamchef Toto Wolff. "Ich weiß, wie ich wechseln muss. Das geht über den Knopf oben links an meinem Lenkrad. Aber es tat sich nichts", verteidigte sich der WM-Zweite der letzten beiden Jahre. "Wenn er da noch umschaltet, ist es nutzlos. Das gibt dir nicht innerhalb von 100 Metern den Kick", ätzte Hamilton.

Egal, wie man es dreht und wendet: Rosberg konnte das Startprogramm gar nicht ändern. Weil die FIA in den ersten 90 Sekunden nach dem Rennfreigabe alle Programme überschreibt. Dadurch will der Weltverband verhindern, dass die Teams für die erste Rennphase spezielle Softwares entwickeln. Vermutlich löste eine Technik-Panne den De-Rating-Vorgang an Rosbergs-Auto aus. Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass die Einführungsrunde zum Malheur führte. Rosberg fuhr sie im Startprogramm.

Die Schuld suchte keiner der beiden Fahrer bei sich selbst. "Es war mein Rennen nach der ersten Kurve", befand Rosberg. "Ich bin früh und sauber nach innen gefahren. Dann war die Tür zu. Ich war überrascht, dass es Lewis trotzdem noch probierte."

Hamilton meinte: "Ich habe eine Lücke gesehen und es probiert. Das machen Rennfahrer nun mal so. Klar bin ich nach innen. Außen hat man normalerweise rund eine Wagenbreite Platz. Innen zwei." Direkt nach dem Rennen leisteten beide Fahrer Abbitte. Das Team akzeptierte.

Wie holte Verstappen seinen ersten Sieg?

Max Verstappen strahlte nach dem Rennen über beide Ohren. Erstes Rennen für Red Bull, erster Sieg: Besser hätte es für den Senkrechtstarter nicht laufen können. Trotz seines jungen Alters von 18 Lenzen fährt das niederländische Wunderkind wie ein alter Hase. Er machte unter Druck von Räikkönen keine Fehler. "Seine Ruhe ist seine große Stärke", lobte Teamchef Christian Horner.

Ohne Rennglück wäre es für Verstappen aber schwer geworden mit dem ersten F1-Erfolg im 24. Karriere-Rennen. In Barcelona ist Überholen traditionell schwer und erst mit einem zwei Sekunden schnelleren Auto möglich. Schlussendlich war es Verstappens großes Glück, dass er hinter Ricciardo lag. "Die einzige Möglichkeit von Ferrari an uns vorbeizukommen, war über drei Stopps", erklärte Horner. "Vettel war schneller als wir, nachdem er Sainz für die dritte Position überholt hatte. Danach haben wir unseren schnellsten Fahrer auf ihn ausgerichtet. Das war Ricciardo."

Die großen Profiteure waren der zweite Red Bull-Mann und Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari. Ab der 45. Runde fochten die beiden einen Privatzweikampf aus. Vettel schloss trotz frischeren Reifen nicht auf und hielt stattdessen Ricciardo auf. "Wenn er früh an Vettel vorbei gekommen wäre, hätte Daniel noch eine gute Siegchance gehabt", meinte Horner. Übrigens war eine Zweistopp-Strategie laut Pirelli im Vorfeld die bessere Wahl. Auch Mercedes plante mit zwei Gummi-Wechseln. Sieben Fahrer bogen dreimal zu ihren Mechanikern ab. Ricciardo nach seinem Reifenschaden zwei Umläufe vor Schluss sogar viermal.

Wieso konnte Räikkönen nicht Verstappen angreifen?

Abgebrüht kochte Verstappen seinen Verfolger in der Schlussphase ab. Obwohl seine Medium-Reifen am Ende waren. "Es war wie auf Eis", berichtete der jüngste GP-Sieger der Geschichte. Doch Verstappen wusste, was zu tun war. Er hielt Räikkönen im letzten Sektor auf Abstand und nahm die Schlussschikane sauber. Die gute Traktion des Red Bull RB12 half.

Räikkönen kam am Ende der Zielgerade nie nah genug für einen Angriff. "Ich konnte in der Schikane nicht dran bleiben, weil ich Abtrieb hinter Max verlor", entschuldigte sich Räikkönen. Die Situation erinnerte an das Duell zwischen Pastor Maldonado und Fernando Alonso 2012. Damals schaffte es der Spanier ebenfalls nie nah genug ans Heck des Williams. "Max hatte immer mindestens sieben Zehntel Vorsprung nach der Schikane", resümierte ein zufriedener Teamchef.

Warum platzte bei Ricciardo der Reifen?

Die letzten Attacken von Ricciardo auf seinen Vordermann Vettel verhinderte ein defekter linker Hinterreifen. Der Australier schleppte seinen RB12 zwei Runden vor der Zielflagge zurück an die Box. Trotz des vierten Stopps reichte es zum vierten Platz. Weil der Abstand zu Valtteri Bottas riesengroß war. "Er hat vermutlich ein Trümmerteil aufgefasst", berichtete Horner.

Was ging bei Hülkenberg schief?

Nach 20 Umläufen war das Rennen für Nico Hülkenberg beendet. Der lange Rheinländer parkte seinen Force India am Streckenrund. Es qualmte hinter rechts aus der Verkleidung. Grund für den Defekt war ein Leck im Ölkreislauf.

