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Romain Grosjean im Interview

"Träume von Ferrari, seit ich acht bin"

Romain Grosjean - HaasF1 - GP China 2016 Foto: sutton-images.com 27 Bilder
Interview

Romain Grosjean liegt nach 3 Rennen mit 18 Punkten auf WM-Platz 8. Das durften nicht einmal Optimisten erwarten. Der Franzose erzählt, warum sein Wechsel zu HaasF1 kein Poker mit hohem Einsatz war, was man von dem US-Team erwarten kann und ob die Hintertür zu Ferrari schon offen steht.

25.04.2016 Michael Schmidt
Sie sind mit dem Wechsel zu HaasF1 ein Risiko eingegangen und haben in 2 Rennen 18 Punkte gesammelt. Fühlen Sie sich wie einer, der in der Lotterie das große Los gezogen hat?

Grosjean: Nicht wirklich. Als ich Guenther Steiner und Gene Haas getroffen habe, haben sie mir genug erzählt, um mein Interesse zu wecken. Nach zwei Runden bei den Wintertests habe ich gewusst, dass ich mich richtig entschieden hatte. Es ist wahrscheinlich eines der besten Autos, das ich je gefahren bin. Jetzt weiß ich: Dieses Projekt ist viel besser, als ich mir erträumt hatte. Ich habe gleich zu Beginn der Saison einen Haufen Punkte gesammelt. Alles in allem war es für mich ein viel geringeres Risiko, als es von außen aussieht. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand war die Wahl eigentlich logisch.

Shanghai war ein kleiner Rückschritt. Was lief da schief?

Grosjean: Das Streckenlayout ist nicht ideal für unser Auto. Wir sind dort stark, wo die Hinterreifen leiden. Es ist für uns schwieriger, die Vorderreifen in ihr Arbeitsfenster zu kriegen. Wir hatten irgendwie Mühe, das richtige Setup zu finden, auch wegen der lächerlich hohen Reifendrücke. Das Rennen war schrecklich. Ich hatte gleich Kontakt mit Ericsson, der mir gleich ins Auto gefahren ist. Das Safety-Car gab uns noch mal Hoffnung, ins Rennen zurückzufinden. Aber die Balance des Autos war schrecklich. Keine Ahnung, was da passiert ist. Vielleicht war es mal ganz gut, so ein schwieriges Rennen gefahren zu sein. Jetzt können wir zeigen, ob wir herausfinden, was wir richtig und falsch gemacht haben.

Spielte die Unsicherheit bei Lotus und Renault keine Rolle bei Ihrer Entscheidung?

Grosjean: Hätte sich Renault schon beim GP Monaco entschieden, das Team zu übernehmen, wäre ich wahrscheinlich dort geblieben. Doch die HaasF1-Option war wirklich überzeugend. Guenther Steiner hat 45 Minuten mit mir gesprochen, und ich habe Feuer gefangen. Dann hatte ich noch einmal 30 Minuten mit Guenther und Gene. Am Ende des Gesprächs habe ich Gene die Hand geschüttelt. Eine Woche später war der Vertrag unterschrieben. Ich wollte nicht auf Renault warten. Weil ich an das HaasF1-Projekt glaubte.

Beim Bau des neuen Autos war Ferrari eine Hilfe. Bei der Weiterentwicklung steht HaasF1 auf eigenen Füßen. Macht Ihnen das Sorgen?

Grosjean: Überhaupt nicht. Es stimmt nicht, dass unser Auto ein kleiner Ferrari ist. Die Nase ist anders, die Frontflügel-Philosophie, das Chassis, die Seitenkästen, der Heckflügel. Ja, natürlich haben wir die Aufhängungen und das Getriebe von Ferrari. Aber drum herum haben wir unser eigenes Auto gebaut. Ich habe großen Respekt vor Ben Agathangelou und seiner Aero-Abteilung. Das ist ein Haas-Auto und kein Ferrari. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass wir bei der Weiterentwicklung des Autos einen guten Job machen. Wir haben neue Teile hier und werden in Barcelona ein großes Upgrade haben. Und ich glaube, dass HaasF1 sich schon etabliert in der Szene hat. Das wird weitere Ingenieure anlocken.

