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Pokerspiel Reifensparen

Hamilton zwei Mal Opfer im Reifenpoker

Lewis Hamilton - GP England - Training - Silverstone - 8. Juli 2011 Foto: xpb 50 Bilder

Die unberechenbaren Pirelli-Gummis laden dazu ein, in der Qualifikation Reifen zu sparen. Frische Reifensätze sind im Rennen eine Trumpfkarte. Doch der Schuss geht manchmal nach hinten los. Lewis Hamilton war bislang das prominenteste Opfer. In Silverstone erwischte es Toro Rosso auf dem falschen Fuß.

20.07.2011 Michael Schmidt

Seit Mark Webber beim GP China mit fünf frischen Reifensätzen von Startplatz 18 auf Rang drei vorgefahren ist, haben die Strategen das Thema Reifensparen auf ihrem Radar. Nick Heidfeld bestätigte beim GP Spanien mit seiner Fahrt vom letzten auf den sechsten Platz, dass neue Reifen im Rennen eine Trumpfkarte sein können. Webber und Heidfeld ließen sich unfreiwillig auf das Experiment ein. Im Rennen kamen sie mit einem blauen Auge davon.

Doch man muss ja nicht gleich absichtlich in der letzten Startreihe Aufstellung nehmen. Ein frischer Reifensatz mehr als der direkte Konkurrent kann über eine 300-Kilometer-Distanz schon den entscheidenden Unterschied ausmachen. Deshalb versuchen die Top-Teams regelmäßig mit harten Reifen durch das Q1 zu kommen und sich im Q3 einen Satz aufzuheben.

Das absichtliche Sparen hat aber auch seinen Preis. Man lässt sich auf das Risiko ein, im Ausscheidungswettbewerb der Qualifikation früh hängenzubleiben. So war es auch Webber in Shanghai passiert. Red Bull glaubte, der Australier käme ohne Mühe mit harten Reifen durch die erste K.O.-Runde. Als man realisierte, dass die vorgelegte Zeit nicht reicht, war es schon zu spät.

Hamilton zieht zwei Mal Reifen-Niete

Nach dem gleichen Muster wurde Lewis Hamilton nun schon zwei Mal von seinem Team an das Ende der ersten Qualifikationsgruppe verbannt. Ausgerechnet auf zwei Rennstrecken, auf denen das Überholen trotz Pirelli und trotz DRS noch schwierig ist. In Monte Carlo pokerte McLaren damit, seinen Starpiloten im Q3 nur ein Mal mit weichen Reifen ausrücken zu lassen. Und zwar zum Schluss. Als das Training wegen des Unfalls von Sergio Perez 2.30 Minuten vor dem Ende abgebrochen werden musste, reichte die Zeit nicht mehr für einen vernünftigen Versuch.

Ähnliches Spiel in Silverstone. Hamiltons Auto wurde zunächst mit einem Satz gebrauchter weicher Reifen bestückt. Der Fahrer sollte noch einmal ein Gefühl für sein Fahrzeug mit einer Minimalmenge an Sprit im Tank bekommen. Die Zeit reichte nur für Startplatz zehn. Als McLaren dem Engländer einen frischen Satz Reifen draufschnallte, begann es zu regnen. Das gehörte deshalb in die Kategorie dummer Fehler, weil Regen zum Ende des Trainings vorhergesagt war.

Toro Rosso steht im Regen

Toro Rosso erwischte es bereits in Q1. Beide Fahrer zählen nicht gerade zu den Kandidaten, die ohne Probleme die erste Runde überstehen. Trotzdem wurden Sebastien Buemi und Jaime Alguersuari wie die Fahrer der Topteams mit harten Gummis auf die Bahn geschickt. Auch in diesem Trainingssegment war Regen für die letzten fünf Minuten prognostiziert. Der Schauer kam sechs Minuten vor der Zielflagge. Eine Minute zu früh für die Toro Rosso-Piloten.

Alguersuaris Rennen von Platz 18 auf Rang zehn zeigte dann wieder einmal, wie wichtig der Zustand der Reifen zu Rennbeginn ist. Der Spanier hatte zwei brandneue weiche Reifen im Sortiment, dazu einen, der keine volle Qualifikationsrunde auf der Lauffläche hatte. Als der Regen kam, brach Alguersuari seinen Versuch ab. Am Ende blieb der angefahrene Satz sogar in der Boxengarage, weil die teilweise nasse Piste zu Rennbeginn einen Satz Intermediates erforderte.

Gefährliches Spiel mit dem Reifen-Joker

Damit war Alguersuari zum Beispiel viel besser ausgerüstet als die hinter ihm platzierten Adrian Sutil, Vitaly Petrov und Rubens Barrichello. Alle drei hatten im Rennen nur einen frischen Satz des weichen Gummis zur Verfügung. Damit haben Alguersuaris Verfolger in den ersten fünf Runden ihres Turns jeweils eine halbe Sekunde Zeit verschenkt. Und der gebrauchte Satz Reifen brach drei bis vier Runden früher ein.

Wer im Rennen einen Joker in der Tasche haben will, bleibt ein Risikospieler. Auch beim Trainingsschnellsten des GP England sah es in Q1 kurz danach aus, als könnte sich das Shanghai-Drama wiederholen. Webber schaffte erst in der allerletzten Runde von Q1 mit seinen harten Satz Reifen das rettende Ufer. Genauso eng wurde es bei Felipe Massa. Nur ein Last-minute Gewaltritt brachte den Brasilianer eine Runde weiter.

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