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Rennanalyse

Schafft Schumi doch noch den Titel?

Foto: dpa 40 Bilder

Michael Schumacher und Ferrari sind das Team der Stunde. Schumachers fünfter Saisonsieg beim zwölften Lauf zur Formel 1-WM in Hockenheim war sein dritter Triumph in Folge.

31.07.2006

In den drei letzten Rennen in Indianapolis, Magny-Cours und Hockenheim erzielte Schumacher die Maximalpunktzahl von 30; Titelkontrahent Fernando Alonso hingegen nur 16. Vor Indianapolis führte Alonso noch mit 27 Punkten Vorsprung auf Schumacher.

"Nicht, dass ich heute meinen 70. Sieg für Ferrari erzielt habe oder den 100. für Bridgestone sind die entscheidenden Zahlen. Die entscheidende Zahl heute ist elf. Auf elf Punkte Rückstand zu unserem Hauptkontrahenten haben wir heute den Rückstand verringern können", analysierte Schumacher am Sonntag (30.7.) nach dem Rennen. "Das war sehr wichtig". Zusammen mit seinem Teamkollegen Felipe Massa sorgte er nach Indianapolis vor vier Wochen für den zweiten Ferrari-Doppelerfolg des Jahres. Entsprechend voll des Lobes war Schumacher über seinen jungen brasilianischen Teamkollegen: "Felipe hat gestern bei der Auswahl des Reifentyps für das Rennen einen besseren Job gemacht als ich." Das war Balsam auf die Seele Massas, der nach dem letzten Rennen in Magny-Cours etwas in der Kritik stand, weil er Fernando Alonso nicht von Platz zwei abhalten konnte. Massa: "Schon im Training am Samstagmorgen war ich erstaunt, wie schnell wir mit gebrauchten Reifen waren." Ferrari entschied sich für die weiche Mischung.

"In der vergangenen Woche haben wir sehr hart für diesen Erfolg gearbeitet, und heute haben diese Anstrengungen Früchte getragen", sagte Schumacher nach seinem insgesamt 89. Grand Prix-Sieg. "Der Kampf um den Titel ist nun sehr offen." Für Ferrari war dieser 188. Grand Prix-Sieg der Firmengeschichte ein Rennen frei von jeglichen Problemen.

Michelin bremst Renault

Diese hatten die Renault-Piloten um so mehr. Trotz gutem Start von Rang sieben auf Platz fünf blieb Weltmeister Fernando Alonso so blass wie selten. Um Endposition fünf zu sichern benötigte er den Ausfall von Williams-Pilot Mark Webber in der 60. Von 69 Runden (Wasserleck) sowie die Schützenhilfe von Teamkollege Giancarlo Fisichella. In der 62. Runde kam Alonso eingangs Motodrom sogar von der Piste ab, durchpflügte das Kiesbett und fing mit Glück und Können seinen Renault wieder ein. Der dicht folgende Fisichella konnte nur mit Mühe Toyota-Pilot Jarno Trulli daran hindern, beide Renault auf einmal zu überholen. Alonso: "Ich machte Druck, den es bestand die Chance, dass ich Jenson Button noch einholen könnte."

Renault ist urplötzlich ins Hintertreffen geraten; nicht nur wegen der Reifen. Die Michelin-Reifen bieten nicht mehr den Grip, der sie bislang zum Marktführer in der Formel 1 gemacht hatte. Bereits in Magny-Cours forderte Renault Teamchef Flavio Briatore: "Michelin muss aufwachen." Doch welche Anstrengungen sollte der französische Reifenfabrikant bei der Weiterentwicklung unternehmen, wo doch sein Ausstieg aus der Formel 1 längst beschlossene Sache ist?

Der andere Grund ist das Verbot eines Massendämpfers. Dieses Element sorgte bislang für eine erhebliche Reduktion der Vibrationen an der Vorderachse. Fünf Teams arbeiteten mit einem solchen Massendämpfer, doch kein Team hat die Vorteile dieses Teils so geschickt nutzen können wie Renault. Obwohl die Sportkommissare das Bauteil für legitim erklärten, verzichteten die betroffenen Teams in Hockenheim auf seinen Einsatz. Die Welt-Motorsportbehörde FIA drohte mit Disqualifikation - ein Risiko, das kein Team eingehen wollte, schon gar nicht Renault, die in der Fahrer- wie Konstrukteurswertung um den Titel kämpfen.

"Wir waren an diesem Wochenende nicht konkurrenzfähig", resümierte Alonso, "dies war das Maximum, was das Team erreichen konnte." Alonso war wie andere Michelin-Piloten auch durch Blasen in der Reifen-Lauffläche gehandicapt. "Ohne die Blasen wäre ein Podestrang vielleicht möglich gewesen." Für das nächste Rennen in Budapest vertraut der Spanier auf die Michelin-Technologie: "Dort verlangt die Strecke einen völlig anderen Reifen als in Hockenheim."

Räikkönen trumpft auf

Der Trainingschnellste Kimi Räikkönen rettete die Ehre von McLaren-Mercedes mit einem stark erkämpften dritten Rang. Der Finne war mit einer Dreistopp-Strategie ins Rennen geschickt worden, nachdem gestern im Zeittraining fehlerhafterweise nicht genügend Sprit in seinen Silberpfeil getankt wurde. Erstmals fuhr Räikkönen in Runde zehn zum Nachtanken. "Heute hatten wir diverse Probleme. Bei meinem ersten Stopp klemmte hinten rechts die Radmutter. Und bei meinem zweiten Reifensatz warfen die Reifen Blasen", erklärte der WM-Fünfte, "zudem hatte ich kleinere Probleme mit der Hydraulik. Deshalb konnte Jenson Button nach meinem ersten Stopp auch an mir vorbeiziehen." Nach seinem dritten und letzten Stopp in der 55. Runde konnte er sich sogleich den gut aufgelegten Mark Webber im Williams schnappen. Drei Runden später überholte Räikkönen auch noch den bis dahin drittplatzierten Jenson Button im Honda. "Im Schlussdrittel waren wir sehr stark", unterstrich Räikkönen, "das Auto ist definitiv besser geworden."

Spätestens in Monza dürfte Räikkönen als künftiger Ferrari-Pilot vermeldet werden. Selbst Flavio Briatore, der seine Fühler nach dem Finnen als Ersatz für Alonso ausgestreckt hat, hat mittlerweile in seinen Verhandlungen resigniert. Und auch Ferrari-Teamchef Jean Todt stimmt zwischen den Zeilen der Sieges-Pressemitteilung auf das Ereignis Räikkönen bei Ferrari ein: "Der Moment, den ich vom heutigen Tag in Erinnerung behalten werde, ist die Podiumszeremonie - mit meinen drei Lieblingsfahrern."

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