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Motor-Schalter in falscher Position?

Rosberg im Safety-Car-Modus

Nico Rosberg - Mercedes - Lenkrad 2016 Foto: sutton-images.com 11 Bilder

Der Crash der Mercedes-Fahrer gibt weiter Rätsel auf. Man weiß, warum Nico Rosberg plötzlich 17 km/h verlor, aber nicht wie es dazu kam. Hat Rosberg vergessen vor dem Start auf den richtigen Rennmodus zu schalten, oder war der Schalter falsch konfiguriert?

17.05.2016 Michael Schmidt 9 Kommentare

Die Schuldfrage ist geklärt. Zumindest für die FIA. Es war ein normaler Rennunfall zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Das kann man so interpretieren: Entweder hat keiner Schuld, oder beide gleich viel. Auch innerhalb des silbernen Lagers wird nicht mit dem Finger auf einen der beiden gezeigt. Einer sagt: "Nico und Lewis haben ungefähr gleich viel Anteil an der Kollision."

Es ist logisch, dass Hamilton seine Chance sucht, nachdem das andere Auto plötzlich ungewöhnlich viel Speed verliert. Und es ist auch normal, dass Rosberg seine Führung verteidigt. Man muss Rosberg zugutehalten, dass er sein Auto schon nach rechts zieht, bevor Hamilton in diese Richtung ausschert.

Aber er hat die Tür auch dann noch zugemacht, als Hamiltons Frontflügel schon neben dem rechten Hinterrad seines Autos lag. Zu dem Zeitpunkt war das linke Vorderrad des Engländers noch auf der weißen Linie. Danach musste Hamilton aufs Gras. Sein Fehler war, dass er auf der Wiese weiter Vollgas gab. Daten beweisen: Die Gaspedalstellung geht praktisch nicht zurück.

Mercedes in unterschiedlichen Motor-Programmen

Auslöser des Unfalls war Rosbergs plötzlicher Power-Verlust. Die Details dazu sind bekannt. Sein Mercedes-Motor ging beim Beschleunigen aus Kurve 3 in den sogenannten De-Rating Betrieb. Die MGU-K liefert dann keine Power mehr, sondern beginnt die Batterie zu laden.

Beim Gasgeben funktioniert das so: Die Elektromaschine arbeitet gegen den Verbrennungsmotor an und produziert dabei Strom. Damit fehlen schlagartig 160 PS. Der Tempo-Unterschied betrug 17 km/h. "Das ist fast so ein Vorteil wie mit DRS", beschrieb es Hamilton.

Noch nicht klar ist, warum Rosberg im falschen Motor-Modus war. Sequenzen aus den beiden Bordkameras (>> siehe Video) zeigen jedoch, dass der so genannte STRAT-Schalter in den Mercedes auf unterschiedlichen Positionen stand. Bei Hamilton auf der Position "3" auf einer Skala bis 14. Das ist der so genannte Normalmodus im Unterschied zu "4", unter der maximale Power für die Qualifikationsrunden abgerufen werden kann.

In Rosbergs Fall zeigt der Drehschalter deutlich weiter nach links, offenbar im zweistelligen Bereich. Die Fahrer sind laut Merkzettel am Lenkrad angewiesen auf dem Startplatz in Position "3" zu gehen (siehe Fotoshow). Dieses Motorkennfeld liegt in den ersten 90 Sekunden nach dem Start im Menü-Baum eine Ebene unter dem FIA-Startmodus, der für alle Autos bestimmte Parameter in dem jeweils gewählten Motorprogramm blockiert.

Mercedes - Start - GP Spanien 2016Foto: sutton-images.com

Unter anderem ist der Überholknopf außer Kraft gesetzt. Basisdaten in den Kennfeldern werden aber akzeptiert. Zum Beispiel, nach welchem Schema der Antrieb die Batterien auflädt.

Rosberg im Safety-Car-Modus

Nach unseren Quellen war Rosberg nach dem Start im Safety-Car-Mode unterwegs. Ob er versehentlich in diesen Modus geraten ist, ob er vergessen hat, nach der Formationsrunde vom SafetyCar-Modus in die Position "3" umzuschalten, oder ob irgendeine dieser Schaltpositionen falsch konfiguriert war, wird bei Mercedes noch untersucht.

Tatsache ist, dass Rosberg aus dem Stand wie Hamilton beschleunigt hat. Das ist im Safety-Car-Modus möglich. Allerdings wird in diesem Programm auch die Batterie geladen, wann immer es die Situation erlaubt. Also auch beim Beschleunigen.

Rosberg hat ausgangs der Kurve 3 gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Deshalb dreht er den Motor-Modus-Schalter sichtbar nach rechts, vermutlich in Position "3". Und er drückt links oben auf den Überholknopf. Der aber ist noch weitere 65 Sekunden blockiert, bis das System automatisch den FIA-Startmodus außer Kraft setzt.

Während der Antrieb nicht auf den Überholknopf reagiert, hätte sich die Änderung des Motorprogrammes bemerkbar gemacht, aber erst nach dem ersten Mal Bremsen. Also in Kurve 4. Die Elektronik reagiert auf das Verstellen von Motordaten immer mit einer Verzögerung. Man will nicht, dass der Fahrer in einer Kurve oder beim Beschleunigen plötzlich 160 PS mehr an der Kette hat. So ein Lastwechsel könnte zu Unfällen führen.

Rosberg musste sich also nur bis Kurve 4 retten, um wieder "normal" fahren zu können. Und Hamilton musste bis Kurve 4 an Rosberg vorbei, sonst wäre er vermutlich das ganze Rennen hinter seinem Teamkollegen angestanden. Der Weltmeister wusste, dass es auf der Strecke mit gleichwertigen Autos kein Vorbei gibt. Und auch in der Box nicht, weil der Spitzenreiter immer von der besseren Strategie profitiert.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal, welche Schalter Rosberg am Lenkrad drücken und drehen muss.

Neuester Kommentar

Also, so wie hier die Umstände des Unfalls zwischen den beiden Mercedes Piloten dargestellt sind, kann man das schon der Fairness und dem guten Willen gemäß, annehmen. Schließlich sollen die beiden Kontrahenten ohne "Hass" die restlichen Rennen dieser Saison zuende fahren und zwar mit dem vom Rennstall gesetzten Ziel. Die nächsten Rennen werden zeigen, ob es fruchtet. Jedoch, glaube ich, wird Hamilton selbst wohl am besten wissen, was er da in Barcelona vollbracht hat. Soviel Ehrlichkeit zu sich selbst wird er wohl aufbringen und irgendwann später, wird er das auch öffentlich machen, da bin ich mir sicher. Je früher er in der laufenden Saison seinem gesteckten Ziel näher kommt, je früher wird er vielleicht das ihn Belastende loszuwerden versuchen.

Ginnisickel 18. Mai 2016, 14:13 Uhr
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