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Rennanalyse zum GP China 2016

Aufklärung zum Start-Chaos und Vettel-Manöver

GP China 2016 - Start - Sonntag - 17.4.2016 Foto: sutton-images.com 62 Bilder

Der GP China 2016 war ein echter Kracher mit vielen Überholmanövern, Wendungen und unterschiedlichen Herangehensweisen. In unserer Rennanalyse beantworten wir die wichtigsten Fragen.

17.04.2016 Andreas Haupt
Was passierte im Startgetümmel?

Der Start zum GP China 2016 hatte es in sich. In der ersten Kurve splitterte das Carbon. Gleich fünf Piloten zerstörten sich ihre Frontflügel: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton, Romain Grosjean und Felipe Nasr. Doch wie kam es dazu? Und wer war wem im Nachgang böse?

Daniil Kvyat löste mit seinem Angriff auf Vettel eine Kettenreaktion aus. Der Heppenheimer wollte eigentlich seinen Teamkollegen auf der Außenseite angreifen. "Kimi bremste ein bisschen spät und ging etwas weit." Doch er rechnete nicht mit Kvyat auf der Innenseite. Erschrocken lenkte der vierfache Weltmeister nach links und rammte seinen Stallgefährten mit der Front voran. Der Flügel war angeschlagen, die Lenkung krumm. Der Iceman gab sich wie immer wortkarg und emotionslos. "Es ist einfach unglücklich gelaufen", meinte er nach dem Rennen.

Vettel dagegen suchte beim jungen Russen die Schuld. Schon am Funk motzte er: "Der ist wie ein Irrer reingestochen." Nach dem GP diskutierten die beiden noch ausgiebig. Kvyat zeigte keine Scheu und keine Reue. "Es war ein riskantes Manöver. Aber so eines bringt dir am Ende das Podium", befand der Red Bull-Pilot.

Durch den Zusammenstoß mit Vettel geriet der zweite Ferrari aus dem Tritt. Der Wagen stellte quer und schlug sich am Red Bull von Kvyat den Flügel ab. Die nachfolgenden Fahrer hatten alle Mühe, den vielen Trümmerteilen auszuweichen und den Überblick zu behalten. Felipe Nasr wich zunächst den Carbon-Teilen aus, dann Räikkönen. Das wurde Lewis Hamilton zum Verhängnis. Weil der Sauber auf seine Linie kam, fuhr sich der Weltmeister den Flügel ab.

Außerdem beschädigte er sich den vorderen Teil des Unterbodens und Leitbleche. "Das Auto hat sich danach ähnlich wie nach dem Schaden in Bahrain angefühlt", berichtete Hamilton. Im Wüstenrennen verlor der Champion mit angeschlagenem Auto pro Runde zwischen 0,8 und 1,5 Sekunden.

Auf der Innenseite der Schneckenkurve ereignete sich noch ein Zwischenfall. Marcus Ericsson suchte durch die Tumulte den Weg auf die rechte Seite. Und kam damit Romain Grosjean im HaasF1 in die Quere. Der Franzose war im Nachgang des Rennens richtig aufgebracht. Die Rennleitung sprach gegen keinen Piloten eine Strafe aus.

Wie überrumpelte Vettel Nico Hülkenberg und Carlos Sainz?

Sebastian Vettel überholte beim GP China nicht nur auf der Strecke. Sondern auch in der Boxengasse. Als die Rennleitung das Safety Car ausrief, brauste der Ferrari-Star wie viele seiner Kollegen in die Boxengasse, um die Supersoftreifen los zu werden. In der Boxenstraße traf Vettel auf Carlos Sainz und Nico Hülkenberg.

Der Force India bummelte. Hülkenberg wollte eine Lücke zum auf Platz drei voraus fahrenden Sergio Perez schaffen. Sonst hätte er sich direkt hinter seinem Teamkollegen beim Reifenwechsel anstellen müssen und viel Zeit und viele Positionen eingebüßt. Während Sainz hinter Hülk wartete, ergriff Vettel die Initiative. Der Ferrari scherte links raus und zischte an beiden Rennern mit zwei Rädern auf der Wiese vorbei. Dann sortierte er sich vor der weißen Linie wieder ein und haute den Boxenbegrenzer rein.

Doch war das Manöver nicht illegal wegen der Safety Car-Phase? Nein. Weil die Stelle zwischen den beiden Safety Car-Linien 1 und 2 liegt. Dort gibt es kein Überholverbot. Sonst dürften die Fahrer auch nicht bei einem schnelleren Reifenwechsel vorbeiziehen und müssten warten, bis der Gegner abgefertigt ist. "Ich bin offenbar der einzige, der sich an diese Regel erinnert hat. Der Toro Rosso vor mir hat sich lieber hinter dem Force India angestellt“, grinste Vettel.

Die Rennkommissare verdonnerten Hülkenberg wegen seiner Bummelfahrt zu einer Fünfsekundenstrafe. Plus zwei Strafpunkten für das Sünderkonto. "Nico hätte lieber auf der Strecke verlangsamen sollen. Dort darf man nicht überholen", sagte Teammanager Andy Stevenson. "In der Box darfst du niemanden so aufhalten, dass er richtig einbüßt."

