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Rennanalyse GP USA

Wende oder Eintagsfliege?

Foto: dpa 54 Bilder

Ferrari verdankt den klaren Erfolg in erster Linie der Schwäche von Michelin. Die Bridgestone-Teams hatten in Indianapolis klar die besseren Karten. Allerdings konnten nicht alle Kunden der Japaner Kapital aus der Situation schlagen.

03.07.2006 Markus Stier

Dieses eine Mal war Renault chancenlos. Fernando Alonso zeigte sich in Indianapolis lediglich als Mitläufer. Sein Tempo reichte, um den Honda von Rubens Barrichello zu kontrollieren, aber selbst ein Jarno Trulli im Toyota war unerreichbar für den Weltmeister. Alonso kämpfte das ganze Wochenende mit seinem Auto. Der Spanier klagte über zu viel Übersteuern und ein ständig aufsetzendes Chassis. Bis zum Rennen fand der Tabellenführer keine brauchbare Abstimmung und beschränkte sich in den 73 Runden auf Schadensbegrenzung.

Doch auch sonst wäre Renault nicht konkurrenzfähig gewesen. Ferrari fuhr den Blaugelben um die Ohren. Die schnellsten Runden drehten wie in der Qualifikation Michael Schumacher und Felipe Massa. Giancarlo Fisichella als schnellstem Renault-Mann fehlten bereits vier Zehntel, bei Alonso waren es sechs Zehntel pro Runde.

Doch Alonso bleibt trotz seines fünften Platzes gelassen. Für ihn war das Ferrari-Spektakel eine Eintagsfliege: "Nun gehen wir nach Frankreich, was uns mehr liegen dürfte, und natürlich wollen wir gewinen. Ich denke, acht Rennen sind genug, um weitere Rennen zu gewinnen und den Vorsprung wieder auszubauen."

Toyota zeigt, wie stark Bridgestone war

Bei Ferrari weiß man, dass Indy nicht das derzeitige Kräfteverhältnis wiederspiegelt. Dass Michael Schumacher sechs Punkte gutmachen konnte, lag vor allem an den Reifen. Nach dem Desaster 2005, als Michelin seinen Teams mangels haltbarer Gummis vom Start abraten musste, gingen die Franzosen auf Nummer sicher. Mit stabileren Karkassen und härteren Gummimischungen liefen die Michelin-Autos problem- und chancenlos.

Die Bridgestone-Überlegenheit zeigte sich vor allem bei Toyota. Obwohl bis zum Kragen mit Sprit gefüllt, war der aus der Boxengasse gestartete Toyota von Jarno Trulli mit seiner Einstoppstrategie ein echtes Problem für die Renault. Auch Ralf Schumacher lag bis zu seinem Ausfall vor Weltmeister Alonso.

Das Problem des Teams aus Köln liegt in der Zuverlässigkeit. 2006 ereilten die Toyota bereits sechs technische Defekte. In Indianapolis stoppte ein defektes Radlager Ralf Schumacher. In der Zahl der insgesamt zurückgelegten Runden belegt das Team Rang acht von elf. 2005 lag Toyota in dieser Wertung an der Spitze. In der gesamten Saison gab es nur zwei Pannen.

Von der Bridgestone-Überlegenheit konnte nur Williams nicht profitieren. Von den Fahrern bis zu Technik-Chef Sam Michael gesteht man ein, dass das Auto aerodynamisch nicht effizient genug ist. "Wir können uns nicht rausreden, Toyota benutzt dieselben Reifen", sagte Mark Webber. Durch die schlechte Aerodynamik mussten die Williams mit flachen Flügeln fahren. Beide Fahrer klagten über ein unberechenbares Fahrverhalten: "Wenn du eine Kurve anbremst, weißt du nie, ob dich das Heck überholt", sagte Mark Webber. Teamkollege Nico Rosberg kämpfte mit seinem Auto mit stumpfen Waffen um einen WM-Punkt, er wurde Neunter und Letzter.

Nick Heidfeld nach seinem ersten Überschlag: "Halb so wild"

Die Panne des Wochenendes leistete sich Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer versuchte, sich mit einem aggressiven Start aus dem Mittelfeld zu befreien und schubste in der zweiten Kurve Kimi Räikkönen an, was eine Kettenreaktion auslöste. Räikkönen rutschte in den Honda von Jenson Button, der rumpelte unschuldig den gerade längsseits gegangenen Nick Heidfeld an. Der Deutsche überschlug sich drei Mal und konstatierte: "Es war halb so schlimm, wie es aussah." Nach erster Diagnose ist das BMW-Chassis kaum beschädigt, aber der Frust war groß. Ohne Heidfelds technische Probleme in der Qualifikation und ohne Villeneuves Motorschaden wären mit etwas Glück die Ränge vier und fünf in Reichweite gelegen.

Dank Feindkontakt schied auch Mark Webber im Williams aus, Christian Klien im Red Bull hatte ihn in der ersten Kurve angerempelt. Dann konnte auch Scott Speed im Toro Rosso nicht ausweichen, der ohne Schuld in den Super Aguri von Franck Montagny knallte. Nach der Safetycar-Phase ging das Demolition-Derby an gleicher Stelle weiter. Takuma Sato bremste sich in den MF1 von Tiago Monteiro. 13 Autos schieden insgesamt aus. Es war die höchste Ausfallquote des Jahres. Die Rennleitung untersuchte jeden Crash per Videoanalyse, bestrafte aber niemanden.

Bei McLaren-Mercedes war nach dem Totalausfall in Runde eins die Stimmung am Tiefpunkt. In der Pressemitteilung versuchte man den Schein zu wahren und ließ Kimi Räikkönen mit den Worten zitieren: "Es gibt keinen Grund, irgendwem die Schuld zu geben. Solche Dinge passieren im Rennsport, besonders, wenn du nicht von vorne losfährst." Bei finnischen Journalisten äußerte sich Räikkönen weniger diplomatisch. Von Montoya sprach er immer nur als "der andere Fahrer".

Teamchef Ron Dennis hatte die eigenwilligste Darstellung der Ereignisse zu bieten: Er behauptete, nach Analyse der Daten sei Heidfeld der Schuldige, weil er Button eingeklemmt habe, der wiederum Montoya eingequetscht habe.

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