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Rennanalyse GP Türkei

Titelkampf neu entfacht

Foto: dpa 44 Bilder

Fünftes Rennen, vierter Sieg: Ferrari scheint mit dem WM-Titel auf und davon zu fahren, und Felipe Massas dritter Sieg in Folge in Istanbul brachte den Brasilianer zurück in das Titelrennen. Er liefert sich mit seinem Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen ein Pingpong-Spiel.

11.05.2008 Michael Schmidt

„Einmal gewinnt Kimi, einmal ich. Es tut gut, dass ich den Abstand um vier Punkte verkürzen konnte. Ich fühle mich stark genug auf jeder Strecke zu gewinnen“, machte sich Massa Mut. Räikkönen verspielte seine Chancen durch einen Fehler im Training und einen mittelprächtigen Start. „Es war das erste Mal, dass wir beim Start Plätze verloren haben“, stellte Ferrari-Teammanager Luca Baldisseri fest. „Ich wollte einen Crash mit Kovalainen verhindern“, entschuldigte sich Räikkönen. Trotzdem kam es zu einer leichten Berührung, die den Ferrari ein paar Karbonteile am Frontflügel kostete und Kovalainen zu einem unplanmäßigen Reifenwechsel an die Boxen zwang.

Wie steht es um Kovalainen?

McLaren-Mercedes redete nach dem Rennen oft im Konjunktiv. Kovalainen, von seinem Barcelona-Crash bestens genesen, hätte ohne die Kollision mit seinem Landsmann gewinnen können, auch wenn es sein 12. Platz im Endklassement nicht vermuten lässt. Der Finne hatte mehr Benzin an Bord als jeder andere Fahrer um ihn herum. „Den Rest des Rennens“, stöhnte Kovalainen, „steckte ich meistens im Verkehr. Es war eine weitere vergebene Chance.“

Warum musste Hamilton die Dreistoppstrategie wählen?

Lewis Hamilton haderte mit seiner Trainingsrunde und dem Reifenproblem, das ihn immer in Istanbul befällt. Sein aggressiver Fahrstil in Verbindung mit dem extrem auf den Frontflügel getrimmten McLaren belasten in der 250 km/h schnellen Kurve acht den rechten Vorderreifen so stark, dass er schon im Training Auflösungserscheinungen zeigte. 2007 war Hamilton aus diesem Grund ein Reifen geplatzt. McLaren wollte eine Wiederholung unter allen Umständen vermeiden. „Wir waren aus Sicherheitsgründen zu einer Dreistoppstrategie gezwungen“, bedauerte Teamdirektor Martin Whitmarsh. „Bridgestone schrieb uns maximale Laufzeiten vor, aber ich wollte mehr auch nicht verantworten.“ Lewis Hamilton ergänzte: „Nach Heikkis Unfall in Barcelona waren wir natürlich besonders sensibilisiert.“

Der Engländer behielt den rechten Vorderreifen das ganze Rennen über im Auge. „Immer wenn ich Vibrationen spürte, habe ich besonders aufgepasst.“ Unter den Umständen musste Hamilton mit Platz zwei noch zufrieden sein. „Wäre ich im Training besser gefahren und von der Pole Position gestartet“, rechnete er vor, „hätte ich trotz des Handikaps gewinnen können.“ Luca Baldisseri von Ferrari dagegen meinte: „Wenn Hamilton im Mittelabschnitt Massa nicht kurzzeitig überholen hätte können, hätten wir wieder einen Doppelsieg gefeiert. Es ging zwischen Lewis und Kimi um ein, zwei Sekunden.“

Wer kann mit Ferrari mithalten?