Hätte Force India nicht die Strategie splitten müssen und Hülkenberg draußen behalten sollen? "Im Nachhinein schon. Wir haben die Entscheidung unmittelbar vor der Boxeneinfahrt nach Kurve 14 getroffen. Das war eng. Die Safety Car-Phase schenkte uns praktisch einen Stopp. Im Renntempo hätten wir 10 bis 12 Sekunden verloren." Noch eines kommt hinzu: Hülkenberg hätte schon kurz nach Ende der Safety Car-Phase seine Supersoft-Reifen loswerden müssen. Dadurch wäre er weiter zurückgefallen.

Auch der Boxenstopp von Perez ging schief. Der Mexikaner wurde voreilig in die Fast Lane zurückgeschickt und kollidierte beinahe mit Sainz und Fernando Alonso. Weil der für die Ampelanlage zuständige Mann zu sehr auf Hülkenberg achtete und Sainz aus den Augen verlor, gab es zu früh das Grünzeichen für Perez. Die Rennleitung ließ Gnade walten und sprach ein Bußgeld von 5.000 Dollar aus.

Hätte Ferrari Mercedes in einem normalen Rennen gefährlich werden können?

Es ist eine hypothetische Frage: Hätten die Ferrari Nico Rosberg bei einem normalen Rennverlauf gefährlich werden oder sogar den Triumph landen können? Maurizio Arrivabene war sich sicher: "Unter normalen Umständen hätten wir sehr, sehr gute Erfolgschancen gehabt." Die Dauerläufe im Freitagstraining ließen die Roten hoffen. Da war man schneller als der größte Gegner. Allerdings offenbart Mercedes seine wahre Stärke erst immer ab dem Qualifying. Dann wird die Leistung der Power Unit hochgedreht.

Ein Joker, der bei einem direkten Duell klar zum Tragen gekommen wäre, war für Mercedes der weiche Reifen am Start. Rosberg hielt damit bis zur 20. Runde durch. Mit schnellen Rundenzeiten. Bei Mercedes war man vor dem Rennen selbst nicht für den Fall besorgt, dass Rosberg am Start zurückfällt. Man traute sich in der Anfangsphase trotz des härteren Gummis die gleichen Rundenzeiten wie die Ferrari zu. Ab Runde fünf hätte der Soft dann gegenüber dem Supersoft gestochen. Spätestens in Runde acht oder neun hätte Ferrar wegen des Reifenabbaus seine Piloten zum Tausch holen müssen. Und die wären dann in Verkehr geraten.

Der weiche Reifen erlaubte Mercedes ein breiteres Strategiefenster. Zwei oder drei Stopps waren möglich. Ferrari legte sich auf drei Boxenbesuche fest: mit der Reifenfolge Supersoft-Supersoft-Soft-Soft. Selbst nach der chaotischen Anfangsphase hielt man an dieser Wahl fest.

Einen Indiz auf das Kräfteverhältnis geben die Aussagen von Red Bull. "Ricciardo war heute das zweitschnellste Auto im Feld. Ohne den Reifenplatzer wäre er Zweiter geworden. Wir waren schneller als Ferrari", äußerte sich Christian Horner. "Ich weiß aber nicht ganz, wie sehr Vettel beeinträchtigt wurde durch den Zwischenfall am Start." Was er aber wusste: "Rosberg war außer Reichweite."

Wieso konnte sich Kvyat nicht mehr gegen Vettel wehren?

Bis zum dritten Reifenwechsel in Runde 35 belegte Daniil Kvyat den zweiten Platz vor Sebastian Vettel. Für das rote Auto ergab sich keine Gelegenheit zum Angriff. "Vettel war nicht schneller als wir auf den Softs. Er schaffte es nicht ins DRS-Fenster", konstatierte Christian Horner zufrieden.

Mit dem letzten Gummitausch wendete sich das Blatt. Vettel zog direkt in der ersten Runde an seinem russischen Kontrahenten vorbei. Der Grund war ein einfacher: Am RB12 steckten die Medium-Walzen, am Ferrari drehten sich wieder die gelbmarkierten Pneus. Also die schnellere der beiden Mischungen. Vettel hatte sie sich im Qualifying aufgespart. Red Bull hatte dagegen für den Schlussstint keinen frischen Softsatz mehr. Einen gebrauchten Reifen wollte man seinem Piloten nicht auf den Weg für die letzten 21 Runden geben.

FahrerTeamZeit / Rückstand
1. Nico RosbergMercedes1:38:53.891 Std.
2. Sebastian VettelFerrari+ 0:37.776
3. Daniil KvyatRed Bull+ 0:45.936
4. Daniel RicciardoRed Bull+ 0:52.688
5. Kimi RäikkönenFerrari+ 1:05.872
6. Felipe MassaWilliams+ 1:15.511
7. Lewis HamiltonMercedes+ 1:18.230
8. Max VerstappenToro Rosso+ 1:19.268
9. Carlos Sainz Jr.Toro Rosso+1:24.127
10. Valtteri BottasWilliams+ 1:26.192
11. Sergio PerezForce India+ 1:34.283
12. Fernando AlonsoMcLaren+ 1:37.253
13. Jenson ButtonMcLaren+1:41.990
14. Esteban GutierrezHaas+ 1 Runde
15. Nico HülkenbergForce India+ 1 Runde
16. Marcus EricssonSauber+ 1 Runde
17. Kevin MagnussenRenault+ 1 Runde
18. Pascal WehrleinManor+ 1 Runde
19. Romain GrosjeanHaas+ 1 Runde
20. Felipe NasrSauber+ 1 Runde
21. Rio HaryantoManor+ 1 Runde
22. Jolyon PalmerRenault+ 1 Runde
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