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Rennanalyse GP USA 2012

Wild West-Duell auf Augenhöhe

Lewis Hamilton GP USA 2012 Foto: McLaren 66 Bilder

In Austin kämpften Sebastian Vettel und Lewis Hamilton auf einem Niveau. In unserer Rennanalyse erklären wir, was am Ende den Ausschlag im Zweikampf gegeben hat und beantworten die letzten offenen Fragen des Wild West-Duells.

19.11.2012 Michael Schmidt

Warum hat Vettel gegen Hamilton verloren?

Sebastian Vettel und Lewis Hamilton klebten 53 von 56 Runden wie Kletten zusammen. Nur in den ersten drei Runden hing Mark Webber dazwischen. Und was gab am Ende den Ausschlag? Hamilton bilanziert: "Wir waren ungefähr gleich schnell. Ich kam nur etwas besser durch den Verkehr als Sebastian." Der erste Teil des Duells ging an Vettel. Auf den Medium-Reifen kam Hamilton zunächst von 2,7 auf 0,9 Sekunden heran, doch dann ließen die weicheren Sohlen am McLaren nach. Die Lücke öffnete sich bis Runde 19 wieder auf 3,2 Sekunden.

"Wir haben Lewis deshalb etwas eher an die Boxen geholt, weil wir Angst um seine Reifen hatten", berichtet McLaren-Chef Martin Whitmarsh. Auf den harten Gummis ging der McLaren besser. Whitmarsh: "Das haben wir schon im Freitagstraining festgestellt." Hamilton fuhr den brandneuen Reifensatz weniger aggressiv an als Vettel, ließ sich von 1,5 auf 2,5 Sekunden zurückfallen, bevor er zur Attacke blies. Ab der 33. Runde hatte Hamilton den Rückstand auf DRS-Distanz verkürzt. Unter eine Sekunde.

Es dauerte aber trotzdem noch zehn Runden bis er vorbeikam. Für einen Angriff lag er zu Beginn der Geraden immer eine Spur zu weit zurück. Dann spielte ihm Narain Karthikeyan einen Steilpass zu. Vettel lief auf den Inder zu Beginn des Geschlängels auf und musste sich von Kurve 2 bis Kurve 7 hinter dem HRT anstellen. Erst in Kurve 8 kam er vorbei. Da hing Hamilton bereits voll im Windschatten. Vettel: "Ich hatte jetzt nur noch eine Kurve, um mich von Lewis wieder abzusetzen. Das war zu wenig. Als Lewis mit offenem Flügel anflog, wusste ich, dass Widerstand zwecklos war. Egal, welche Seite ich ihm zumache. Er fährt an mir mit viel mehr Top-Speed vorbei."

Der Red Bull-Pilot gibt Karthikeyan die Schuld, dass er das Rennen nicht gewonnen hat. "Ohne ihn hätte ich Lewis hinter mir gehalten." Karthikeyan wehrt sich gegen Vettels Vorwürfe: "Im Fahrerbriefing hat uns Charlie Whiting ganz klar erklärt, dass wir im ersten Teil des Geschlängel keinen vorbeilassen müssen. Du bist so schnell dort, dass es gar nicht möglich ist. Ich hätte neben die Ideallinie in den Dreck rausfahren müssen. Charlie hat uns angewiesen, dass wir für schnellere Fahrzeuge erst ab Kurve 8 Platz machen müssen. Das ist die erste langsame Kurve in dem Geschlängel. Genau das habe ich gemacht. Vettel war bei der Fahrerbesprechung dabei. Hat er nicht zugehört?"

War Ferraris Getriebeschachzug richtig?

Eine Stunde und 31 Minuten vor dem Start brach Ferrari eines von drei Siegeln am Getriebe von Felipe Massa. Es handelt sich dabei um ganz altmodische Drahtplomben. Damit war Massas Schicksal besiegelt. Er musste vom siebten auf den elften Startplatz zurück. Fernando Alonso rückte vom neunten auf den siebten Startplatz vor, weil vorher bereits Romain Grosjean wegen eines echten Getriebewechsels fünf Positionen verlor. Ferrari verzichtete darauf, ein Getriebeproblem vorzutäuschen und die Kraftübertragung im Auto mit der Startnummer sechs zu wechseln. Das ist so kurz vor dem Rennen viel zu riskant und dauert mindestens 90 Minuten. Es reicht ja auch der Bruch eines Siegels.

