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Rosberg-Ausfall rettet Teamfrieden

Einstopp-Verbot für Hamilton

Nico Rosberg - GP England 2014 Foto: Wilhelm 75 Bilder

Was wäre passiert, wenn Nico Rosberg beim GP England nicht ausgefallen wäre? Dann hätte Mercedes ein Problem bekommen. Lewis Hamilton hätte vermutlich auf eine Einstopp-Strategie umschwenken müssen, um Rosberg zu schlagen. Die aber wäre ihm verboten worden.

08.07.2014 Michael Schmidt

Manchmal kann man es keinem Recht machen. Mercedes lässt Lewis Hamilton und Nico Rosberg gegeneinander fahren. Das ist lobenswert, birgt aber Probleme. Nicht nur die einer Kollision. Oder dass sich die beiden so hetzen, bis die Technik streikt. Beim GP England stand Mercedes vor einer Konstellation, die den Teamfrieden hätte in Gefahr bringen können. Nico Rosbergs Ausfall rettete das Team davor, in Gewissensbisse zu geraten.

Schuld war der trockene Freitag und der nasse Samstag. Die Dauerläufe am Freitag gaben kein repräsentatives Bild über die Lebensdauer der Reifen ab. "Wir gaben den weichen Reifen 20, maximal 25 Runden", gab Red Bull-Teamchef Christian Horner zu. Daniel Ricciardo spulte im Rennen 37 Runden auf der Medium-Mischung ab. Der Australier überraschte sich und das Team. Und viele andere auch.

Nur unterschiedliche Reifenabfolge erlaubt

Die meisten gingen am Freitag noch von einem Zweistopp-Rennen aus. Das blieb auch am Samstag so, weil der Regen neue Erkenntnis über die Abnutzung der Reifen verhinderte. Nur die Pokerspieler liebäugelten mit einem Stopp. Mercedes zählt nicht dazu. Wer so überlegen ist, wählt die sichere Variante. Also zwei Mal Reifenwechseln.

Bei Mercedes geht die Gleichbehandlung so weit, dass die Zahl der Stopps für beide Fahrer gleich sein muss. Selbst, wenn sich während des Rennens für einen der beiden herausstellt, dass eine Abweichung vom Plan, also ein Stopp oder drei, besser wäre. Die einzige Trumpfkarte, die den beiden Teams im Team im Kampf gegeneinander gestattet wird, ist die unterschiedliche Abfolge der Reifen.

Mercedes kann sich den Luxus erlauben. Die Silberpfeile sind so überlegen, dass man auch mit der schlechteren Taktik gegen Williams, Red Bull oder Ferrari gewinnt. Lewis Hamiltons Vorsprung auf Valtteri Bottas betrug 30,1 Sekunden. Obwohl er ein Mal mehr an der Box stand. In Silverstone kostet eine Boxendurchfahrt 21 Sekunden.

Mercedes-Taktik stand vor dem Start fest

Die Taktik von Rosberg und Hamilton stand vor dem Start fest, wie Teamchef Toto Wolff erklärte: "Nico sollte mit der konservativen Variante medium-medium-hart fahren, Lewis mit der aggressiveren medium-hart-medium. Es waren immer zwei Stopps geplant." Damit hätten sich die Fahrer wie in Bahrain und in Spanien in den letzten Runden zum direkten Duell auf der Piste treffen können.

Doch beim GP England trat etwas ein, das man so nicht erwarten konnte. Die Reifen hielten viel länger durch als gedacht. Rosberg bog wie abgesprochen nach 18 Runden in die Boxengasse ab. Aus einem Vorsprung von 2,7 Sekunden wurde ein Rückstand von 15,9 Sekunden. Die Pirelli-Techniker entdeckten sofort, dass die Gummischicht nur zu 50 Prozent abgeschrubbt war. Das wusste natürlich auch die Crew von Hamilton.

Einstopp-Strategie Hamiltons beste Chance

Der normale Weg wäre nun gewesen, Hamilton auf ein Einstopp-Rennen zu setzen. Der Engländer blieb bis Runde 24 auf der Bahn. Der harte Reifensatz, den er in 4,1 Sekunden bekam, hätte locker bis zum Schluss durchgehalten. Es wäre vermutlich Hamiltons beste und auch einzige Chance gewesen, Rosberg zu schlagen.

Der Engländer lag nach seinem Stopp 5,9 Sekunden hinter dem Teamkollegen. Er hätte den Abstand nur innerhalb von 10 Sekunden halten müssen, um dann mit alten Reifen gegen Rosberg mit neuen zu überleben. Rosberg hätte auf jeden Fall ein zweites Mal stoppen müssen, da er bis dahin noch nicht auf den harten Reifen gefahren war.

Zu dem Zeitpunkt war Rosbergs Getriebe aber schon schwer angeschlagen. Hamilton konnte sich nach dem Ausfall des Stallrivalen einen Sicherheitsstopp leisten, bei dem er dann entgegen dem ursprünglichen Plan die harten statt die weichen Reifen bekam.

Mercedes hätte Hamilton die Siegchance genommen

Böswillige würden sagen: Rosbergs Ausfall war ein Glück für die Strategen. Sie wären dann vor einem Dilemma gestanden, wenn Hamilton nach Rosbergs zweitem Reifenwechsel gemerkt hätte, dass die einzige Chance zum Sieg Durchhalten gewesen wäre. Einen Sieg, den er bitter nötig hatte. Nach drei Niederlagen in Folge, dazu unter der Erwartungshaltung des heimischen Publikums. Wie groß wäre der Aufschrei in England gewesen, wenn man der Gleichschaltung zuliebe Hamilton die Siegchance genommen hätte?

Mercedes hätte den WM-Zweiten trotzdem aus Gründen der Fairness an die Boxen geholt. Das bestätigen auch Toto Wolff und Niki Lauda. "Es wurde nie über einen Strategiewechsel diskutiert", wiegelte Lauda ab. Die Preisfrage ist: Hätte Hamilton den Befehl befolgt? Schwierige Antwort. Wäre Fernando Alonso im anderen Mercedes gesessen, hätte man gar nicht fragen müssen. Der Spanier hätte vermutlich den Funkspruch nicht gehört.

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