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Rennanalyse GP Ungarn 2010

Kobayashi aus der letzten Reihe in die Punkte

Kamui Kobayashi Foto: xpb 32 Bilder

Das Rennen in Ungarn war reich an Höhepunkten. In unserer Rennanalyse werfen wir noch einmal einen Blick auf die entscheidenden Szenen und beantworten offene Fragen. Im Mittelpunkt aller Strategie-Überlegungen stand wieder einmal das Safety-Car.

02.08.2010 Tobias Grüner

Warum kam das Safety-Car überhaupt auf die Strecke?

Im Fernsehen war kaum zu erkennen, warum die FIA in der 15. Runde das Safety-Car ins Spiel brachte. Erst nach dem Rennen lüftete sich das Geheimnis. Tonio Liuzzi hatte Teile seines Force India verloren. "Ich bin schon in der ersten Kurve mit Michael Schumacher kollidiert", erklärt der Italiener den Auslöser der Probleme.

Danach kämpfte Liuzzi nach eigener Auskunft mit starkem Untersteuern, wodurch auch Button und Kobayashi durchschlüpfen konnten. "Dann habe ich plötzlich die Endplatte meines Frontflügels verloren und ich musste mir an der Box eine neue Nase holen." Die FIA versuchte das Problem zunächst durch gelbe Flaggen zu regeln. Doch die Stelle (Kurve 11), an der Liuzzi die Carbon-Teile verstreute, ließ keine Bergung durch die Streckenposten zu.

Wie kämpfte sich Kamui Kobayashi aus der letzten Startreihe in die Punkte?

Nach dem frühen Quali-Aus und der Strafe für das verpasste Wiegen musste Kamui Kobayashi den GP Ungarn aus der letzten Reihe starten. Mit dem Messer zwischen den Zähnen machte er im Rennen allerdings 14 Positionen gut und wurde am Ende noch mit zwei WM-Punkten belohnt. Im Chaos aus Crashs und Strafen ging die bravouröse Aufholjagd fast ein wenig unter. Und das auf einer Strecke, auf der Platzierungswechsel nur selten vorkommen.

Den Grundstein für den neunten Platz legte Kobayashi schon am Start. Er überholte auf den ersten vier Kilometern nicht nur die fünf vor ihm gestarteten Piloten aus den neuen Teams, sondern auch noch die beiden Toro Rosso. "Dass Kamui ein guter Starter ist, wussten wir schon, aber was er heute abgeliefert hat, war schlicht großartig", applaudierte Peter Sauber im Ziel. Damit war der Hunger des Japaners aber noch nicht gestillt.

In Runde drei überholte er Tonio Liuzzi, der mit einem beschädigten Frontflügel kämpfte. Im Boxenchaos der Safety-Car-Phase rückte Kobayashi noch vier weitere Plätze nach vorne. Sutil und Kubica hatten sich gegenseitig eliminiert, Rosberg musste seinen Silberpfeil auf drei Rädern abstellen. Bei Michael Schumacher dauerte der Boxenstopp fünf Sekunden länger, weil die Mercedes-Crew das gleiche Schicksal verhindern wollte. "Das war wichtig, weil mich sonst am Ende Rubens Barrichello noch geschnappt hätte", erklärte Kobayashi. Der Brasilianer war auf einer anderen Strategie unterwegs und wurde somit das letzte Opfer des Sauber-Piloten.

Warum war Barrichello so viel schneller als Schumi?

Das Überholmanöver von Rubens Barrichello gegen Michael Schumacher war das große Thema im Fahrerlager. Alle Experten, die nicht gerade einen Mercedes-Stern auf der Brust trugen, waren sich einig, dass der Rekordchampion unnötiges Risiko eingegangen ist. Doch warum konnte Barrichello auf einer Strecke überholen, auf der man eigentlich gar nicht überholen kann?

Das Geheimnis liegt in den Reifen: Als einer der wenigen Piloten startete der Williams-Pilot auf harten Gummis. Nachdem er in der Safety-Car-Phase auf einen Wechsel verzichtet hatte, gelang es ihm jedoch nicht, eine Lücke zu seinen Verfolgern herauszufahren. "Die Taktik ging leider nicht wie gewünscht auf", gestand auch Technikchef Patrick Head. "Am Ende haben wir ihn früher als geplant reingeholt, um den Vorteil der weichen Reifen noch für ein paar Runden länger auszunutzen."

Der Schlussspurt gelang: Barrichello fuhr innerhalb von nur drei Runden einen Acht-Sekunden-Rückstand auf Schumacher zu. Als der Deutsche dann in der Zielkurve etwas ins Rutschen geriet nutzte Barrichello den Grip seiner frischen weichen Reifen, um den Silberpfeil auszubeschleunigen. Im Ziel betrug die Lücke zwischen den beiden Piloten fast 20 Sekunden. Mit einer Runde mehr hätte Barrichello sogar noch Kobayashi angreifen können.

Warum ging die Webber-Taktik auf?

Wer auf dem Hungaroring als Dritter in die erste Kurve einbiegt, kann sich eigentlich keine Hoffnungen auf den Sieg machen. Mark Webber gelang das Kunststück trotzdem. Mit etwas Safety-Car-Glück, einer fehlerfreien Fahrt und einer perfekten Strategie sicherte sich der Australier den vierten Saisonerfolg. Die Strategie wurde innerhalb von Sekunden entschieden. Kurz vor der Boxeneinfahrt erhielt der neue WM-Spitzenreiter das Kommando, auf der Strecke zu bleiben.

"Nach der vorletzten Kurve habe ich zu mir gesagt: Komm Fernando, bitte geh an die Box, bitte bieg ab. Dann könnte ich wenigstens was versuchen. Als er tatsächlich abbog, war mir klar, dass ich nun einen Boxenstopp auf der Strecke herausfahren muss." Durch den Speedvorteil des Red Bull war das theoretisch kein Problem, 20 Sekunden in den letzten 50 Runden zu gewinnen.

Die Frage lautete nur, wie der Reifen das Langzeitexperiment überstehen würde. "Im Training hat man keine Chance, so etwas zu testen. Vor allem der linke Vorderreifen hat die letzten zehn Runden keinen Spaß gehabt", berichtet Webber. Am Ende ging die Strategie auf. Mit der Durchfahrtsstrafe für Sebastian Vettel wurde dem 33-Jährigen sogar der Sprung ganz oben auf das Treppchen ermöglicht.

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