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Ricciardo mit Motor Nummer 4

Wieder ein Kolbenbolzen

Daniel Ricciardo - GP Bahrain 2015 Foto: Wilhelm 59 Bilder

Daniel Ricciardo legte die letzten 200 Meter des GP Bahrain ohne Motorkraft zurück. Sein Renault V6 verabschiedete sich in einer riesigen Rauchwolke kurz vor dem Ziel. Der Grund war der gleiche wie bei Max Verstappen in Shanghai. Ricciardo muss in Barcelona Motor Nummer 4 einbauen lassen.

23.04.2015 Michael Schmidt

Die alte Weisheit, wonach das perfekte Rennauto auf der Ziellinie zusammenbricht, bekam beim GP Bahrain eine völlig neue Bedeutung. Daniel Ricciardos Renault-Motor explodierte 200 Meter vor dem Ziel. "Es gab keinerlei Anzeichen bis zur letzten Kurve", grinste Ricciardo breit. "Als ich dann aufs Gas steige, hört es sich kurz so an, als würde der Motor stottern. Und dann ging das Feuerwerk auch schon los. Ich habe sofort ausgekuppelt und das Auto rollen lassen."

Renault-Einsatzleiter Remi Taffin machte ein ernstes Gesicht. Schon eine halbe Stunde nach der Zieleinfahrt wusste er, was los war. "Es war das gleiche Problem wie bei Max Verstappen in Shanghai." Also ein Bruch eines Kolbenbolzens. Ein Defekt, der auftreten kann, aber nicht nach so kurzer Laufzeit. Ricciardos Motor hatte erst 1.009 Kilometer auf der Uhr. Mindestens 5.000 Kilometer sollte er halten.

Red Bull-Saison ist gelaufen

Der WM-Dritte wird beim fünften Rennen des Jahres in Barcelona schon die vierten Antriebseinheit im Heck haben. Damit ist sein Kontingent an Motoren bereits erschöpft. Seine Leidensgenossen Daniil Kvyat, Max Verstappen und Carlos Sainz fahren mit der dritten Antriebsquelle.

Bei Red Bull regt man sich über die Motorenseuche schon gar nicht mehr auf. "Wir wissen, dass die Saison gelaufen ist", winkte Teamberater Helmut Marko ab. "Jetzt können wir nur noch das Beste daraus machen."

Auf etwaige Strafen ab dem Einsatz des fünften Motors angesprochen, reagiert der sonst so strenge Doktor fast schon mit Resignation: "Fünfter Motor, sechster Motor. Alles irrelevant. Wir wissen, dass wir X mal eine Strafe antreten müssen und hoffen, dass wir das so steuern können, dass es uns nicht auf den schlimmsten Strecken erwischt. In Monte Carlo wäre es nicht so gut, von hinten zu starten."

Mercedes-Leute bei Renault?

Red Bull hat realisiert, dass es nichts bringt, wenn man auf Renault einprügelt. "Wir müssen gemeinsam aus der Krise", sagt Marko. In Paris ist der Weckruf angekommen. Motorschäden funktionieren besser als böse Worte. Renault wird mehr Budget freigeben, um die Defektserie zu beenden und den Motor konkurrenzfähig zu machen. Alte Köpfe werden rollen, neue hinzukommen. Man munkelt, dass zwei frühere Mercedes-Mitarbeiter bei Renault andocken.

Einen Teil der Probleme hat Renault laut Taffin bereits gelöst. In den dritten Motoren waren bereits Nachbesserungen an den Laufbuchsen, Stirnrädern und Zylinderkopfdichtungen eingebracht. Auch mit den Kolben hatte man reagiert. Deshalb sind die neuen Schäden in diesem Bereich so beunruhigend. "Im Moment können wir noch nicht sagen, warum das passiert. Es dürfte eigentlich nicht sein", sagt Taffin.

Er gibt zu, dass die Suche nach mehr Leistung die Belastungen für die Motoren mit all seinen Folgen erhöht hat. Auch Mercedes und Ferrari haben ihre Erfahrungen damit gemacht, die Probleme aber offensichtlich einigermaßen im Griff. "Bei effizienterer Verbrennung steigt der Druck im Zylinder. Das ist eine Erfahrung, mit der alle zu kämpfen haben. Wir müssen in diesem Fall demütig sein. Offenbar haben wir die Aufgabe noch nicht gelöst."

Ricciardo fuhr das perfekte Rennen

Nach Aussage von Red Bull-Teamchef Christian Horner hilft es nicht einmal, wenn Renault wie in Bahrain mit gedrosselter Leistung fährt. Die Schäden treten trotzdem auf. Dabei hat man nach Schätzung von Red Bull zwischen 3 und 5 km/h auf der Geraden hergeschenkt. Das führt zu Kompromissen beim Setup, die das Auto dann auch in den Kurven bremsen. Umso höher ist der sechste Platz von Ricciardo einzustufen.

Marko sieht positive Anzeichen: "Das war unsere bisher stärkste Leistung. Sie hat gezeigt, dass die Weiterentwicklung zumindest von unserer Seite her funktioniert. Vor allem, weil wir endlich mal vier Trainingssitzungen hatten, die planmäßig ohne Defekte gelaufen sind. Ricciardo ist das perfekte Rennen gefahren. Das war das Maximum. Und Kvyat hat es vom 17. Platz immerhin noch auf Rang 9 geschafft."

Für Red Bulls ersten Mann an der Front endete der GP Bahrain dennoch mit einer Niederlage. Er hatte mit Ricciardo gewettet, dass es mindestens für Platz 5 reicht. Der Nutznießer der Wette setzte wieder sein breitestes Lachen auf: "Tut mir leid Helmut. Ich wäre gerne Fünfter geworden. Aber dazu reicht es noch nicht ganz."

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