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Der neue Rosberg

"Er hält dagegen wie Lewis"

Nico Rosberg & Lewis Hamilton- GP Spanien 2016 Foto: Wilhelm 11 Bilder

Nach der Kollision der beiden Mercedes-Fahrer rieben sich alle die Augen. Ist das noch der Nico Rosberg, den wir kennen? Rosberg sagt, er habe sich nicht bewusst verändert. Die Experten bestreiten das. Der Unfall zeigt, dass der Deutsche im Zweikampf ganz klar härter geworden ist.

20.05.2016 Michael Schmidt 6 Kommentare

Die ersten Fragen gab es schon Ende des letzten Jahres. Was macht Nico Rosberg anders, seit er jedes Rennen gewinnt? Nachdem der WM-Zweite des Vorjahres mit 4 Siegen in die neue Saison eingestiegen ist, wurden die Fragen immer dringlicher. Doch Rosberg wollte keine Antwort geben. Jedenfalls keine, die im Detail erklärt, was er jetzt anders macht als vorher. Nur so viel: Er arbeite ständig an sich und versuche die Dinge abzustellen, die in den letzten Jahren nicht nach Plan liefen.

So ist man bei dem 30-Jährigen mit Wohnsitz Monaco auf Eigenanalysen angewiesen. Er wirkt kompromissloser, entschlossener, konstanter, unnachgiebiger. Der neue Rosberg hat alles ausgeblendet, was ihn auf seiner WM-Mission behindern könnte.

Man merkt es an seinen Antworten. Ob er daran denke, dass er Sebastian Vettels Rekord von neun Siegen in Folge bald übertreffen könne, wurde er vor dem GP Spanien gefragt? Ob Hamilton wegen seiner Pechsträhne mental angeschlagen ist? Ob ihn die Verdächtigungen treffen, die Mercedes unterstellen ihm den WM-Titel zuzuschanzen? Standardreplik von Rosberg: "Ich will nur in Barcelona gewinnen. Die größte Chance das zu tun, ist nur an Barcelona zu denken."

Rosberg zeigt beim Start und im Zweikampf Zähne

Als er nach seinem zweiten Platz in der Qualifikation damit konfrontiert wurde, dass er mit seinem großen Vorsprung nicht so viele Risiken eingehen müsse wie der unter Zugzwang stehende Hamilton, gab Rosberg ungnädig zurück: "Ich fahre auf Sieg."

Und so kam es am Sonntag auch. Niki Lauda applaudiert: "So wie Rosberg in Barcelona den Start gewonnen hat, und wie er danach Hamilton brutal die Tür zuwirft, habe ich Nico noch nie gesehen. Lewis hatte einen guten Start, aber Nico hat ihn trotzdem überholt, weil er später die erste Kurve angebremst hat."

Die gleiche Entschlossenheit zeigte sich bei Rosbergs Konter auf Hamiltons Angriff ausgangs Kurve 3. "In den letzten Jahren hätte er Lewis Platz gelassen. Die Zeiten sind vorbei. Nico hält jetzt genauso dagegen wie Lewis. Und damit muss Lewis erst einmal klarkommen", fällt Lauda auf. Martin Brundle resümiert: "Nico hat sich in eine Siegmaschine verwandelt. Der gibt sich nirgendwo mehr mit Platz 2 zufrieden."

Nico Rosberg - GP Spanien 2016Foto: xpb
Nico Rosberg zeigt sich wie verwandelt.

Überraschenderweise passierte es Rosberg, dass er in den falschen Motor-Modus geriet. Ausgerechnet dem Fahrer, der jede Information wie ein Schwamm in sich aufsaugt, alles wissen und verstehen will und sicher mehr technisches Verständnis hat als sein Teamkollege.

"Fehler passieren", hakt Lauda das Thema ab. Trotzdem verwundert es, dass Rosberg an seinem Lenkrad Spickzettel braucht, während Bauchmensch Hamilton ohne auskommt. Ein Ingenieur sagte einmal: "Wenn es 100 Details gibt, die man wissen sollte, dann will Nico alle 100 kennen. Lewis beschränkt sich auf 10, aber es sind die wichtigen."

Hamilton lebt weiter sein wildes Leben

Nico Rosberg lebt für diesen WM-Titel. Er sieht diese Saison nicht als seine goldene Chance, wie viele es ihm gerne einreden würden. Er will den Titel aber auch nicht durch irgendwelche Nachlässigkeiten aufs Spiel setzen. Was der Sache dient, wird erledigt. Unwichtige Dinge fallen unter den Tisch. Da mag es ihm helfen, dass sein Stallrivale weiter über die Stränge schlägt und tausend andere Dinge im Kopf hat.

In den zehn Tagen zwischen Russland und Spanien reiste Hamilton 2 Mal über den Atlantik. Nach seinen Trips auf die Bahamas und nach Miami war Hamilton so müde, dass er offenbar die obligatorische Teambesprechung in Brackley am Mittwoch vor dem GP Spanien verpasste. Auch am ersten Trainingstag lief es nicht rund. "Ich habe mich mit der Abstimmung des Autos verrannt", gab Hamilton zu.

Am Samstag übertrugen Hamiltons Ingenieure Rosbergs Set-up auf das Auto mit der Nummer 44. "Keine großen Dinge, nur Bodenfreiheit und Rollsteifigkeit." Rosberg wähnte sich schon auf der sicheren Seite, als Hamilton im zweiten Abschnitt der Qualifikation plötzlich eine Runde aus dem Ärmel schüttelte, die ihm keiner mehr zugetraut hatte.

Und was war anders als vorher? "Nichts. Nur der Kopf. Lewis hatte plötzlich das Vertrauen, dass es geht", erzählten die Ingenieure. Es wurde später seine 52. Pole Position daraus. Rosberg weiß, warum er sagt: "Lewis darfst du nie abschreiben. Der gibt sich nie auf."

Neuester Kommentar

Das mit dem "neuen" Rosberg klingt auf den ersten Blick sehr schön, allerdings: Er hat auch massiv vom Pech seines Teamkollegen profitiert. Da wären zunächst mal der verpatzte Start in Australien, der nicht auf Hamilton's Kappe ging. Der Rammstoß von Bottas in Bahrain. Dann die Probleme im Qualifying von China sowie Russland. Und im Qualifying steht es 3-0 für den Briten, wann immer das Auto es ihm erlaubt hat, in Q3 mitzufahren. Von Rosberg's toller Pace Ende 2015 ist nichts mehr zu sehen und vieles ist ihm in dieser Saison praktisch kampflos in den Schoß gefallen.

Ich sehe keinen neuen Rosberg, nur eben einen Rosberg mit sehr viel Glück, der das meiste aus den Steilvorlagen gemacht hat, die ihm das Schicksal in den ersten vier Rennen bereitet hat. Ob das alleine reichen wird, wird sich zeigen. Ich schreibe Hamilton noch lange nicht ab.

LauterBeobachter 21. Mai 2016, 07:41 Uhr
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