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Rennanalyse GP Ungarn 2011

Warum kann Red Bull nicht mehr gewinnen?

Button Vettel - GP Ungarn - Formel 1 - 31.7.2011 - Highlights Foto: xpb 35 Bilder

Was für ein Thriller. 88 Boxenstopps, mehr Überholmanöver als man zählen kann. Erst nass, dann trocken und zwischendurch zwei kurze Schauer. Jenson Button behielt in dem Chaos den Überblick. Sebastian Vettel baute die WM-Führung aus, obwohl er nur Zweiter wurde. Wir erklären ihnen, was am Hungaroring wirklich passiert ist.

31.07.2011 Michael Schmidt

Wie verschenkte Lewis Hamilton den Sieg?

Lewis Hamilton war der schnellste Mann auf der Strecke. Der Nürburgring-Sieger führte in Runde 45 komfortabel mit 6,3 Sekunden Vorsprung auf Jenson Button. Doch dann drehte sich das Blatt. Und Hamilton war selbst schuld daran. Ein kleiner Regenschauer hatte die Schikane eingeseift. Der Spitzenreiter passte nicht auf und stand plötzlich verkehrt herum im Verkehr.

Erster Fehler: Ohne Rücksicht auf Verlust drehte er das Auto um 180 Grad. Rubens Barrichello und Paul di Resta wurden zu wilden Ausweichmanövern gezwungen. Das zog später eine Durchfahrtstrafe nach sich. Als der Nieselregen nachließ und der Grip wieder besser wurde, pirschte sich Hamilton wieder an Button heran und lieferte sich mit dem Teamkollegen ein unglaubliches Duell. Fünf Mal wechselten die Positionen, weil mal der eine, mal der andere die Auslaufzonen testete. Der Regen war wieder stärker geworden.

Zweiter Fehler: Die Box wies beide Fahrer zum Wechsel auf Intermediates an. Hamilton verließ sich auf seinen Ingenieur, Button auf sein Gefühl. Game over. Nach zwei Runden wusste Hamilton, dass Intermediates die falsche Wahl waren. Der Regen ließ wieder nach. Also noch einmal an die Box, zurück auf Slicks. Zwei Runden später saß er seine Durchfahrtstrafe ab. Insgesamt brachte Hamilton 1.59,2 Minuten in der Boxengasse zu, Button nur 1.02,9 Minuten. So kann kann man gegen einen annähernd gleich starken Stallrivalen nicht gewinnen.

Es stellt sich aber auch die Frage, ob Hamilton ohne die unnötige Reifenwechslerei und die Strafrunde durch die Boxengasse gewonnen hätte. Wahrscheinlich nicht. Er holte sich in Runde 40 seinen dritten Satz "supersoft" ab. Button wechselte zwei Runden später auf die härteren Gummis. Und fuhr damit bis zum Ende durch. Hamilton hätte noch einmal Reifen tauschen müssen. Von "supersoft" auf "soft". Also im Vergleich zu Button ein Stopp mehr. Und das Reifenbild bei den Stopps davor zeigte, dass Hamilton seine Walzen härter beansprichte als Reifenflüsterer Button. In den jeweils letzten Runden seiner Turns hätte er demnach wieder Zeit verloren.

Warum kann Red Bull nicht mehr gewinnen?

Sebastian Vettel lag immer auf Schlagdistanz zur Spitze. Ein kluger Schachzug seinerseits, ein Fehler von Jenson Button andererseits, und er hätte seinen siebten Saisonsieg feiern können. Doch Button tat ihm nicht den Gefallen. Eher das Gegenteil. Red Bull holte Vettel bei den ersten beiden Stopps jeweils eine Runde zu spät an die Boxen. So kam Button nach dem ersten Reifenwechsel an ihm vorbei. Und er konnte nach dem zweiten den Spieß nicht umdrehen. Der GP Ungarn hat aber auch gezeigt, dass Red Bull nur noch auf eine Runde den Speed hat, McLaren zu schlagen. Und dann muss Vettel im Auto zaubern. Über eine Renndistanz haben McLaren und Ferrari die Titelverteidiger an der Spitze abgelöst. Das belegt die fünftschnellste Rundenzeit für Vettel im Rennen. Die Red Bull brauchen länger die Reifen aufzuwärmen, und sie brechen aber auch früher wieder ein.