Rennleiter Stefano Domenicali gab sogar zu: "Wir haben so lange wie möglich gewartet, damit Red Bull mit Webber nicht auf die gleiche Idee kommt." Damit wäre Alonso zwar einen weiteren Platz nach vorne gerückt, aber wieder auf die schlechte Startseite. Und nur darum ging es. Rechts war 20 Prozent mehr Grip als links. Über ethische Gründe mag man streiten. "Hier gibt es keine Heiligen", winkte Eddie Jordan ab. "Ich hätte als Teamchef genauso gehandelt."

Aus reiner Sicht des Resultats war es absolut richtig. Alonso startete von Platz sieben und war nach der ersten Kurve Vierter. Der Spanier schnupfte auf 250 Metern Hülkenberg, Schumacher und Räikkönen auf. Wäre Alonso von seinem ursprünglichen achten Platz gestartet hätte es ihm so gehen können wie den neuen Achten in der Startaufstellung. Romain Grosjean kam als Achter aus der ersten Kurve. Von dieser Position wäre es für Alonso fast unmöglich gewesen auf Platz drei vorzufahren. Dazu fehlte dem Ferrari der Speed.

Hätte Red Bull mit Webber noch gekontert, wäre Alonso auf der Hülkenberg-Position gestartet. Der Force India-Pilot war nach der ersten Kurve Sechster. Michael Schumacher hat er sofort weggeputzt. Das hätte Alonso auch gekonnt. An Hülkenberg wäre Alonso schwerer vorbeigekommen. Die Top-Speeds der beiden waren praktisch identisch. Da hätten ihm später Button und Räikkönen gefährlich werden können. Das Endresultat bestätigt Ferrari.

Wie kamen Massa und Button nach vorne?

Felipe Massa kam vom elften Platz und wurde Vierter. Jenson Button fuhr von Rang zwölf auf Platz fünf nach vorne. Nach der ersten Runde war Massa Zehnter, Button lag nur auf Rang 15. Massa überholte vier Gegner im echten Zweikampf, Button neun. Massa fuhr auf zwei gebrauchten Reifensätzen, Button auf zwei frischen. Beide waren antizyklisch unterwegs. Massa hielt von den Fahrern, die mit angefahrenen Medium-Reifen starten mussten, am längsten durch. Er wechselte erst in der 26. Runde auf die harte Mischung. Eigentlich hätte er noch vier Runden länger auf der Strecke bleiben können, doch ein defekter Sensor meldete einen Reifenschaden. In den letzten 15 Runden war der Brasilianer so schnell unterwegs wie die Spitze.

Jenson Button hielt trotz eines Bremsplattens sogar bis zur 35. Runde durch. Er war als einziger neben Rosberg mit den harten Reifen ins Rennen gegangen. "Jenson hätte noch zwei Runden länger fahren können, aber wir mussten schauen, dass wir ihn vor Grosjean wieder rausbringen", erzählte Whitmarsh. Der Franzose hatte schon in der neunten Runde Reifen gewechselt und hielt auf diesem Reifensatz 47 Runden lang durch. Ein Rekord. Er lag nur 17 Sekunden hinter Button. Mit fallender Tendenz. Da war Handeln angesagt.

Wieso wurde so viel überholt?

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh sprach aus, was viele dachten: "Vor dem Rennen haben wir mit dem schlimmsten gerechnet. Einer langweiligen Prozession. Dann wurde es eines der besten Rennen des Jahres." Doch warum wurde so viel überholt, obwohl die Fahrer im Vorfeld von wenig Überholmöglichkeiten sprachen? McLaren-Sportdirektor Sam Michael nennt drei Gründe: "Es gab überall wenig Grip. Damit konnte man auch neben der Ideallinie fahren. Die Fahrer kannten die Strecke noch nicht so gut und waren deshalb überrascht, dass es einige Kollegen an Stellen versucht haben, die keiner erwartet hat. Jenson war der König der ersten Kurve, Massa hat es zwei Mal in der letzten Kurve probiert. Es gab mehr Überholmanöver ohne DRS als mit. Drittens haben wir nicht damit gerechnet, dass die Fahrer im Geschlängel so dicht aufschließen konnten ohne Abtrieb zu verlieren. Damit kamen sie vor der Geraden in die DRS-Zone."

