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Ron Dennis

Seine 28 Jahre als McLaren-Teamchef

Ron Dennis Foto: dpa 59 Bilder

Ron Dennis ist der erfolgreichste Teamchef der letzten 30 Jahre. Am 1. November 1980 trat er seinen Dienst als Teamdirektor bei McLaren an, am 1. März 2009 wurde er von Martin Whitmarsh abgelöst.

02.03.2009 Michael Schmidt

Der 61-jährige Engländer blickt auf 28 turbulente Jahre mit McLaren zurück. In der Ära Dennis holte der von Bruce McLaren gegründete Rennstall zehn Fahrertitel, sieben Konstrukteurstitel und 138 GP-Siege. Es gab aber auch Pleiten, Pech und Pannen. Ein Rückblick:
 
1981: Star-Konstrukteur John Barnard erfindet für McLaren das erste Kohlefaserauto, den MP4-1. John Watson erlöst McLaren nach 53 sieglosen Rennen mit dem Erfolg beim GP England in Silverstone. Die Formkurve zeigt steil bergauf.
 
1982: Der erste große Coup von Ron Dennis. Er holt Niki Lauda nach zwei Jahren Pause mit der damaligen Traumgage von vier Millionen Dollar ins Cockpit zurück. Lauda gewinnt bereits das dritte Rennen nach seinem Comeback. Teamkollege John Watson verliert im Finale in Las Vegas den Titel an Keke Rosberg.
 
1983: Ein Jahr der Stagnation. John Watson gewinnt in Long Beach zwar vom 22. Startplatz, doch in Monte Carlo verfehlen beide Autos die Qualifikation. Dennis bastelt bereits an der nächsten Sensation. Sein Partner Mansour Ojjeh, der TAG-Chef, finanziert bei Porsche einen Turbomotor. Der V6-Turbo aus Weissach feiert in Zandvoort ein bescheidenes Debüt.
 
1984: Niki Lauda und Alain Prost rennen im McLaren-TAG, made by Porsche, alles nieder. Sie gewinnen zwölf der 16 Rennen. Lauda wird mit einem halben Punkt Vorsprung Weltmeister.

1985: Auch in seinem zweiten Jahr ist die Kombination McLaren-Porsche das Maß aller Dinge. Prost gewinnt den längst fälligen Titel und Lauda tritt endgültig zurück.
 
1986: Die Williams-Honda sind überlegen, doch Alain Prost gewinnt den dritten Titel in Folge für McLaren und Porsche. Er profitiert davon, dass sich die Williams-Asse Piquet und Mansell die Punkte gegenseitig wegnehmen. Keke Rosberg nimmt Laudas Stelle ein, doch gegen Prost ist der Champion von 1982 chancenlos.
 
1987: Die Zeit des Porsche-Turbo ist endgültig abgelaufen. Mit einem Jahresbudget von 20 Millionen Dollar kann man gegen Honda nicht konkurrieren, die mit Mann und Maus den Titel nach Japan holen. Ron Dennis bastelt bereits an seinem nächsten Meisterstück. Er stiehlt Williams die Honda-Motoren und wirbt Ayrton Senna von Lotus ab.
 
1988: Nie war ein Team so erfolgreich. McLaren-Honda gewinnt 15 der 16 Rennen. Williams-Aushilfspilot Jean-Louis Schlesser verdirbt McLaren die ganz große Party. Er räumt Senna in Monza von der Bahn. Der Brasilianer gewinnt die Weltmeisterschaft vor Teamkollege Prost. Noch vertragen sich die beiden Superstars.
 
1989: Die Zweckgemeinschaft Senna/Prost schlägt in Feindschaft um. Prost erklärt Senna nach einer gebrochenen Abmachung beim GP San Marino den Krieg. In Suzuka kommt es zum Eklat. Prost rempelt Senna von der Bahn und wird Weltmeister. Schon Mitte des Jahres unterschreibt der Franzose bei Ferrari.

1990: Der Krieg geht weiter: McLaren-Pilot Ayrton Senna gewinnt das Duell auf die gleiche Weise wie Prost das Jahr zuvor. Kaltblütig schießt er Prost nach dem Start ab.
 
1991: Williams-Renault ist im Kommen, doch dank Sennas Fahrgenie kann sich Ron Dennis einmal mehr im Titelglanz sonnen. Honda experimentiert mit einem Zwölfzylinder-Motor und beginnt langsam Lehrgeld zu zahlen.
 