Es auf das kalte Wetter zu schieben, wäre zu einfach. McLaren hat davon vielleicht profitiert. Ferrari sicher nicht. Dass Fernando Alonso hinter Vettel ins Ziel kam lag daran, dass sich der Spanier 30 Runden lang hinter Mark Webber anstellen musste. Da war vorne der Zug abgefahren. Von Runde 37 bis 70 holte Alonso neun Sekunden auf Vettel auf und baute dabei noch einen Dreher ein, der ihn vier Sekunden gekostet hat. Bei Vettel traten am Ende des Rennens wieder Bremsprobleme auf, die ihn schon am Nürburgring genervt hatten. Trotz Platz zwei baute er seine WM-Führung aus. Die Verfolger machen es ihm leicht. Mal gewinnt Button, mal Alonso, mal Hamilton. Trotzdem machte der Weltmeister ein ernstes Gesicht: "McLaren ist sehr, sehr stark. Und auch Ferrari hat aufgeholt. Wir müssen herausfinden warum. Und wir müssen bei uns selbst nachschauen, wo die Probleme liegen."

Hatte Ferrari eine Siegchance?

Ferrari verspielte die Siegchancen eigentlich schon im Training. Von Startplatz fünf läuft man Gefahr, beim Start hinter langsamere Autos zu fallen. Was prompt passierte. Acht Runden lang kurvte Nico Rosberg vor Alonsos Nase herum. Zwischenzeitlich sogar Felipe Massa. Als der Spanier endlich die Verfolgung der beiden McLaren und Vettel aufnahm, hatte er schon elf Sekunden Rückstand.

Dann passierte das nächste Missgeschick. Red Bull manövrierte Mark Webber durch einen frühen Wechsel von Intermediates auf Slicks an Alonso vorbei. Worauf der Ferrari-Pilot bis Runde 39 in den Auspuff des Red Bull blickte. Alonso war schneller, kam aber auf der Strecke nicht vorbei. Trotz DRS. "Mir fehlte der Speed in der Zielkurve. Mein Auto untersteuerte dort. Ich kam nie richtig an Mark heran." Ferrari brachte Alonso nur auf Kosten eines zusätzlichen Boxenstopps an dem Hindernis Webber vorbei. Da betrug der Rückstand auf Button aber schon 20,6 Sekunden. Keine Chance, das aufzuholen. "Platz zwei wäre vielleicht noch dringelegen, hätte ich in Runde 58 nicht eine weiße Linie getroffen, die noch nass war." Der Dreher kostete Alonso vier Sekunden.

Wieso landete Mercedes erneut hinter Force India?

Bis zur 50. Runde kämpfte Nico Rosberg mit Felipe Massa um Platz sechs. Dann holte Mercedes seinen Fahrer wegen eines kurzen Regenschauers zum Wechsel auf Intermediates an die Box. "Es war eine enge Kiste", gab Alonso zu. "Auch wir wären fast an die Boxen gekommen." Rubens Barrichello bestätigte: "Die Strecke war arschglatt, besonders in den Kurven zwei, drei und vier." Rosberg und seine Leidensgenossen Lewis Hamilton, Mark Webber, Vitaly Petrov, Rubens Barrichello, Adrian Sutil, Pastor Maldonado, Jérôme d‘Ambrosio, Heikki Kovalainen und Vitantonio Liuzzi mussten den Fehler kurz darauf wieder korrigieren lassen.

Unverständlich ist nur, warum Mercedes Rosberg vier Runden lang falsch bereift um den Kurs rudern ließ. Hamilton und Webber wechselten schon nach zwei Runden wieder auf Slicks zurück. In der Nassphase war Rosberg nur ein Mal schneller als sein direkter Gegner Massa, der auf Slicks weiterfuhr. Der zusätzliche Boxenstopp brachte zu allem Überfluss auch noch Paul di Resta vorbei. Der Schotte hatte in der 42. Runde auf die Marke "soft" gewechselt und schlug sich wacker durch die Regenperiode. Die Entscheidung, auf Slicks im Regen auszuharren, fällte übrigens der Fahrer selbst. Vielleicht hätte Rosberg auch das Kommando ergreifen sollen.

Wo waren die Reifenflüsterer Sauber und ToroRosso?

Für Sauber war es schlicht zu kalt. So konnte die Ein-Stopp-weniger-Taktik nicht funktionieren. "Wir haben weder die Intermediates, die weichen und die extraweichen Reifen auf Temperatur gebracht", fluchte Peter Sauber. Und dann brach auch noch der weiche Reifensatz, den Kamui Kobayashi in der 12. Runde verpasst bekam, überraschend früh ein. "Wir wollten ihn bis Runde 40 drauflassen, aber die Rundenzeiten wurden so langsam, dass wir Kamui in der 34. Runde reinholen mussten", erklärte Teammanager Beat Zehnder.

Bei ToroRosso dagegen lief nach einem enttäuschenden Training alles am Schnürchen. Beide Autos landeten in den Punkterängen. Es passte alles: Das Timing der Boxenstopps, die Reifenfolge Intermediate-supersoft-soft-soft, der Speed und die Form der Fahrer. Weder Sebastien Buemi noch Jaime Alguersuari leisteten sich gravierende Fehler.

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