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Richtige Kanada-Taktik?

Force India verteidigt Einstopp-Strategie

Sergio Perez - GP Kanada 2014 Foto: xpb 66 Bilder

Force India hätte beim GP Kanada ganz groß rauskommen können. Es lag sogar eine kleine Siegchance in der Luft. Doch die Einstopp-Taktik forderte ihren Preis. Am Ende der langen Stints brachen die Reifen ein. Technikchef Andy Green erklärt, warum die Strategie trotzdem sinnvoll war. Und zwar nur für Force India.

11.06.2014 Michael Schmidt

Den Gedanken an ein Einstopp-Rennen schminkten sich zehn der elf Teams ab, als sie den Wetterbericht für Sonntag lasen. Bei Asphalttemperaturen über 45 Grad wollte keiner mehr mit nur zwei Stints über die Runden kommen. Selbst Pirelli-Sportchef Paul Hembery warnte: "Je höher die Temperatur, umso größer die Abnutzung."

Nur Force India hielt stur an seinem Plan fest. Und der stand schon am Freitag fest. Nico Hülkenberg und Sergio Perez sollten mit einem Reifenwechsel über die Distanz fahren. Der eine mit den weichen Reifen am Start, der andere mit den superweichen. Technikchef Andy Green dazu: "Den Start-Turn mit 34 Runden auf der Supersoft-Mischung schafft nur Perez. Alle andere würden sich die Reifen kaputtfahren. Sergio hat einen speziellen Fahrstil. Er streichelt die Reifen."

Force India-Setup nur für das Rennen

Die Ein-Stopp-Taktik war nur für Force India sinnvoll. Dem Auto fehlt Abtrieb. Es ist aber leidlich schnell, wenn die Reifentemperatur stimmt. Wären Hülkenberg und Perez dem allgemeinen Trend gefolgt, kämen sie auf den Plätzen 8 bis 10 ins Ziel.

"Unsere einzige Chance weiter vorzukommen, war einen alternative Strategie. Dazu haben wir spezielle Fahrwerkseinstellungen, die die Reifen schonen. Der Preis dafür ist, dass wir Startplätze opfern, weil die Reifen mit diesem Setup zu lange brauchen, bis sie in ihr Arbeitsfenster kommen. Der Supersoft-Reifen war erst nach vier Runden da", erklärte Green.

Am Sonntag schlug Force India dann zu. Als die Gegner nach und nach an die Boxen abbogen, lagen Perez und Hülkenberg auf den Plätzen 3 und 4. Und ihre Rundenzeiten waren kaum schlechter als die ihrer Gegner. Das turbulente Renngeschehen spülte Perez auf den zweiten Platz hinter Nico Rosberg vor. Hülkenberg fiel auf Rang 5 zurück. Er musste 41 Runden mit seinem ersten Reifensatz durchhalten und führte die zweite Verfolgergruppe an.

Bremsproblem sorgt für eine Runde Konfusion bei Perez

In der Schlussphase machten sich die Nachteile der Einstopp-Taktik bemerkbar. An beiden Autos bauten die Hinterreifen stark ab. "Sergio kam in den Schikanen wegen seiner alten Reifen einfach nicht nahe genug an Rosberg heran. Sonst hätte er ihn auf der Geraden locker überholt." In dieser Phase träumte Sportdirektor Otmar Szafnauer sogar vom Sieg, wie er nach dem Rennen zugab.

Die Techniker hatten andere Sorgen. "Wir fürchteten, dass uns das gleiche passiert wie Hamilton und Rosberg. Die Mercedes-Ingenieure gaben uns aber schnell Entwarnung", berichtet Green.

Die Technik war schuld, dass Perez seinen zweiten Platz verlor. Eine falsche Sensormeldung schaltete fünf Runden vor Schluss das Brake-by-wire-System aus. "Sergio hat eine Runde gebraucht, bis er das System neu starten konnte. Das hat ihn abgelenkt. So kam Ricciardo vorbei." Und das erst hat ihn in die Fänge von Sebastian Vettel und Felipe Massa gebracht.

"Dummes Manöver" von Massa

Wie Green über den Unfall mit Massa denkt, ist keine Überraschung: "Ein dummes Manöver von Massa. Er hat etwas versucht, das nicht geht. Als er gemerkt hat, dass es zum Bremsen nicht reicht, zog er nach rechts in Sergios Auto."

Hülkenbergs Pech war die Safety-Car-Phase gleich zu Beginn des Grand Prix. "Das hat den Zweistoppern geholfen, weil sie ihre Supersoft-Reifen gut durch die Phase des Körnens gebracht haben. Nicos harte Reifen haben beim Re-Start länger gebraucht, bis sie wieder auf Temperatur waren", fluchte Green. Positiver Nebeneffekt: Danach konnte die Force India-Piloten ohne Spritsparen bis ins Ziel fahren.

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