1992: McLaren-Partner Honda bekommt die Quittung für seine V12-Träume. Obwohl die Japaner einen neuen Motor bauen, den Zylinderwinkel von 60 auf 75 Grad vergrößern, ist gegen Williams-Renault und Mansell kein Kraut gewachsen. McLaren hat die Entwicklung des aktiven Fahrwerks verschlafen. Honda zieht sich verärgert zurück und lässt Dennis im Regen stehen. Dennis flirtet mit Renault, blitzt aber ab und landet bei Ford, wo er nur Kundenmotoren bekommt.
 
1993: Ayrton Senna reizt Dennis bis aufs Blut, weil er pro Rennen eine Million Dollar Gage fordert. In Imola erscheint er erst im letzten Moment, weil der Scheck nicht auf der Bank eingetroffen ist. Sein Hass auf Prost stimuliert Senna zu seinen besten Rennen. Trotz des Handikaps von 50 PS gewinnt er fünf Grand Prix. Am Titel von Prost kann er nichts ändern. Er sticht aber den aufstrebenden Michael Schumacher aus, der bei Benetton lange Zeit bessere Ford-Motoren erhält als Senna. Benetton ist der Ford-Werksrennstall, McLaren nur Kunde. Ende des Jahres geht Senna im Streit von McLaren zu Williams. Michael Andretti wird während der Saison durch Mika Häkkinen ersetzt. Der Amerikaner klagt über eine unfaire Behandlung. Dennis steht zunächst wieder ohne Motor da. Er ist sich mit Chrysler schon handelseinig, als Peugeot ihm einen Werksvertrag anbietet. Dennis greift zu.
 
1994: Eine Saison ohne Sieg. Mika Häkkinen und Martin Brundle bezahlen für die vielen Peugeot-Motorplatzer. Als sich Mercedes für 1995 als Partner anbietet, windet sich Dennis aus dem laufenden Peugeot Vertrag. Das hinterlässt in der Branche viel böses Blut.
 
1995: McLaren landet trotz Mercedes im Boot wieder nur auf dem vierten Platz im Konstrukteurspokal. Häkkinen verzweifelt an seinem launischen MP4-10. Neuzugang Nigel Mansell ist erst zu dick für das McLaren-Cockpit, dann sagt er über Nacht good-bye. Sein Ersatz Mark Blundell holt immerhin noch elf Punkte. Trotzdem: 1995 ist ein echter Tiefpunkt.
 
1996: Es geht mit Mika Häkkinen und David Coulthard langsam wieder bergauf. Trotzdem bleibt McLaren das dritte Jahr in Folge sieglos. Marlboro verlässt den Rennstall nach 23 Jahren und geht zu Ferrari. Dennis holt sich einen anderen Tabaksponsor als Ersatz. West kommt als neuer Hauptsponsor.
 
1997: Vier Wochen vor Saisonbeginn entscheiden Dennis und Mercedes, dass die Autos wie in alten Zeiten silber lackiert werden. David Coulthard gewinnt prompt den Auftakt in Melbourne. Drei Siege deuten an, dass mit McLaren wieder zu rechnen ist. Mercedes sorgt mit dem FO110F-Motor für einen großen Power-Schub. Und Dennis klaut seinem Kontrahenten Frank Williams wieder einmal einen wichtigen Mann. Stardesigner Adrian Newey dockt bei McLaren an.
 
1998: Newey interpretiert die neuen Regeln mit schmalen Autos und Rillenreifen am besten. In der ersten Saisonhälfte ist McLaren-Mercedes praktisch unschlagbar. Dann holt Ferrari auf. Im Finale von Suzuka sichert Häkkinen den Titel für die Silberpfeile.

1999: Das Duell McLaren gegen Ferrari geht in die nächste Runde. Ferrari-Ass Schumacher bricht sich in Silverstone das rechte Bein. Eigentlich ist die Saison gelaufen, doch Häkkinen und Coulthard stehen sich selbst im Weg. Es kommt zu Kollisionen und Unfällen und plötzlich hat Schumachers Sekundant Eddie Irvine eine Titelchance. Häkkinen macht erneut in Suzuka alles klar.
 
2000: Ferrari beginnt stark, doch McLaren schlägt zurück. In Spa sieht es so aus, dass Häkkinen auf dem Weg zum dritten Titel ist. Doch dann platzt in Indy zum dümmsten Augenblick der Mercedes-V10 in Häkkinens McLaren. Das große Finale in Suzuka gewinnt Schumacher. Mercedes gehören mittlerweile 40 Prozent vom Team.
 