Wieso bekam Sainz eine Verwarnung?

Carlos Sainz hatte einen starken Nachmittag. Rang sechs brachte ihm acht Punkte. Doch vor dem GP patzte der Spanier. Er wollte etwas voreilig aus der Boxenstraße fahren. Da war die Ampel noch auf Rot. Glücklicherweise bemerkte Sainz seinen Fauxpas, legte den Rückwärtsgang ein und wartete auf das grüne Signal. Die Rennleitung ließ Gnade walten und sprach nach dem Rennen eine Verwarnung aus.

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Max VerstappenRed Bull1:41.40,017 Std.
2. Kimi RäikkönenFerrari+ 0:00.616 Min.
3. Sebastian VettelFerrari+ 0:05.581
4. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:43.950
5. Valtteri BottasWilliams+ 0:45.271
6. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+ 1:01.395
7. Sergio PerezForce India+ 1:19.538
8. Felipe MassaWilliams+ 1:20.707
9. Jenson ButtonMcLaren+ 1 Runde
10. Daniil KvyatToro Rosso+ 1 Runde
11. Esteban GutierrezHaas+ 1 Runde
12. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
13. Jolyon PalmerRenault+ 1 Runde
14. Kevin MagnussenRenault+ 1 Runde
15. Felipe NasrSauber+ 1 Runde
16. Pascal WehrleinManor+ 1 Runde
17. Rio HaryantoManor+ 1 Runde
18. Romain GrosjeanHaasAusfall
19. Fernando AlonsoMcLarenAusfall
20. Nico HülkenbergForce IndiaAusfall
21. Nico RosbergMercedesAusfall
22. Lewis HamiltonMercedesAusfall
Neuester Kommentar

Im ersten Moment habe ich sofort Rosberg die Schuld am Umfall gegeben. Einfach aufgrund der Tatsache, dass er Hamilton genötigt hat den Kurs zu verlassen ("forcing another car of the track"). Dann war ich überrascht, dass Niki die volle Schuld sofort bei Hamilton sah. Und zugegebenermaßen hält Hamilton schon sehr optimistisch in eine immer kleiner werdende Lücke rein. Da hat er schon die Brechstange ausgepackt.

Wenn ich mir das Video des Starts aus Hamiltons Perspektive ansehe, weiß ich aber nicht, ob ich anders als Hamilton agiert hätte. Auch nach mehrmaligen Ansehen nicht. Eingangs der Kurve 3 (sieht man im Video sehr gut aus der Heli-Perspektive) haben beide Fahrzeuge ungefähr einen Abstand von 2,5 Fahrzeuglängen. Also der Abstand zwischen Rosberg und Hamilton ist sehr groß und es bietet sich definitiv kein Überholmanöver an. Hamilton fährt allerdings die für den Kurvenverlauf bessere Linie (sein Scheitelpunkt liegt weiter hinten, so dass er früher Gas geben kann). Das heißt auch ohne den falschen Motoren-Modi hätte Hamilton in dieser Kurve den Abstand verringert, aber mit Sicherheit hätte es nicht für ein Überholmanöver gereicht. Am Kurvenausgang beträgt der Abstand ungefähr zwei Fahrzeuglängen. Spätestens dann sollten beide Fahrer voll aufs Gas steigen. Allerdings besteht hier immer noch keine Überholmöglichkeit.

Diese Überholmöglichkeit ergibt sich erst Ende der Kurve, da Rosbergs Auto deutlich weniger Leistung auf die Straße bringt. Dadurch hat Hamilton einen Geschwindigkeitsüberschuss von ungefähr 17 km/h. Aufgrund des Geschwindigkeitsüberschuss hat Hamilton gar keine Chance auf das Zumachen der Tür seitens Rosberg zu reagieren. Er schießt förmlich neben Rosberg und ist bereits mit seinem Vorderrad auf Höhe von Rosbergs Hinterrad, bevor er die Strecke verlassen muss, um einen Crash zu verhindern. Selbst als Hamilton auf der Wiese angekommen ist hat er noch einen Geschwindigkeitsüberschuss und kommt mit seinem Vorderrad noch etwa bis zur Mitte von Rosbergs Cockpit.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass man mit einem technischen Problem (und damit mit einem deutlich langsameren Auto) die Tür nicht so dermaßen zuknallen kann wie Rosberg es getan hat. Bei einem Zweikampf mit ähnlich schnellen Autos finde ich das voll ok, da der Hintermann Zeit hat zu reagieren. Er kann bremsen (bzw. vom Gas gehen) und zurückziehen. Hier hatte Hamilton gar keine Chance zu reagieren. Hamilton wäre ja ohne Rosberg auch ganz normal auf der Strecke geblieben (anders als Kvyat der in China in eine Lücke reingeschossen ist, aber anschließend bis zum Kurvenrand getragen worden ist. Also die Kurve nicht erwischt hat).

70 % Rosberg (weil grob unsportlicher Move) und 30 % Hamilton (weil Brechstange).

PeterSchlosser 17. Mai 2016, 14:16 Uhr
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