Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Rennanalyse Grand Prix Türkei

Button und Barrichello mit Kontrastprogramm

GP Türkei 2009 Foto: dpa 51 Bilder

Warum mühte sich Teamkollege Rubens Barrichello gegen langsame Fahrzeuge im Hinterfeld, während Jenson Button mit Leichtigkeit zum Sieg fuhr? Und warum wechselte Vettel nicht auf eine Zwei-Stopp-Strategie? Die Antworten gibt es in unserer Rennanalyse.

07.06.2009 Tobias Grüner

Was war los mit Rubens Barrichello?

Rubens Barrichello erlebte ein von Anfang bis Ende verkorkstes Rennen. Während Teamkollege Jenson Button mit Leichtigkeit zum sechsten Saisonsieg brauste, mühte sich der Brasilianer im Hinterfeld mit Piloten wie Heikki Kovalainen und Adrian Sutil. "Wir haben einen Fehler mit der Übersetzung des Getriebes gemacht", erklärte der Brawn-Pilot seine enormen Probleme, an den langsamen Autos vorbeizukommen. "Schon am Ausgang von Kurve 8 bin ich in den Begrenzer gekommen und fuhr dann für fünf Sekunden im Limiter."

Dabei begann das ganze Übel schon am Start. Teamchef Ross Brawn erklärt, was seinem Piloten passiert ist: "Das Anti-Stall-System setzte ein. Es war eine Kopie von Melbourne. Dann hat er in der Hektik die Kupplung zu schnell kommen lassen und dabei das Getriebe beschädigt." Hier lag auch der Grund für die späte Aufgabe in Runde 47. "Die Lager mussten ein zu hohes Drehmoment aushalten. Weil die Getriebeöltemperaturen gestiegen sind, haben wir ihn später an die Boxen geholt. Wir wollten keinen Totalschaden riskieren."

War die Dreistopp-Strategie von Sebastian Vettel ein Fehler?

Selbst nach dem Rennen war man sich im Team von Red Bull noch nicht einig, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, Sebastian Vettel von den geplanten drei Stopps auf eine Taktik mit zwei Stopps umzuwechseln. "Nachdem Jenson mich in der ersten Runde überholt hatte, war das Festhalten an der Strategie in meinen Augen nicht sinnvoll. Ich hatte sowieso keine Chance mehr auf den Sieg", klagte der Pilot. "Ich bin im Mittelstint auf Jenson aufgelaufen und habe dort das Rennen gegen Mark verloren. Da haben wir wohl nicht den besten Job gemacht."

Dem wollte Teamchef Christian Horner nicht beipflichten. "Ich verstehe, dass Sebastian enttäuscht ist. Aber ich denke nicht, dass es ein richtiger Fehler war. Meiner Ansicht nach wäre es schon noch möglich gewesen, Button mit drei Stopps unter Druck zu setzen. Mit der gleichen Strategie wären wir aber auf keinen Fall an ihm vorbeigekommen." Außerdem hätte ein Strategiewechsel am Ergebnis vielleicht gar nichts geändert. "Mark ist einfach einen unglaublich schnellen Mittelstint gefahren. Das wäre sicher sehr eng geworden, wenn Sebastian die gleiche Strategie gefahren wäre."

Gab es am Ende eine Stallregie bei Red Bull?

Ein Funkspruch zwischen der Box und Sebastian Vettel sorgte nach dem Rennen für Aufregung. Zweifler witterten Stallregie, als der Deutsche aufgefordert wurde, das Auto langsam über die letzten Runden zu tragen. "Sie haben nicht gesagt, dass ich Mark nicht überholen darf", wiegelte Vettel ab. "Sie haben nur gesagt, dass Mark schneller sei. Wir haben beide dann das Tempo gedrosselt und die Plätze zwei und drei sicher nach Hause gefahren. Ich hätte am Ende aber schon noch gerne Gas gegeben." Laut Teamchef Horner eine reine Vorsichtsmaßnahme: "Wir hatten schon einige Motorschäden und haben bei beiden Piloten die Drehzahl um 500 Umdrehungen zurückgenommen. Bis drei Runden vor dem Ende gab es noch einen echten Kampf."

Wie kam Rosberg von Platz neun so schnell nach vorne?

Von Nico Rosberg ist man mittlerweile schnelle Starts gewohnt. Aber wie der Williams-Pilot schon nach einer Runde von Platz neun auf fünf nach vorne kam, verwunderte dann doch. "Ich hatte einfach einen guten Start und habe mir direkt Robert Kubica geschnappt", erklärt der Deutsche seine ersten Sekunden des Rennens. In Kurve vier waren dann die Ferrari dran: "Da bin ich gleich an beiden Autos außen vorbei gegangen."

Felipe Massa hatte sich wegen der wechselnden Winde verbremst und musste den Williams passieren lassen. "Ich hatte vor dem Rennen die Information bekommen, dass wir im Gegensatz zum Training Rückenwind an dieser Stelle haben und dann aus Vorsicht etwas früher gebremst. Eigentlich sollten die anderen das auch wissen", grinste Rosberg. "Allerdings ist es in der Hitze des Gefechts auch schwierig an alles gleichzeitig zu denken. Zwischenzeitlich fuhr der 23-Jährige sogar auf Rang vier, musste diesen im Ziel aber wieder Jarno Trulli überlassen. "Da war nichts zu machen. Der war einfach zu schnell", gestand Rosberg.

Wie hat sich das Kräfteverhältnis entwickelt?

Bei Brawn GP war man nach dem Rennen erleichtert. Die neuen Teile haben einen echten Fortschritt gebracht. Der erste Angriff des Red Bull-Doppeldiffusors wurde abgewehrt. Nach dem nicht sehr aussagekräftigen Rennen in Monaco, ist das Bild nun schon klarer: "Wir haben sie ehrlich auf der Strecke geschlagen", freute sich Jenson Button im Ziel. In Silverstone will Red Bull aber schon mit einer zweiten Version des Diffusors den nächsten Angriff wagen.

Hinter dem Spitzenduo ist das Bild noch diffuser als zuvor. Toyota hat sich nach der Monaco-Pleite wieder nach vorne gearbeitet und brachte beide Autos in die Punkte. Auch Williams hätte dieses Kunststück geschafft, wäre bei Kazuki Nakajimas letztem Stopp alles nach Plan gelaufen. Als Verlierer in der Spitzengruppe hat Ferrari einige Plätze eingebüßt. "Je schwerer das Auto betankt war, desto schlechter lag es", klagte Kimi Räikkönen, der auf Rang neun die Punkte verpasste.

Genau wie BMW-Sauber brachte die Scuderia wenigstens ein Auto in die Punkte. Die ehemaligen Top-Teams mussten in Istanbul einmal mehr einsehen, dass diese Saison alles etwas anders läuft. Das gilt auch für McLaren-Mercedes. Mit den Plätzen 13 und 14 von Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen lief es noch schlimmer als sowieso schon befürchtet. Neben den Silberpfeilen trauern auch die Renault-Piloten den glorreichen Zeiten nach. "Es ist wirklich frustrierend, dass wir nicht einmal in die Punkte gefahren sind", klagte Fernando Alonso. "Wir konnten heute aber auch nicht mehr erwarten."

Umfrage
Ist Jenson Button der WM-Titel noch zu nehmen?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden