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Rennanalyse GP Ungarn 2013

Hat Mercedes jetzt die Reifen kapiert?

Lewis Hamilton - GP Ungarn 2013 Foto: Wilhelm 65 Bilder

In unserer Rennanalyse klären wir die offenen Fragen des GP Ungarns: Wem haben die neuen Reifen geholfen? Waren die Strafen berechtigt? Wie viel verlor Vettel durch seinen Flügelschaden? Und warum öffnete sich bei Alonso illegalerweise das DRS?

28.07.2013 Tobias Grüner

Warum gingen bei Mercedes die Reifen nicht ein?

Obwohl Lewis Hamilton auf Pole Position stand, war der Brite für den Sieg nur ein Außenseitertipp. Schon in Silverstone und am Nürburgring ging er von ganz vorne ins Rennen. Aber immer kam Reifen-Ärger dazwischen. Wegen der heißen Bedingungen war man vor dem Rennen selbst im Mercedes-Camp zurückhaltend mit Prognosen. "Wir wussten wirklich nicht, wie gut die Reifen halten würden", gab Teamchef Ross Brawn nach der Zieldurchfahrt zu.

Dass die Gummis dennoch ihren Job erfüllten, hatte mehrere Gründe. Die Silberpfeile arbeiteten das ganze Wochenende verbissen an einem reifenschonenden Rennsetup - offenbar erfolgreich. Dass Hamilton im Rennen die meiste Zeit an der Spitze frei fahren und sich den Speed einteilen konnte, half ebenfalls. Der Hungaroring kommt zudem ohne schnelle Kurven aus, was die Reifentemperaturen trotz der Asphalt-Hitze in Grenzen hielt.

Und dann kommen Mercedes sicher auch die neuen Pirelli-Gummis zu Gute. Durch den Kevlar-Ring im Inneren heizen sie sich nicht so stark auf wie die alten Slicks, die noch in den ersten acht Rennen zum Einsatz kamen. Im Schnitt sind sie knapp 10 °C kühler. "Wir sind noch nicht über den Berg", warnte Brawn. "Man kann diese Reifen nie ganz verstehen. Aber wir verstehen sie jetzt wenigstens etwas mehr."

Wer ist durch die neuen Reifen benachteiligt?

Nach dem ersten Grand Prix mit der neuen Reifengeneration kristallisieren sich bereits 3 Verlierer der Pirelli-Änderung heraus: Ferrari, Toro Rosso und Force India. Normalerweise ist Ferrari im Rennen deutlich schneller unterwegs als im Qualifying. In Ungarn waren die Roten in beiden Disziplinen nur vierte Kraft. "Mercedes wurde im Rennen besser, wir schlechter. Für mich liegt das an der Rückkehr zu den 2012er Reifenkonstruktionen", klagte Felipe Massa.

Auch Toro Rosso hing im Rennen ungewöhnlich weit zurück. Wie die Ingenieure vermuten, spielt hier offenbar die Aerodynamik verrückt. In der Sommerpause müssen die Designer auf die geänderte Form der Hinterreifen reagieren. Dritter Verlierer ist Force India. Das reifenschonende Auto bringt die neuen Gummis selbst bei 50°C Asphalttemperatur nur schwer ins Arbeitsfenster. Bei kühleren Rennen könnte sich das sogar noch dramatischer auswirken.

Waren die Strafen gegen Grosjean berechtigt?

Grosjean stand in Ungarn gleich zwei Mal im Fokus der FIA-Stewards. In Runde 24 legte er sich mit Jenson Button vor der Schikane an. Beim Überholmanöver drückte der Franzose den McLaren so weit nach außen, dass es zur Kollision kam. "Ich hätte nur noch aufs Gras gekonnt", schimpfte Button. Nach dem Rennen setzte es eine 20-Sekunden-Strafe. "Die geht in Ordnung. Ich habe mich schon bei Jenson entschuldigt", gab Grosjean kleinlaut zu.

Der zweite Fall in Runde 29 war nicht so eindeutig. Beim Überholmanöver gegen Felipe Massa rutschte Grosjean in Kurve 4 neben die Strecke. Die Rennleitung kannte keine Gnade und sprach direkt eine Durchfahrtsstrafe aus, weil Grosjean den Platz nicht zurückgegeben hatte. "Er ist nur so weit rausgefahren, um Felipe Platz zu lassen", klagte Lotus.Chefingenieur Alan Permane. Selbst Massa hatte Mitleid: "Das ist zu hart. Für mich war das Manöver in Ordnung."

Warum geriet Alonsos 5. Platz nach dem Rennen noch in Gefahr?

Für Fernando Alonso gab es nach der Zieldurchfahrt noch Ärger. Die FIA-Stewards hatten auf den Telemtrie-Daten erkannt, dass der Spanier drei Mal DRS benutzt hatte, als es eigentlich nicht erlaubt war. Normalerweise sollte der Heckflügel gar nicht hochklappen können, wenn das System deaktiviert ist. Die Ferrari-Ingenieure mussten den Regelhütern deshalb genau erklären, wie es dennoch möglich war.

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass die italienischen Techniker vergessen hatten, die Software vom Qualifikationsmodus in den Rennmodus umzuschalten. Als Ferrari den Fehler bemerkte, wurde Alonso angewiesen, DRS nur noch nach Erlaubnis über Funk zu benutzen. Die FIA berechnete, dass der Vorteil durch die 3 illegalen Aktivierungen weniger als eine Sekunde betrug. Deshalb durfte Alonso seinen Platz behalten. Weil Ferrari allerdings einen Fehler bei den Einstellungen gemacht hatte, setzte es für das Team eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro.

Wie viel kostete Vettel der Frontflügelschaden?

Beim etwas ungestümen Versuch, Jenson Button zu überholen, verhakte sich Sebastian Vettel mit dem Frontflügel im Hinterrad des McLarens. Dabei blieb ein Teil der Endplatte auf der Strecke. "Mein Fehler", gab der Heppenheimer nach dem Rennen zu. Nach Berechnungen von Teamchef Christian Horner kostete die gestörte Aerodynamik rund eine halbe Sekunde pro Runde.

Die Auswirkungen waren aber eigentlich noch größer: Vettel bekam durch den verringerten Anpressdruck auf der Vorderachse Untersteuern, wodurch die Reifen mehr belastet wurden. Außerdem kämpfte er in den Zweikämpfen mit stumpfen Waffen. Dadurch hing er noch länger im Verkehr fest als sowieso schon. Das ständige Hinterherfahren in der verwirbelten Luft verstäkte den Reifenverschleiß zusätzlich.

Warum war Nico Hülkenberg in der Boxengasse zu schnell?

Seit dem Rennen in Budapest gilt in der Boxengasse ein verschärftes Tempolimit von 80 km/h. Doch Nico Hülkenberg wurde mit 82,6 km/h geblitzt. Wie konnte das passieren? "Den Fehler nehme ich auf meine Kappe", erklärte der Pilot später. Als Hülkenberg nach dem zweiten Reifenwechsel den Speed-Limiter aktivierte, verweigerte das System das Hochschalten in den zweiten Gang.

Beim Versuch irgendwie die Fahrstufe zu wechseln, nahm Hülkenberg den Finger vom Begrenzer. "Und schon ging es ab. Da bist Du gleich über 80 km/h", berichtete der Rheinländer später. Von der Rennleitung gab es für den Fauxpas die obligatorische Durchfahrtsstrafe, die den Sauber aus den Punkterängen warf.

In unserer Bildergalerie haben wir die Fotos eines aufregenden Rennens.

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