Womit haben Sie bestenfalls gerechnet?

Grosjean: Ich habe nicht davon geträumt, nach zwei Rennen Fünfter in der WM zu sein. Aber mit Punkten und Top Ten-Platzierungen in der Qualifikation habe ich schon gerechnet.

Kann es so weiter gehen?

Grosjean: Wir müssen unsere Erwartungen dämpfen. Für uns beginnt jedes Rennen bei Null. Mehr oder weniger starten wir bei jedem Rennen mit einem weißen Blatt Papier. Ich habe keine Referenz zum Vorjahresauto, weil es keines gibt. Also müssen wir uns an die Aero-Balance, die mechanische Abstimmung, die optimale Bodenfreiheit und das Reifenmanagement erst herantasten. Der HaasF1 ist ein ganz anderes Auto als der Lotus. Aber gewisse Dinge kann man schon übertragen. Da hilft mir meine die Erfahrung. Ich habe ja mein Hirn nicht bei Lotus zurückgelassen.

Ihr Auto schont die Reifen. Kann das bei dem größeren Angebot von Pirelli ein Vorteil sein?

Grosjean: Der 2015er Ferrari war nett zu den Reifen. Es ist deshalb kein Zufall, dass es unser Auto auch ist. Wir haben ja das gleiche Getriebe und die gleiche Hinterachse. Unser geringer Reifenverschleiß kann uns bei den Rennen helfen, bei denen die weichen Reifen für andere kritisch sind. Wir können mit ihnen umgehen und das zu unseren Vorteil nutzen.

Wie lange wird es dauern, bis die zusammengewürfelte Truppe ein Team ist?

Grosjean: Es funktioniert schon erstaunlich gut. Schon bei den Wintertests konnte man sagen, dass wir bereits ein Team sind. Uns fehlen vielleicht noch 20 Prozent. Aber die sind die härtesten. Um auf 100 Prozent zu kommen, wird ein Jahr vergehen. Die guten Resultate helfen natürlich. Weil es die Leute extra motiviert.

Und die Arbeitsprozesse?

Grosjean: Auf der Startaufstellung laufen unsere Leute noch mit einer Art Handbuch herum, damit wir nichts falsch machen. In der Garage sind wir schon viel schneller geworden als am Anfang.

Ist das HaasF1-Modell ist eine Vorlage für andere Teams? Mit nur 180 Leuten gegen Sauber und Force India, die doppelt so viele Angestellte haben?

Grosjean: Es ist der richtige Weg. Wir machen mit weniger Leuten, weniger eigenen Ressourcen und einem gesunden Budget auf Anhieb den gleichen Job wie etablierte Teams. Mit echten Kundenautos könnte man mit noch kleineren Teams antreten, aber mir ist es lieber, in einem eigenständigen Auto zu sitzen.

Welche Rolle spielt die Nähe zu Ferrari. Träumen sie davon, durch diese Hintertür ein Cockpit bei Ferrari zu bekommen?

Grosjean: Ich träume von Ferrari, seit ich acht Jahre alt bin. Trotzdem bin ich nicht zu HaasF1 gegangen, um damit durch die Hintertür bei Ferrari zu landen. Ich habe an dieses Team geglaubt. Und bin unheimlich stolz, dass ich der erste Fahrer bin, der nach 30 Jahren wieder Punkte für ein amerikanisches Team geholt hat. Ich habe keine Eile. Ich bin erst 30 Jahre alt und habe noch viele Jahre vor mir.

Nicht alle freuen sich mit HaasF1. Die direkte Konkurrenz sagt, dass man es Neueinsteigern zu leicht gemacht hat. Was sagen Sie dazu?

Grosjean: Unser Weg hat einem amerikanischen Team den Weg in die Formel 1 geöffnet. Und es wird ein Modell für andere neue Teams sein. Die Leute, die uns kritisieren, sind nur neidisch auf unseren Erfolg. Aber so ist die Formel 1.

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