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Robert Kubica: Zweiter Karrierestart bei Renault

GP Italien 2009

Robert Kubica ersetzt Fernando Alonso bei Renault. Der Pole hat eine große Aufgabe vor sich. Renault ohne Alonso ist wie Ferrari ohne Michael Schumacher. Zum ersten Mal muss der 24-Jährige aus Krakau die Rolle der Nummer eins übernehmen.

Bei BMW-Sauber hat ihn das in den entscheidenden Momenten immer gestört. Das Team verteilte seine Aufmerksamkeit gleichwertig auf Robert Kubica und Nick Heidfeld. Dabei gab es Momente, in denen sich der Pole mehr Unterstützung von seinem Rennstall erhofft hätte. Zum Beispiel Mitte vergangenen Jahres, als er die Weltmeisterschaft anführte und er von der Teamleitung einforderte, alles auf seine Person zu konzentrieren statt Heidfeld bei seinen Problemen mit der Reifenbehandlung zu helfen.

Kubica ist kein bequemer Fahrer
 
Kubica glaubt immer noch, dass BMW die Chance auf den WM-Titel leichtfertig verspielt hat. "So eine Gelegenheit kommt vielleicht nur einmal im Leben", sagt er. Da schwingt ein bisschen Torschlusspanik mit. Dabei ist er erst 24. Ein bequemer Fahrer ist der schlacksige Kerl aus Krakau nie gewesen. Da kommt er bei Renault ins richtige Team. Die Mannschaft aus Enstone ist von Fernando Alonso klare Worte gewöhnt. Der Spanier hatte sich seine Truppe so um sich herum aufgebaut wie einst Michael Schumacher das bei Ferrari praktizierte. Für andere blieb da kaum Luft zum Atmen. "Das Team machte, was Alonso wollte. Er bestimmte, wann und wo er testet, nach ihm richtete sich die Rennstrategie, er bekam alle Entwicklungsteile zuerst", plaudert Ex-Pilot Nelson Piquet aus dem Nähkästchen.
 
Alonso hat sich die Sonderbehandlung durch Leistung verdient. Kubica tritt ein schweres Erbe an. Er muss den komplettesten Fahrer im Feld ersetzen. Renault weiß das und sucht deshalb eine starke Nummer zwei. Romain Grosjean ist trotz seiner französischen Wurzeln nicht mehr die Nummer eins für den Platz Nummer zwei. Als heißer Favorit neben Kubica wird Timo Glock gehandelt.
 
Neue Ära für Renault mit Robert Kubica
 
Renault will mit Kubica eine neue Ära einleiten. Die Rückzugsgerüchte sind vom Tisch. Das Team wird auch nicht verkauft. Paris lässt Investoren ins Boot, will aber die Mehrheit behalten. Das in der Vergangenheit stark von Flavio Briatore und Fernando Alonso geprägte Team soll wieder ein echter Werksrennstall werden. Renault will die eigene Marke besser in den Vordergrund stellen. Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor ING macht der französische Konzern aus der Not eine Tugend. Technikpartnerschaften statt klassischem Sponsoring sind gefragt. Der Mineralölkonzern Total wird sich stärker engagieren. Hewlett Packard soll kommen. Gerüchte sprechen auch von Nokia.
 
Robert Kubica hatte Renault von Beginn an als seine Nummer eins auf dem Radarschirm. Schon im Sommer schwärmte er. "Der Renault-Motor verbraucht weniger Benzin als die anderen Motoren. Das könnte nächstes Jahr ein Joker sein." Der Pokerfan aus Krakau stand auch bei Williams auf der Liste, doch bereits in Monza orteten Kubicas Antennen, dass das Interesse des Mannes im Rollstuhl an ihm abgeflaut war. Zu dem Zeitpunkt war bereits Rubens Barrichello auf dem Weg nach Grove.
 
Vertrag soll nur ein Jahr plus Option beinhalten
 
Als Ferrari einen Ersatz für Luca Badoer suchte, tat sich kurz eine neue Alternative auf, doch das Management von Kubica verlangte als Dank für den Aushilfsdienst Garantien für 2010. Und die konnte Maranello dem Polen nicht geben. Das Boot ist ohnehin überfüllt. Offenbar lässt man sich für 2011 alle Karten offen. Kubica soll nur für ein Jahr plus Option bei Renault unterschrieben haben. Ist die neue Ehe erfolgreich, muss der WM-Vierte des Vorjahres bleiben.
 
Das Problem der Ungewissheit betrifft nach Ansicht von Kubica jeden Fahrer, der für 2010 einen neuen Vertrag unterschreibt. "Es gibt keine Garantien mehr. Nicht einmal die Fahrer von Ferrari und McLaren können mit Bestimmtheit sagen, dass sie nächstes Jahr Rennen gewinnen. Es ist bestimmt eines der schwierigsten Jahre, sich für die Zukunft festzulegen." So gesehen war Kubicas Vorgänger Alonso mutig. Er unterschrieb gleich für drei Jahre bei Ferrari.

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Michel Schmidt

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