2001: McLaren-Mercedes gewinnt nur noch vier Rennen. Zu wenig, um gegen Ferrari und Schumacher zu bestehen.
 
2002: Ferrari fährt alle an die Wand, McLaren inklusive. Einziges Highlight ist David Coulthards Sieg in Monte Carlo. Nach Häkkinens Rücktritt sichert sich Dennis den nächsten Finnen. Kimi Räikkönen wird mit viel Geld aus seinem Sauber-Vertrag gesprengt.
 
2003: McLaren ist Ferrari ebenbürtig. Doch da gibt es auch noch die widererstarkten Williams mit BMW-Power. Räikkönen fehlen am Ende nur zwei Punkte auf Schumacher und den Titel. Der revolutionäre McLaren MP4-18 ist ein Rohrkrepierer. Er kommt über das Teststadium nie hinaus. Räikkönen wird mit dem Uralt MP4-17B Vizemeister.
 
2004: McLaren ist der Spott der ersten Saisonhälfte. Der aus dem MP4-18 abgeleitete MP4-19 ist zunächst nur Mittelmaß. Wegen fehlerhafter Installation platzen Mercedes-Motoren am laufenden Bank. Das Verhältnis zwischen Dennis, seiner rechten Hand Martin Whitmarsh und Mercedes-Motorenpapst Mario Illien bekommt erste Risse. Eine Runderneuerung des MP4-19 zu Saisonmitte bringt langsam Licht ins Dunkel. Räikkönen gewinnt in Spa. Dennis lockt Juan Pablo Montoya von Williams weg. Die beiden passen zusammen wie Hund und Katze.
 
2005: McLaren hat das beste Auto, Mercedes den stärksten Motor, doch der Titel geht an Fernando Alonso und Renault. Viele Motorschäden und andere Defekte bremsen Räikkönen immer wieder ein. Juan Pablo Montoya ist gut für Siege, aber nicht für den Titel. Der Kolumbianer sorgt zu Saisonbeginn für einen Skandal. Er bricht sich beim Motocross-Fahren die Schulter. Offizielle Version: Es ist beim Tennisspielen passiert. Kurz vor Weihnachten bekommt Montoya einen indirekten Ausmusterungsbescheid. Dennis verpflichtet für 2007 in einer Nacht- und Nebelaktion Fernando Alonso.
 
2006: McLaren fällt wieder in die Tristesse zurück. Montoya und Räikkönen feinden sich an. Räikkönen unterschreibt mit mehr als einem Jahr Vorlauf bei Ferrari. Dem Finnen geht es auf den Wecker, wie Dennis die Fahrer bevormundet. Als Montoya seinen Teamkollegen in Indy beim Start abschießt, fliegt er aus dem Team. Testpilot Pedro de la Rosa bekommt den Job. Mercedes hat Ilmor inzwischen ganz geschluckt. Damit verschwindet auch Mario Illien von der Bildfläche. Sehr zur Freude von Ron Dennis. Jetzt kann er bei Mercedes High Performance in Brixworth besser mitbestimmen. Weil Mercedes wieder einmal Interesse zeigt, McLaren zu übernehmen, verkaufen Dennis und Partner Mansour Ojjeh je 15 Prozent ihrer Anteile ans Bahrainische Königshaus.
 
2007: Das verrückteste Jahr der McLaren-Geschichte. Neuling Lewis Hamilton setzt wider Erwarten Superstar Alonso unter Druck. Es kommt zu Szenen wie einst bei Senna und Prost. Ron Dennis hat einen Spionageskandal an der Backe. McLaren-Ingenieur Neil Oatley bekommt von Ferrari-Mann Nigel Stepney geheime Daten über die Ferrari-Technik zugespielt. FIA-Präsident Max Mosley verhängt eine Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar. Hamilton und Alonso verlieren das Titelrennen im Finale an Kimi Räikkönen. Alonso kündigt drei Wochen nach Saisonende. Mosley hofft, dass sein Erzfeind Dennis nach all den Rückschlägen den Hut nimmt, doch der sagt sich: Jetzt erst recht.
 
2008: Wieder kursieren Gerüchte, dass Mercedes McLaren mehrheitlich übernimmt, doch der alte Fuchs Dennis trickst den Konzern einmal mehr aus. Die Wogen glätten sich, vor allem nachdem Hamilton den Titel zurück ins Reich holt. Erst jetzt ist für Dennis der Moment des Abschieds gekommen. "Der Titelgewinn war nicht entscheidend, aber er hat zu meinem Entschluss beigetragen."

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