Hamilton zog nach seinem zweiten Platz ein positives Fazit: „Wir haben auf McLaren aufgeholt. Whitmarsh präzisiert: “Wir verlieren weiter in den langsamen Passagen auf Ferrari. Da in Istanbul der Anteil der schnellen Kurven größer ist als in Barcelona, waren wir näher an Ferrari dran.„

Genau das machte BMW im Konzert der großen Drei chancenlos. Die weißblauen Autos kommen besser mit den langsamen Kurven zurecht. “Dafür, dass der Kurs von Istanbul unserem Auto nicht besonders liegt, sind wir mit neun WM-Punkten noch gut davongekommen„, zog der Viertplazierte Robert Kubica Bilanz. Kollege Nick Heidfeld schloss sich der Meinung von Kubica an: “Angesichts Startplatz neun muss ich mit dem fünften Rang am Ende zufrieden sein. Mehr ging heute nicht.„ Kubica kann es jetzt gar nicht erwarten, nach Monte Carlo zu kommen. “Da sollte unser Auto seine Stärken ausspielen können, und vielleicht schlägt da meine Stunde.„

Verfolgerfeld klar strukturiert

Im Verfolgerfeld haben sich Renault und Red Bull klar von Williams und Toyota abgesetzt. Fernando Alonso freut sich, dass der Aufwärtstrend von Renault in Istanbul untermauert wurde. Bei seinem Heimspiel in Barcelona war ihm noch ein Motorschaden dazwischengekommen. Wie in Spanien wollte Alonso mit wenig Benzin an Bord den Störenfried im Konzert der Großen spielen. “Leider hat er in seiner Trainingsrunde einen Fehler gemacht, sonst wäre er beim Start weiter vorne gestanden„, ärgerte sich Teamchef Flavio Briatore. Auch diesmal entschied sich Renault für eine aggressive Strategie. “Inzwischen haben die meisten Teams begriffen, dass man mit viel Benzin an Bord von Startplatz neun oder zehn keinen Blumentopf mehr gewinnt„, resümierte Alonso.

Nach einem guten Training war Mark Webber über seine vierte Punkteplatzierung in Folge fast ein wenig enttäuscht. Dabei hatte der Australier noch nie eine solche Serie, seit er 2002 in der Formel 1 debütiert hat. “Ich versuchte Alonso zu folgen, aber er war eine Spur zu schnell für mich„, fluchte Webber. “Weil Rosberg keine echte Bedrohung darstellte, bin ich im Mittelteil des Rennens fast ein bisschen eingeschlafen.„ Webber lobt dennoch den Fortschritt, den Red Bull stetig macht. “Vom reinen Speed her waren wir an der Spitze noch nie so nah dran.„

Die gute Form der Red Bull beunruhigt Nico Rosberg. “Ich war jede Runde am Limit, sonst hätte ich den Punkt nicht geholt. Renault und Red Bull sind klar an uns vorbeigezogen. Wir müssen unbedingt reagieren, sonst wird es bald eng für uns. Positiv ist, dass jetzt mit Monte Carlo und Montreal zwei Strecken folgen, die unserem Auto eigentlich liegen sollten.„

Was war mit den Deutschen los?

Für den Rest der Deutschen war Istanbul keine Reise wert. Timo Glock brachte auch eine Einstoppstrategie nicht nach vorne. Er startete von Platz 15 und beendete das Rennen als 13. „Ich hätte schneller fahren können, steckte aber meistens hinter einem langsamen Fahrzeug.“ Sebastian Vettel und Adrian Sutil hatten erneut eine Kollision, die beide nach einer Runde an die Boxen zwang. „Ich sage jetzt lieber gar nichts, sonst verbrenne ich mir nur den Mund“, erklärte Vettel. Zwischen ihm und Sutil war es nach der Karambolage in Barcelona zu bissigen Kommentaren gekommen. Den gab diesmal Vettels Teamkollege Sebastien Bourdais ab, der die Szene von einem Logenplatz aus beobachtete. „Sutil startete ein unmögliches Manöver und stach in eine Lücke, die es nicht gab.“

Vettel musste insgesamt vier Mal an die Box. Der erste Stopp galt dem platten linken Hinterreifen nach dem Zwischenfall mit Sutil. Der zweite und dritte ging auf das Konto eines missglückten Tankstopps. „Es floss kein Benzin. Ich hatte Glück, dass noch Sprit für eine Extrarunde im Tank warf“, erzählte Vettel. In der zweiten Rennhälfte holte er 29 Sekunden auf Sutil auf, doch im Heck des Force India war dann Endstation. „Er war auf der Geraden zu schnell.“ Die ToroRosso-Piloten blicken dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Ab dem GP Monaco gibt es das neue Auto. Das Schwesterteam Red Bull hat gezeigt, was damit möglich ist.

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