Wieso blieb Mercedes wieder ohne Punkte?

Mercedes ging im fünften Rennen in Folge leer aus. Michael Schumacher musste schon nach 14 Runden zum ersten Reifenwechsel an die Boxen. Er war neben Paul di Resta der einzige Fahrer, der zwei Mal stoppte. Sein Problem: Der Coanda-Auspuff kochte die Hinterreifen weich. Nico Rosberg war mit dem alten Auspuff unterwegs. Er startete wie Button auf den harten Reifen und hielt bis zur 34. Runde durch. Von Problemen mit den Hinterreifen keine Spur. "Wäre ich vom zehnten statt vom 17. Platz gestartet, wäre ich locker in die Punkte gefahren."

Wieso hatte Sauber gegen Force India und Williams keine Chance?

Die Geschichte wird bei Sauber zur Langspielplatte. Das Auto hatte den Speed, doch es kam etwas dazwischen. Diesmal die Bremsen. Sergio Perez lag bereits auf Rang acht, als die Bremsenmisere losging. "Das Pedal wurde immer länger, ich musste vor den Kurven pumpen und dauernd die Bremsbalance verstellen." Der Mexikaner musste für Sauber-Verhältnisse früh Reifen wechseln. In der 22. Runde. Am Ende gab es nur den undankbaren elften Rang. "Vom Speed her hätten wir die Williams geschlagen", ist Teammanager Beat Zehnder überzeugt.

Da konnte Nico Hülkenberg froh sein. "Ich musste alles aus meiner Dose rausquetschen, um vor den Williams zu bleiben." Sein Glück war, dass sich Pastor Maldonado und Bruno Senna im internen Duell selbst behinderten. Drei Runden vor Schluss setzte sich Maldonado mit Feindkontakt durch. Der zweite Sauber-Pilot Kamui Kobayashi haderte mit den Reifen. Er brachte sie viel zu spät auf Temperatur. Deshalb wurde auch er früh an die Boxen geholt. Erst zum Schluss kam der Japaner auf Speed. In der 55. Runde drehte er die siebtschnellste Rennrunde.

In unserer Fotogalerie haben wir noch einmal die besten Bilder des Texas Grand Prix.

FahrerTeamZeit/ Rückstand
1. Lewis HamiltonMcLaren1:35.55,269 Std.
2. Sebastian VettelRed Bull+ 0:00.675 Min.
3. Fernando AlonsoFerrari+ 0:39.229
4. Felipe MassaFerrari+ 0:46.013
5. Jenson ButtonMcLaren+ 0:56.432
6. Kimi RäikkönenLotus+ 1:04.425
7. Romain GrosjeanLotus+ 1:10.313
8. Nico HülkenbergForce India+ 1:13.792
9. Pastor MaldonadoWilliams+ 1:14.525
10. Bruno SennaWilliams+ 1:15.133
11. Sergio PerezSauber+ 1:24.341
12. Daniel RicciardoToro Rosso+ 1:24.871
13. Nico RosbergMercedes+ 1:25.510
14. Kamui KobayashiSauber+ 1 Runde
15. Paul di RestaForce India+ 1 Runde
16. Michael SchumacherMercedes+ 1 Runde
17. Vitaly PetrovCaterham+ 1 Runde
18. Heikki KovalainenCaterham+ 1 Runde
19. Timo GlockMarussia+ 1 Runde
20. Charles PicMarussia+ 2 Runden
21. Pedro de la RosaHRT+ 2 Runden
22. Narain KarthikeyanHRT+ 2 Runden
23. Mark WebberRed BullAusfall
24. Jean Eric VergneToro RossoAusfall
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