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Rennanalyse GP Spanien

Schumi-Sieg am seidenen Faden

Foto: dpa 33 Bilder

Renault-Pilot Jarno Trulli glänzte als Schnellstarter, Sauber hängte McLaren-Mercedes ab und Michael Schumacher siegte trotz defektem Auspuff souverän. Der GP von Spanien hatte eine ganze Menge zu bieten.

10.05.2004

Selbst nach zwei Stunden Rennstress bei Gluthitze wirkt Michael Schumacher fast immer wie aus dem Ei gepellt. Als der Weltmeister in Spanien aus dem Ferrari kletterte, sah er aus wie einer, der richtig geschuftet hat, obwohl das Thermometer gerade mal auf 20 Grad stieg: Mit rotgeränderten Augen und ordentlich verschwitzt erschien Schumacher auf dem Podium. "Ich bin mental erschöpft", gab er nach dem 75. Sieg seiner Karriere zu.

Das große Zittern für Schumacher begann schon bald nach dem Start: "Der Auspuff ist gebrochen. Ab dem Moment habe ich gebetet, dass das Auto hält", erzählte er später. "Das Problem trat nach elf Runden auf", berichtete Technikchef Ross Brawn. "Danach wurde es immer schlimmer. Das Problem ist nicht der Auspuffkrümmer selbst, sondern die Hitze. In der Tat gab bei Michaels zweitem Boxenstopp ein kleines Feuer."

Im Cockpit malte sich Schumacher aus, was passieren kann, wenn 900 Grad heißes Abgas fast eine Stunde lang auf hochempfindliche, filigrane Teile bläst. "Gut möglich, dass dabei empfindliche Elektronikteile beschädigt werden."

Ein gebrochener Auspuff kann aber auch weitaus schlimmere Schäden verursachen. Die Querlenker und Spurstangen der Radaufhängung bestehen aus Kohlefaser-Verbundmaterial. Das ist zwar wesentlich leichter und widerstandsfähiger als Stahl, aber eben auch hitzeempfindlich. Dann verbiegen sich die Fahrwerksteile und schlimmsten Fall brechen sie oder die Laminierung löst sich auf. Vor fast genau vier Jahren musste beim GP von Monte Carlo wegen weich gegrillter Radaufhängung aufgeben.

Das Geheimnis der Renault-Blitzstarts

In Barcelona katapulierte sich Jarno Trulli mit einem Raketenstart (Trulli: "Das war hart an der Grenze zum Frühstart") zu den ersten Führungskilometern des Jahres für die Blaugelben. Im Beschleunigungs-Duell bis zur ersten Kurve ließ Trulli dem acht Meter vor ihm aus der ersten Reihe startenden Juan Pablo Montoya keine Chance. Und auch Michael Schumacher wurde überrumpelt. "Plötzlich war der Trulli neben mir", staunte der Weltmeister.

Etwas weiter hinten im Feld nutzte Fernando Alsonso den technischen Fortschritt, den sein Auto bietet. Der Spanier schob auf den ersten paar hundert Metern von Rang acht auf Platz sechs. Zum Vergleich: Die Williams-BMW verloren jeweils an Boden: Juan Pablo Montoya fiel zurück von zwei auf vier, Ralf Schumacher wurde von der sechsten auf die neunte Position durchgereicht. Betrüblich für Williams, denn vor noch nicht allzu langer Zeit galten die weißblauen Autos als die besten Starter.

Die Antrittsstärke der Renault auf den ersten Metern hat handfeste technische Gründe: Die Gewichtsverteilung der R24 ist hecklastig. Das verbessert die Traktion auf den ersten Metern, wie jedermann weiss, der schon einen Kavaliersstart mit einem Porsche 911 praktiziert hat.

Zudem hat Renault es wohl am besten verstanden, das Verbot der im letzten Jahr noch erlaubten Startautomatik (Launch-Control) zu kompensieren. Dabei spielt auch die hervorragende Fahrbarkeit des neuen 72-Grad-Motors eine wichtige Rolle. Beim drehmomentstarken Renault V10 wird schon bei rund 8.000 Umdrehungen eingekuppelt. So vermeidet man allzuviel Schlupf.

Sauber bügelt McLaren

Sauber-Petronas feierte in Barcelona zwei Punkte - und eine Premiere: Zum ersten Mal in ihrer 184 Rennen dauernden GP-Karriere gelang es dem Schweizer Team, mit beiden Autos beide McLaren-Mercedes hinter sich lassen, und zwar regulär, ohne von Ausfällen oder Technik-Zores der Gegner zu profitieren. Technikchef Willy Rampf streute noch Salz in die silberne Wunde: "McLaren ist für uns nur ein Gegner wie jeder andere."

Mit dem siebten Rang holte Giancarlo Fisichella das beste Ergebnis des Jahres für die Schweizer. Felipe Massa wurde Neunter. Der Italiener hatte wenig Mühe, das Tempo des vor ihm fahrenden Juan Pablo Montoya im Williams-BMW mitzugehen.

Schlüssel zum Erfolg für Sauber war die Boxenstrategie "Dabei haben wir die Taktik erst während des Rennens geändert", berichtete Rampf nach dem Rennen. Sauber ging von drei Stopps auf zwei Boxenhalte, eine Strategie, die sonst nur Rubens Barrichello wählte. Durch das geschickte Timing gelang es, beide Autos weitgehend unbehelligt durch den Verkehr zu schleusen.

"2004 ist wieder einmal ein Jahr, in dem die Qualität des Team-Caterings besser ist als diejenige des Autos", hatte Teamchef Peter Sauber kürzlich bei einer Abendeinladung halb im Ernst, halb im Spaß, Nach dem Barcelona-Resultat muss der Chef des 285 Köpfe zählenden Teams sein Urteil revidieren.

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