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Ricciardo von Mercedes überrundet

Red Bull droht mit Rücktritt

Kvyat - Red Bull - GP Australien 2015 Foto: xpb 71 Bilder

Von 2010 bis 2013 hat Red Bull alles gewonnen. Doch seit die Formel 1 mit Hybrid-Technik fährt, ist Sand im Getriebe. Daniel Ricciardo wurde überrundet Sechster. Red Bulls Frust richtet sich auf Motorenpartner Renault und das Reglement. Da wird sogar leise über Rückzug nachgedacht.

15.03.2015 Michael Schmidt

So wurde Red Bull schon lange nicht mehr geschlagen. Daniel Ricciardo kam bei seinem Heimspiel auf Platz 6 ins Ziel. Von den siegreichen Mercedes überrundet, von Sauber besiegt. Das zweite Auto mit Daniil Kvyat fiel schon auf der Fahrt zum Startplatz mit einem Getriebeschaden aus. Im Red Bull-Lager hing verständlicherweise der Haussegen schief.

Der erste Ärger traf Motorenpartner Renault. Daniel Ricciardo kämpfte mit einer Antriebsquelle, die ihre Leistung nach dem Zufallsprinzip abgab. "Beim Gasgeben ist zuerst viel Leistung da, dann ein Stottern, dann wieder Power und hinten raus gar nichts mehr", beschrieb Teamchef Christian Horner den Leidensweg seines Fahrers. "Das Schlimme daran ist, dass es jede Runde anders ist. Der Fahrer kann sich kaum darauf einstellen. Und das killt auch die Reifen."

Niederlage gegen Sauber tut weh

Auch der Getriebeschaden von Kvyat könnte die Folge der Motorprobleme sein. Die ständigen Fehlzündungen beanspruchen den Antriebsstrang. Bei Kvyat brach der fünfte Gang. Die Toro Rosso-Fahrer mussten ebenfalls zittern. Bei einem Getriebe-Check wurden beschädigte Schaltklauen entdeckt.

Dass Mercedes vorneweg fährt, hat man bei Red Bull inzwischen widerwillig akzeptiert. Die Niederlage gegen Sauber mit einem Ferrari-Motor tat dagegen weh. "Die fahren mit Flügeln aus dem Vorjahr. Unser neues Chassis ist eine halbe Sekunde besser. Den Unterschied macht der Motor", bellte Horner.

Red Bull-Berater Helmut Marko legte nach. Worte wie "inakzeptabel" machten die Runde. "Um überhaupt fahren zu können, müssen wir mit 80 bis 100 PS weniger Power antreten. Sauber fährt uns auf der Geraden auf und davon." Den Rückschritt seit den Testfahrten erklärt Marko so: "Die Software-Probleme kamen mit der Verbesserung des Motors."

Stimmt die Kosten/Nutzen-Rechnung noch?

Renault-Motorenchef Rob White schlich schon vor Rennbeginn wie ein geprügelter Hund aus dem Fahrerlager. Er flog vorzeitig zurück nach Paris. Bei Red Bull und Renault ist jetzt Feuer unter dem Dach.

Schon in den nächsten Wochen ändern sich Strukturen und Zuständigkeiten. Red Bull übernimmt die Programmierung des Energie-Managements. Die Prüfstandsversuche werden ab der 19. Woche exklusiv bei der AVL in Graz laufen. Dann wird auch die Entwicklungsarbeit von Ilmor am Zylinderkopf von neutraler Seite aus überprüft.

Red Bull ist aber auch sauer auf das Reglement. Es ist nach Meinung der früheren Abonnement-Weltmeister der Grund für eintönige Rennen. "Vorne fahren einsam zwei Autos, und dahinter wird nicht überholt", kritisiert Marko. Horner forderte die FIA auf, etwas dafür zu tun um das Gleichgewicht zwischen den Teams wieder herzustellen.

Technikchef Adrian Newey ärgert sich darüber, dass zu Zeiten der Red Bull-Dominanz alles unternommen wurde, diese zu brechen. "Laufend wurden Ideen von uns verboten, um uns einzubremsen. Zum Beispiel der angeblasene Diffusor und die Motorsteuerung. Bei Mercedes sagt keiner etwas."

Red Bull denkt über Ausstieg nach

Helmut Marko schließt sogar einen Rückzug von Red Bull nicht mehr aus: "Wir sind unzufrieden damit, wie die Formel 1 regiert und geführt wird. Deshalb wird bei uns auch über ein Ausstiegs-Szenario nachgedacht, wenn die Kosten/Nutzenrechnung nicht mehr aufgeht."

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hält nach dem Aufschwung plötzlich nichts mehr davon, das Reglement zu ändern: "Unsere Aufgabe ist es, Mercedes zu attackieren und nicht schon wieder die Regeln zu ändern."

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